Die Seestreitkräfte Indiens, der USA und Japans haben Anti-U-Boot-Manöver im Golf von Bengalen begonnen. Ein US-Kommandeur nannte das Manöver eine Botschaft an China. Das Signal wurde zu einem Zeitpunkt gesendet, an dem der Gebietsstreit zwischen Neu-Delhi und Peking zu eskalieren droht, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

Die trilateralen Seemanöver „Malabar“ finden bereits seit mehreren Jahren statt. Diesmal waren sie in ihrer Größenordnung präzedenzlos. An der indischen Ostküste machten drei Flugzeugträger Halt. Das indische Schiff „Vikramaditya“ ist der ehemalige russische Flugzeugträger „Admiral Gorschkow“, den Russland zusammen mit Kampfjets an Indien geliefert hatte.

Es ist kein Geheimnis, welche U-Boote bei den Übungen gemeint sind. Die indische Marine veröffentlichte im vergangenen Monat einen Plan zur ständigen Überwachung der Schiffsbewegungen durch die Straße von Malakka. Die Bedeutung dieses Weges ist offensichtlich – über diese Straße kommen chinesische Handelsschiffe aus dem Südchinesischen Meer. In den letzten Wochen war eine zunehmende Präsenz von chinesischen Militärschiffen im Indischen Ozean zu erkennen. Die Chinesen schicken diese Schiffe, um ihren Unmut über die Kooperation zwischen Indien, den USA und Japan zu demonstrieren.

Ein Kommandeur der US-Schiffsgruppe sagte gegenüber „The New York Times“, dass die Manöver die Chinesen beeinflussen werden. „Sie werden wissen, dass wir (Inder, Amerikaner, Japaner) zusammen gehen“, sagte er.

Allerdings wurde nicht erwähnt, dass die Übungen vor dem Hintergrund eines ernstzunehmenden Kräftemessens zwischen dem chinesischen und indischen Militär im Himalaya-Gebirge stattfinden. Der Grenzstreit zwischen den beiden Ländern ist bereits seit vielen Jahren im Gange. Nun eskalierte die Lage an der Grenze. Indische Nationalisten fordern den Boykott chinesischer Waren. Die chinesische Botschaft in Neu-Delhi mahnt Chinesen bei Reisen nach Indien zur Vorsicht.

Diesmal entflammte der Konflikt an einem kleinen Abschnitt der umstrittenen Grenzlinie. Anlass war der chinesische Bau einer Straße auf dem Plateau Doklam zwischen China und Bhutan, für dessen Sicherheit Indien verantwortlich ist. Dieses Gebiet wird sowohl von Peking als auch von Bhutan beansprucht.

Medien erinnerten an die Äußerung des indischen Premiers Narendra Modi, dass an der chinesisch-indischen Grenze in den vergangenen 40 Jahren kein einziger Schuss gefallen wäre. Obwohl beim G20-Gipfel die Gelegenheit dazu bestand, gingen die Anführer der beiden Länder sich in Hamburg aus dem Weg. Die für ihre nationalistischen Töne bekannte chinesische Zeitung „Global Times“ erinnerte Neu-Delhi an die Lehren des Grenzkrieges von 1962, als Chinesen die schwach ausgebildeten indischen Truppen niederschlugen. Der indische Verteidigungsminister antwortete darauf, dass Indien heute viel weiter sei als vor 55 Jahren.

Laut dem russischen Politologen Sergej Lunew begannen die Manöver „Malabar“ 2003. Im Jahr 2007 kamen die Japaner hinzu. Insofern sei nichts neu daran. Allerdings störe Moskau die militärpolitische Annäherung Indiens an die USA. Indien versuche, zu manövrieren.

Was die Beziehungen zwischen Indien und China betreffe, strebe Moskau eine Annäherung zwischen ihnen an. „Allerdings sieht Indien China als seinen Hauptgegner – eher in der Zukunft als jetzt. Die Befürchtungen Indiens ruhen darauf, dass China Pakistan als seinen Verbündeten betrachtet“, so der Experte.

Die jetzigen Spannungen sind eine Wiederholung früherer Ereignisse. 1998 erklärte China Indien zum Hegemon Südasiens. Die jetzigen Ereignisse seien eine Art Spiel. Die Grenzfrage werde nicht gelöst und es könne in der Zukunft zu einem Krieg kommen. „Der Kurs Moskaus ist darauf ausgerichtet, dies zu verhindern und die Beziehungen beider Länder zu entspannen. Die Situation wird dadurch erschwert, dass die Amerikaner die indisch-chinesischen Beziehungen zuspitzen wollen“, so Lunew.

 

Quelle: Sputnik

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