Trotz massiven Polizeiaufgebots kam es zu ersten gewalttätigen Ausschreitungen bei Anti-G-20-Demonstrationen. Gleichzeitig trafen die meisten Staatsoberhäupter der 20 führenden Nationen der Welt in Hamburg ein. Die ersten Einzelgespräche führte Kanzlerin Merkel mit Trump und Erdogan.

Hamburg empfängt mich ähnlich wie zum G20-Außenministertreffen im Dezember 2016 mit dem bedrohlichen Geräusch eines in der Luft stehenden Helikopters. Der Gipfel im letzten Jahr war quasi die Generalprobe, ein erster Test für die Polizei, aber auch die Logistik. So sind viele Abläufe bereits erprobt. Erneut sind die Hamburger Messehallen Austragungsort des Gipfels.

Ein riesiges Medienzentrum wurde eingerichtet. Der Weg dorthin führt über etliche Kontrollpunkte. Wenn man seine Akkreditierung erhalten hat, sucht man sich einen Arbeitsplatz, verfolgt auf den Bildschirmen das Geschehen und bemüht sich um Zusatzausweise für die begrenzten Plätze in den Pools für die Einzeltermine. Da gibt es Einiges zur Auswahl, wobei einige Termine sich gegenseitig ausschließen. Hat man zum Beispiel die Ankunft der Air Force One am Hamburger Flughafen gefilmt – der amerikanische Präsident ist am Donnerstag gegen 16 Uhr gelandet – darf man nicht beim sogenannten Familienfoto der 20 Gipfelteilnehmer zu Beginn der Konferenz am Freitagmorgen dabei sein.

Ansonsten wird gut für die Journalisten gesorgt. Neben Arbeitsplätzen gibt es exzellentes Catering. Angeblich stehen 12.000 Schokoriegel für die etwa 700 Journalisten aus aller Welt bereit. Riesige Bildschirme übertragen, wie die Staatsoberhäupter auf dem Hamburger Flughafen landen.

Los ging es gleich am Donnerstag mit einem Medien-Eröffnungsabend. Die Veranstalter haben sich alle Mühe gegeben, den nüchternen Messehallen für die Eröffnungsparty Atmosphäre abzutrotzen. Buntes Licht, Lounge-Ecken, ein Shanty-Chor von der Waterkant, Kicker-Tische, feinstes Essen und Trinken und der Hamburger Bürgermeister begrüßt persönlich die Journalisten aus 67 Ländern. Man kommt sich vor wie auf einer VIP-Party.

Im vergangenen Jahr beim kleinen Gipfel fand diese Willkommensparty speziell für Journalisten noch im Hotel Atlantic an der Alster statt. In diesem Jahr nicht, da die Kanzlerin im Atlantic residiert. Angela Merkel hat bereits heute vor Gipfelbeginn ein anstrengendes Programm. Während die Journalisten noch feiern, traf sie sich um 18 Uhr im Atlantic mit Präsident Trump, der übrigens von allen Hotels in Hamburg Absagen bekommen hat und nun wohl im Gästehaus des Hamburger Senats campiert.

Anschließend fanden auch noch Einzelgespräche von Merkel mit dem türkischen Präsidenten Erdogan und dem vietnamesischen Premierminister Nguyen Xuan Phuc statt. Da blieb wohl heute keine Zeit für ein richtiges Abendbrot. Bei Frau Merkel dürfte es nur Häppchen gegeben haben.  Später stießen auch noch die deutschen und amerikanischen Außenminister Gabriel und Tillerson dazu. Vielleicht hat ja auch Udo Lindenberg vorbeigeschaut, der permanent im Hotel Atlantic residiert. Der Rock’n’Roller hat Erfahrung damit, wie man Herrscher lockermacht, wie er damals bei DDR-Chef Erich Honecker bewies, als er ihm eine Lederjacke im Tausch gegen eine Schalmei schenkte.

Den Rest des Programms auf dem Medienempfang hab ich verpasst, um meine Kollegin Ilona Pfeffer bei der Außenberichterstattung von der „Welcome to Hell“-Anti-G20-Demo zu unterstützen. Allerdings wurde die Demo bereits am Ausganspunkt Fischmarkt rabiat aufgelöst. Autos brannten, Wasserwerfer waren im Einsatz und Schlagstöcke flogen.

Der Schwarze Block der Autonomen war auch nicht zimperlich. Fotos und Videos finden Sie auf unseren Twitter-Accounts @Ilona_Sputnik und @ArminSputnik und auf der Facebook-Seite von Sputnik Deutschland. Die Nacht dürfte unruhig werden auf dem Kiez.

Опубликовано Sputnik Deutschland 6 июля 2017 г.

Im Laufe des Donnerstages sind die meisten Gipfel-Teilnehmer eingetroffen. Der russische Präsident Wladimir Putin soll zusammen mit den letzten Gästen gegen Mitternacht auf dem Hamburger Militärflughafen eintreffen.
Am Freitag sollte der G20-Tag eigentlich um 10 Uhr mit der offiziellen Begrüßung der Teilnehmer und Eröffnung des Gipfels durch Kanzlerin Merkel beginnen. Spontan haben nun EU-Ratspräsident Donald Tusk und Kommissionschef Jean-Claude Juncker eine Pressekonferenz für 8.15 Uhr angesetzt. Warum machen sie das nicht in Brüssel und stehlen Merkel die Show? Morgen wissen wir mehr.Zum Treffen zwischen Putin und Trump soll es übrigens ausgerechnet während der Sitzung zum Thema Klima kommen – am Freitag um 16 Uhr. Sputnik wird berichten.

Im Augenblick passiert so viel gleichzeitig in Hamburg, hinter und vor den Kulissen, auf der Straße und in den Hotels. Wird Geschichte geschrieben? Am Samstag wissen wir mehr.

 

von Armin Siebert

 

 

Quelle: Sputnik

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