Der Militärnachrichtendienst der USA (DIA) hat in der vorigen Woche seinen ersten Bericht zum Thema „Russische Militärstärke“ veröffentlicht. Dazu ist das Pentagon im Sinne des Haushaltsgesetzes verpflichtet, schreibt die Zeitung «Wedomosti» am Montag.

Im Vorwort behauptete der DIA-Direktor Vincent Stewart, dass die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine Ära einer beispiellosen Stabilität gewesen sei, und zwar vor allem dank der militärischen Stärke der USA. Aber seit 2014 fordere Russland die USA gleich in vier Aspekten heraus: durch die „Annexion“ der Krim, die Destabilisierung der Situation in der Ostukraine, die Intervention in Syrien auf der Seite Baschar al-Assads und die Cyberangriffe auf die USA während der Präsidentschaftswahl 2016.

Ferner wurden in dem Dokument die Geschichte der russischen Streitkräfte nach dem Jahr 1991 („die Zeit der Wiederauferstehung“), die Militärreform 2008, Russlands Militärdoktrin und das System zur Verwaltung über die militärische Organisation Russlands beschrieben. Besonderes Augenmerk wurde auf einzelne Waffengattungen und ihre Möglichkeiten sowie auf andere bewaffnete Strukturen gerichtet. Im Kontext der Cybermöglichkeiten wurden „Pro-Kreml-Bots und Trolle“ erwähnt.

Der Bericht ist sehr mangelhaft, stellte der Experte des Zentrums für Strategien- und Technologienanalysen, Michail Barabanow, fest. Es entstehe der Eindruck, dass er rein formell geschrieben worden sei. Es sei „offensichtlich“, dass der Bericht nicht erstellt worden sei, um faktische Informationen darzustellen, sondern um die so genannte „russische Gefahr“ hervorzuheben. Darin gebe es nicht einmal Berufungen auf Wikipedia, ergänzte der Experte.

Dieser Auffassung stimmte auch Michael Kofman vom US-amerikanischen Kennan Center zu. Aus der Sicht der Analysen sei der Bericht „katastrophal“, betonte er. In dem Dokument seien ideologische Ansichten zum Ausdruck gebracht worden, dafür seien aber kaum Informationen enthalten. Noch sei das Dokument sehr kontrovers, und seine Aufgabe sei offenbar gewesen, eher die These von der „russischen Gefahr“ voranzubringen als die wahre Situation in der russischen Armee zu analysieren.

Es gibt in dem Bericht auch rein rechnerische Fehler: So wird darin behauptet, Russland hätte 16 strategische Bomber Tu-160, 60 Tu-95 und 50 Tu-22M3 (insgesamt also 126). In der Abschlusstabelle steht aber geschrieben, ihre Gesamtzahl würde 141 betragen.

Eine dem russischen Verteidigungsministeriumnahestehende Quelle stellte ihrerseits fest, dass die Organisations- bzw. Stabsstruktur vieler russischer Truppenteile mit Fehlern beschrieben worden sei, obwohl viele entsprechende Informationen in offenen Quellen zugänglich seien. Diese Mängel führte der Insider darauf zurück, dass die US-Studien bezüglich der Probleme im russischen Militär jahrelang mangelhaft finanziert worden seien. Eines der Ziele dieses Berichtes sei offenbar, den Amerikanern mit der „russischen Gefahr“ Angst zu machen, damit die zuständigen Behörden besser finanziert werden, vermutete die Quelle.

 

 

 

Quelle: Sputnik

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