Nordkorea kann in ein bzw. zwei Jahren Objekte an der Westküste der USA bedrohen, falls es die Mängel der im Juli getesteten ballistischen Rakete behebt, wie die US-Webseite North 38 unter Berufung auf den Raketenexperten John Schilling berichtet.

Laut Schilling ist diese Rakete derzeit noch nicht zuverlässig genug und könnte womöglich bis nach Alaska bzw. zu den Hawaii-Inseln fliegen. „Doch in ein bzw. zwei Jahren nach zusätzlichen Tests kann Nordkorea über eine Rakete verfügen, die einen nuklearen Gefechtskopf zu Zielen entlang der US-Westküste bringen kann. Die Rakete kann ziemlich präzise sein, um schwach geschützte Ziele zu vernichten, beispielsweise Marinestützpunkte“, so der Experte. Darüber hinaus könne Nordkorea in etwa fünf Jahren die Rakete mit Scheinzielen bzw. Täuschkörpern und anderen Geräten ausstatten, die bei der Überwindung des Raketenabwehrsystems helfen würden.

Berechnungen von Experten zufolge kann die Rakete bei einem Start auf einer optimalen Flugbahn 7000 bis 8000 Kilometer zurücklegen. „Doch falls unsere Angaben über Hwasong 14 stimmen, kann sie etwas nachgebessert werden, wobei die Mängel beseitigt werden“, so Schilling.

Im Ergebnis könne die Reichweite der Rakete auf 9700 Kilometer erhöht werden. „9700 Kilometer sind die ungefähre Entfernung zwischen nordkoreanischen Geländen und dem US-Marinestützpunkt in San Diego. Eine Rakete kann diesen Weg mit einem 500 Kilogramm schweren Gefechtskopf zurücklegen“, so Schilling. Bei einem solchen Raketenstart werde die Präzision eingeschränkt, weil es Nordkorea an zahlreichen Technologien mangele. Laut US-Experten könnte Nordkorea einen ziemlich kleinen Gefechtskopf für die Hwasong-14 herstellen.

Die Aussicht der Installation von gleich mehreren nuklearen Gefechtsköpfen auf Hwasong 14 sei derzeit ziemlich weit entfernt.

„Die Option mit mehreren Gefechtsköpfen ist theoretisch umsetzbar, doch sie erfordert die Anwendung von sehr leichten Gefechtsköpfen, dafür sind zusätzliche Atomtests vonnöten. Dies wird bestenfalls noch ein Jahrzehnt dauern“, so Schilling.

Nach vorhandenen Angaben ist die Hwasong14-Rakete aus Elementen von zuvor von Nordkorea getesteten Raketen zusammengebaut worden. Zugleich wurden bei der Raketenherstellung auch mehrere für Nordkorea neue Technologien eingesetzt. Laut Schilling wird sich Nordkorea in der nächsten Zeit auf die Ausstattung der Rakete mit Scheinzielen konzentrieren, um ihr Abfangen zu erschweren.

„Das Raketenabwehrsystem der USA ist in seiner jetzigen Form eingeschränkt nach den Möglichkeiten und unzuverlässig. Während der Tests funktioniert es nur bei der Hälfte der Fälle. Doch Nordkorea muss verstehen, dass, falls es eine einsatzbereite Interkontinentalrakete aufstellt, dies die USA zur Verbesserung ihres Raketenabwehrsystems bewegen wird“, so der Experte.

„Nordkorea ist kaum imstande, eine ausreichende Zahl von Raketen herzustellen, damit ihre Zahl höher als die Zahl der US-Gegenraketen sein wird. Dafür aber kann Nordkorea jede Rakete mit Dutzend Scheinzielen ausstatten. Das wäre ein effektives Abschreckungsmittel“, so der Experte.

 

Quelle: Sputnik