In Europa tobt ein ernsthafter Kampf um russisches Gas. Südliche und Balkan-Staaten wollen Experten zufolge nicht nur die Zuverlässigkeit ihrer Energieversorgung bewahren, sondern auch zusätzliche Einnahmen aus ihrem Status als Transitland erzielen. Dies berichtet das russische Portal „Wirtschaft heute“.

Südlicher Gas-Korridor Europas

Beim Internationalen Öl-Gipfel hat Serbiens Präsident Aleksandar Vucic seine Hoffnung darauf geäußert, „dass ein Strang (im Rahmen des Gasprojektes Turkish Stream – Anm. d. Red.) durch Serbien und westbalkanische Länder verlegt werden wird“. Er merkte dabei an, die Lage seines Landes sei „geostrategisch“ und könne für den Transit von Energieressourcen genutzt werden.

Zuvor hatte der bulgarische Ministerpräsident Bojko Borissow erklärt, dass Bulgarien den Gasstrom für Europa auf sich nehmen könne, falls die Ukraine darauf verzichte. In diesem Zusammenhang wollen Medienberichten zufolge die beiden Länder ein entsprechendes Abkommen unterzeichnen, um gemeinsam ihre Interessen zu vertreten.
Die Gas-Route durch Bulgarien und Serbien hält demnach auch Ungarn für attraktiv, das bereits seit 2019 russisches Gas bekommen soll. Anfang Juli des laufenden Jahres hatten Gazprom und Budapest eine Vereinbarung über die Verlängerung der Gaspipeline Turkish Stream über Bulgarien und Serbien nach Ungarn unterzeichnet.
Derzeit gibt es dem Portal zufolge mehrere Varianten des weiteren Gas-Transits nach dem Ende der Gaspipeline Turkish Stream.

Das letzte Wort hat die EU-Kommission

Die erste Variante werde im Kontext der Wiederaufnahme des Projejtes der Gaspipeline South Stream besprochen. Zudem habe die Slowakei eine Alternative namens Eastring. Es gebe auch das Projekt einer Gaspipeline durch Serbien. Man führe einen ernsthaften Kampf, weil niemand die Zuverlässigkeit seiner Energieversorgung verlieren wolle.

„Das Wichtigste ist, dass alle ein zusätzliches Einnahmen aus dem Transit bekommen wollen“, so der Experte Alexander Kurdin. Wie dieser Streit gelöst wird, hängt ihm zufolge nicht von Russland, sondern von Europa selbst ab. Die Entscheidung müsse die EU-Kommission treffen.

„Das Gewicht Serbiens kann leider die Entscheidung der EU-Kommission nicht direkt beeinflussen“, sagte der Experte Georgij Engelgardt.

„Wir sehen, dass die Position des EU-Mitglieds Ungarn keine entscheidende Rolle dabei spielt, deshalb wird die Geschichte fortgesetzt. Die Erklärung Serbiens, Bulgariens und Ungarns über ihr Interesse an der Gaspipeline Turkish Stream ist ihr Wunsch, sich die Route für die Zukunft zu sichern. Falls die EU-Kommission den südlichen Gas-Korridor billigt, bekommen diese Länder hohe Chancen, an dem Projekt teilzunehmen.“

 

Quelle: Sputnik