London. Der bislang letzte Irak-Krieg liegt inzwischen über 14 Jahre zurück. Er begann im März 2003, als die USA wegen angeblicher Massenvernichtungswaffen des seinerzeitigen Präsidenten Saddam Hussein in das Land einmarschierten. Saddam Hussein wurde festgenommen, abgeurteilt und hingerichtet.

Jetzt meldet sich John Nixon, ein ehemaliger CIA-Offizier, mit einem Buch über die kritischen Ereignisse des Jahres 2003 zu Wort und stellt die offizielle Version in Frage. Er gibt zu Protokoll, daß er Saddam nach dessen Festnahme verhört habe. Dabei habe sich herausgestellt, daß der „dämonische Diktator” nur eine Erfindung der Medien gewesen sei. Der vormalige Diktator sei vielmehr nicht von Grund auf böse gewesen, sondern habe auch eine „menschliche Seite” gehabt. „Er war eines der charismatischsten Individuen, die ich jemals traf. Wenn er wollte, konnte er charmant, nett, lustig und höflich sein”, so Nixon in seinem kürzlich vorgestellten Buch „Debriefing the President: The Interrogation of Saddam Hussein” (Bantam Press, London).

Außerdem habe Saddam Hussein sein Volk nicht versklavt und auch keine Kurden vergast. Dies alles sei ein Zerrbild der Medien gewesen, so Nixon.

Überrascht habe auch, wie schlecht Saddam in Wahrheit informiert war, „wie unzureichend seine Kenntnisse in Bezug auf internationale Beziehungen und die Verhältnisse in der amerikanischen Politik waren”. Faktisch habe Saddam den Irak nicht mehr regiert, sondern die Regierungsgeschäfte schon vor dem Krieg von 2003 abgegeben. Seine freie Zeit verbrachte er damit, sich der Musik und dem Schreiben zu widmen. Er beschwerte sich im Verhör bei Nixon darüber, daß die amerikanische Armee ihm sein Schreibzeug weggenommen habe und er deswegen sein Buch nicht zu Ende schreiben konnte.

Im Rahmen seiner Verhöre fragte der CIA-Mann auch nach dem Giftgasangriff auf die irakischen Kurden im Jahr 1988. Bei dem Angriff auf die Ortschaft Halabdscha starben nach offizieller Lesart zwischen 3.200 und 5.000 Menschen. Saddams Antwort zählt für Nixon zu den „interessantesten Erkenntnissen”, die seine Befragung zu bieten hatte. Denn nicht Saddam soll den Befehl für den Giftschlaganschlag erteilt haben, sondern ein irakischer General, der eigenständig gehandelt haben soll, so Nixon. Diese Version der Ereignisse habe jedoch weder die CIA noch andere US-Stellen interessiert.

Unter dem Strich kommt Nixon zu dem Schluß, daß das Ergebnis der Saddam-Befragung nicht das gewünschte Bild vom „verrückten Diktator” lieferte. Die CIA sollte nur Informationen liefern, die von ihr erwartet wurden. Die CIA-Führung habe nur aus „Jasagern” bestanden, die darum bemüht waren, dem Weißen Haus gefällig zu sein, schreibt Nixon.

Schlimmer noch sei jedoch die Tatsache, daß auf der Grundlage von Disinformationen der Irak in ein Chaos gestürzt worden sei, was den Aufstieg der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) begünstigt habe.

 

 

Quelle: Zuerst

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