Außenpolitische Deals scheint Donald Trump wortwörtlich zu verstehen – als Handelsgeschäfte. Nach Ansicht des russischen Auslandsexperten Fjodor Lukjanow haben nicht alle Länder dies gleich kapiert.

In einem Gastbeitrag für die russische Zeitschrift „Ogonjok“ postuliert Lukjanow: „Wie es sich herausstellt, wurde Trump in Moskau (und nicht nur dort) ursprünglich halt missverstanden.“

Als Wahlkandidat und später als Präsident habe Trump ständig sein Lieblingswort „Deals“ wiederholt. Dieser Begriff an sich gefalle dem Kreml: „Der Pragmatismus und eine nüchterne realistische Betrachtungsweise der internationalen Beziehungen wurden hierzulande ja seit jeher liberalen Ausführungen über einen wertorientierten Ansatz vorgezogen.“

Doch im Vergleich zum unverhohlen handelsorientierten Ansatz von Trump „sieht Russlands altmodischer und ziemlich düsterer Realismus nahezu romantisch aus“, schreibt Lukjanow in seinem Kommentar.

Er erläutert: „Die ‚Buy American‘-Losung aus Donald Trumps Rede bei der Amtseinführung erwies sich als Leitmotiv nicht nur für seine Innen-, sondern auch für seine Außenpolitik, wobei sich dieses Signal vor allem an die Verbündeten richtete. Das außenpolitische Arsenal einschließlich der Anwendung von Militärgewalt ist dabei nur ein Mittel, um geschäftliche Ziele zu erreichen.“

„Wenn Trump von Deals spricht, meint er nicht etwa ausgeklügelte Gegenleistungen und Kompromisse. Er deutet sie wortwörtlich – wie im Business: etwas, was Gewinne bringt“, so der Experte.

„Nicht alle haben das mitgekriegt. Manche konnten ‚Trumps Code‘ jedoch ziemlich schnell entschlüsseln. Etwa im Persischen Golf verstand man alles sofort: Je mehr du den Amerikanern für deren Ware bezahlt hast, desto fester sind die Beziehungen. Der Besuch in Saudi-Arabien war deshalb die fruchtbarste Auslandsreise von Trump, obwohl die Krise zwischen Katar und dessen Nachbarn nicht zuletzt eben durch diesen Besuch verursacht wurde“, meint Lukjanow.

„Ein weiterer verständiger Verbündeter ist Polen. Dort stimmt man nicht nur einem Kauf von Patriot-Raketensystemen mit Begeisterung zu (das war auch früher so), sondern zeigt sich auch enthusiastisch bereit, sich auf amerikanisches Gas umzusteigen sowie dessen Lieferungen in alle osteuropäischen Länder einschließlich der leidgeprüften Ukraine zu sichern. Wurde Washingtons Kampf gegen verschiedene russische Pipeline-‚Streams‘ bisher in erster Linie mit Sicherheitsgründen erklärt, so ist sein konkurrenzbedingter Charakter nun unbezweifelbar“, so Lukjanow weiter.

Deutschland werde vom US-Präsidenten nicht etwa als maßgeblich wichtiger Verbündeter oder ideologischer Gleichgesinnter betrachtet, sondern vor allem als Marktkonkurrent. Damit verzichte Trump auf das Erbe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dies gelte offenbar auch für seine Haltung zur Nato, hieß es.

„In Trumps Interpretation ist der Schutz der Verbündeten keine Pflicht, die auf gemeinsamen Werten und Solidarität basiert, sondern eine Dienstleistung, die die USA ihren Kunden anbieten. Diese Dienstleistung ist nicht kostenfrei: Der Preis dafür ist nicht nur eine Erhöhung von Europas Verteidigungsausgaben (das versteht sich von selbst), sondern auch eine Verbraucher-Loyalität nach dem ‚Buy American‘-Motto“, schreibt Lukjanow.

 

Quelle: Sputnik