Der jüngste G20-Gipfel in Hamburg ist zu einem weiteren Beweis dafür geworden, dass die USA ihre globale Führungsrolle allmählich verlieren, allerdings auch nichts dagegen haben, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete den Hamburger Gipfel als „einen großen Erfolg für die USA“. Wie er auf Twitter erläuterte, musste er viele „schlechte Handelsabkommen“ verbessern, was ihm auch gelungen sei. Aber offenbar musste er auch einige Zugeständnisse an andere Länder akzeptieren.

In der Abschlusserklärung heißt es unter anderem, dass die Teilnehmer des Gipfels entschlossen seien, ihre Märkte „weiter offen aufrechtzuerhalten“ und „den Kampf gegen den Protektionismus fortzusetzen“. Das widerspricht jedoch Trumps Politik von „Amerika über alles“. Laut westlichen Medienberichten ließ er sich von seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron zur Unterzeichnung des Dokuments überreden.

„Die Vereinigten Staaten selbst bestehen nicht mehr auf ihre globale Führung“, sagte der Vorsitzende des russischen Rats für Außen- und Verteidigungspolitik, Fjodor Lukjanow. „Ursprünglich ließ sich aus den Erklärungen Trumps schlussfolgern, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr der globale Führer sein wollen, der die Verantwortung für internationale Prozesse übernimmt und die Welt transformieren will. Nach Trumps Vorstellung ist Amerikas Rolle die des globalen Bosses. Das ist nicht die Einheit, die etwas verändern will: ‚Die Welt ist so – und soll auch so bleiben. Aber wenn wir etwas brauchen, müssen wir die Möglichkeit haben, es mit allen möglichen Mitteln zu erreichen.‘ So ist die Position des Bosses“, so der Experte.
Allerdings konnte niemand den US-Präsidenten überreden, seine Meinung zum Thema Klimawandel zu ändern. Wegen ihrer Position seien die Amerikaner in eine gewisse Isolation geraten, doch darüber mache sich Trump keine Gedanken, stellte Lukjanow fest.

Aber die gesamte Tagesordnung des Hamburger Gipfels wurde vom ersten Treffen der Präsidenten Russlands und der USA, Wladimir Putin und Donald Trump, überschattet.

„Ich habe Präsident Putin zwei Mal im Kontext der Einmischung Russlands in unsere Wahlkampagne massiv unter Druck gesetzt, und er dementierte vehement diese Behauptungen“, sagte Trump gestern. „Wir haben über die Feuereinstellung in einigen Gebieten Syriens verhandelt. Jetzt ist es an der Zeit, weiterzugehen – unter dem konstruktiven Zusammenwirken mit Russland.“

Zu den Russland-Sanktionen sagte der US-Präsident, dieses Thema sei in Hamburg nicht erörtert worden. Für den Anfang sollten die Probleme in Syrien und der Ukraine geregelt werden.

Wladimir Putin hatte zuvor erklärt, sein US-Amtskollege sei mit seinen Antworten auf dessen Fragen zufrieden gewesen. „Er stellte einige Fragen, und ich gab entsprechende Erläuterungen“, so der Kremlchef. Als wichtige Errungenschaft bezeichnete er die Einigung im Kontext der Syrien-Regelung. „Egal wer wie darauf reagiert, kann ich Ihnen sagen: Das ist einer der Durchbrüche, die uns gelungen sind“, betonte er. Außerdem haben die Seiten beschlossen, eine Arbeitsgruppe für die Überwindung des Gesamtkomplexes der bilateralen Probleme zu bilden.
Experten zweifeln jedoch daran, dass Russland für das Weiße Haus im Vordergrund steht. „Es ist wichtig, dass Russland für Trump keine Priorität (…) hat“, so Lukjanow. „Das ist etwas merkwürdig, wenn man den ‚russischen Faktor‘ in der US-Politik und die Tatsache bedenkt, dass das Putin-Trump-Treffen die ganze restliche Tagesordnung des Gipfels in Hamburg in den Hintergrund verdrängt hat. Aber für Trump ist es am wichtigsten, den Welthandel und die Weltwirtschaftsordnung zu verändern, und da gehört Russland nicht zu den Hauptakteuren. Russland ist ein wichtiger Akteur in anderen Bereichen.“

 

Quelle: Sputnik