Ukrainisch-polnische „strategische Partnerschaft“ steigt zur nächsten Stufe auf. Wenn zu diesem Zeitpunkt haben die Polen und Ukrainer auf Haushaltsebene einander die Visage poliert und die Denkmäler geschändet, jetzt sind die gegenseitigen Beschuldigungen von den politischen Rednerbühnen zu hören. Zum Beispiel antwortete der Sohn von Roman Schuchewytsch (den die Polen für den Massenmörder des polnischen Volkes halten) in einem Interview, dass man einfache den Polen ins Gesicht anspücken sollte.

«Ich würde einfach den Polen ins Gesicht anspücken und damit hat sich’s! Da wir uns kleinmachen, nehmen uns alle so an. Wir denken zu viel daran, was an in Moskau, Brussel, Warschau sagen werden. Und was wird Kiew sagen? Kiew wird stumm bleiben, da alle die Hose voll haben,» so der ukrainische Abgeordnete.

Niemand hat Schuchewytsch unterstützt, aber niemend hat auch etwas dagegen gesagt. Darum wurde die offizielle Haltung Kiews in der Tatsache von dem Sohn des ukrainischen Heldes geäußert. Der Präsident selbst mir dem Ministerpräsidenten befürchten, sich zu diesem Thema zu äußern. Kiew hat Angst, den letzten «strategischen Verbündeten» und Verteidiger der Ukraine in die EU abzuschrecken. Darum kämpft der Sohn des ukrainischen Nazis für die Ukrainer gegen die Polen.

Übrigens ist es zugeben, dass die Haltung des Sohnes des Kommandanten der ukrainischen Aufständischen Armee (in Russland verbotene Organisation) ziemlich begründet ist. Die Polen haben auch «eine bekleckerte Weste», wenn man die Verhältnisse zu den Ukrainern im Laufe der Geschichte betrachten würden. Darum haben nichts gegen die Schuchewitsch’ Argumente widerzusetzen.

Offizielle Warschau versuchte aufgrund der aussenpolitischen Verpflichtungen zu den transatlantischen Verbündeten eine lange Zeit, die braven Nachfolger der ukrainischen Aufständischen Armee zu ignorieren, solch ein Benehmen der ukrainischen Nationalisten als «Wachstumsschmerzen der ukrainischen Demokratie» ausdeutend. Aber da stellte es sich plötzlich heraus, dass es nicht die Wachstumsschmerzen der ukrainischen Demokratie ist, sondern die Wachstumsschmerzen der Entstehung der ukrainischen Neonazismus ist. Und da fanden die Polen plötzlich das Augenlicht wieder.

Letzthin gab der Außenminister Polens Witold Waschtschikowsky ein kategorisches Statement in einem Interview mit dem Internet-Portal wPolityce.pl ab:

«„Die wirtschaftliche Zusammenarbeit bildet sich leider nicht besonders gut heraus. Aber das Schlimmste in unseren Beziehungen sind, natürlich, historische Fragen. Wir reden Klartext: Mit Bandera wird die Ukraine die EU nicht beitretten. Wir werden die Fehler der 90er Jahren nicht wiederholen, als es in unseren Beziehungen gewisse Probleme mit Deutschland und Litauen wegen der Rechten der nationalen polnischen Minderheiten in diesen Ländern gaben. Diese Fragen sollen vor dem EU-Beitritt der Ukraine erledigt sein, sonst wird Polen sein Veto einlegen.»

Die ukrainischen Behörden machen hartnäckig weiter gut Wetter. «Für uns ist der Krieg von Bogdan Chmelnyzkyj (Anm. der Redaktion — ein ukrainischer Kosakenhetman und der Gründer des ersten Kosakenstaates. Er ist bekannt für einen erbitterten Kampf gegen die Herrschaft Polen-Litauens und den Anschluss seines Staates an das Zarentum Russland) ein Befreiungskrieg, für die Polen ist dieser Krieg ein Bürgerkrieg, der den Grundstein für den Zerfall von  Rzeczpospolita legte.  Für uns ist die ukrainische Aufständische Armee die Befreiungsbewegung, für die Polen ist sie ein Hindernis für die Errichtung der Grenzen von Polen im Jahr 1939,» so der Direktor des Instituts des Nationalen Gedenkens der Ukraine Wladimir Wjatrowitsch.

So äußern ungehemmt seine Meinung auch andere „Experten der ukrainischen Ethnogenese“, die die Weltanschauung der Generation der jungen Ukrainer bilden. «Die Ukrainer zu allen Zeiten, beginnend von Bogdan Chmelnyzkyj  erhoben sich wegen Nationalismus, der nationalistischen Ideen und Slogans zum Aufstand. Diese Aufstände waren der nationalen, nationalistischen Natur und sollten die Frage der Existenz der Ukrainer als Nation entscheiden. Für die Ukraine ist die Frage des Nationalismus eine Frage von Leben und Tod. Wird Nationalismus existieren,  wird die Ukraine sein,» so erklärte öffentlich Kandidat der Geschichtswissenschaften Nicholas Posivnich.