Über die Bereitschaft der Nato zur Benutzung von Montenegro, um ihre geopolitischen Bestrebungen umzusetzen, sprach der Professor für Geopolitik an der Universität San Francisco im US-Bundestaat Kalifornien, Filip Kovacevic.

Montenegros Nato-Beitritt, der bereits am Ende des 20. Jahrhunderts unter den wichtigsten Zielen der Allianz gestanden habe, werde destabilisierende Folgen für das Land selbst sowie für die ganze Region haben.

„Es besteht die Möglichkeit, dass die montenegrinische Regierung und ihre ‚ausländischen Meister‘ eine weitere Zuspitzung der innenpolitischen Situation im Land planen, und eines Tages können sie die Nato dazu rufen, ‚den Frieden und die Stabilität im Land‘ zu schützen, wie sie es nennen“, so Kovacevic.

In Montenegros Fall werden die USA demzufolge ihre gewöhnliche Strategie anwenden und die Kontrolle über die am Rande der Allianz liegenden Mitgliedstaaten ausüben.

„Darin besteht die Strategie der Nato. Ständige Instabilität und Einschüchterung sind Mittel der Nato, um periphere Regionen unter Kontrolle zu halten“.

Dass Montenegro eine bedeutende Rolle beim Treffen von militärischen und politischen Entscheidungen in der Nato haben werde, sei unwahrscheinlich.

„Die Meinung Montenegros interessiert niemanden in der Nato. Unterdessen wird sein Territorium bei zukünftigen Militäroperationen der Allianz auf dem Balkan sowie auf dem Territorium Osteuropas und Eurasiens benutzt werden. Deswegen ist es so schnell in die Allianz gedrängt worden“, meint der Politologe.

Die Nato-Ausbreitung mache alle demokratischen Verfahren in Montenegro zunichte.

„An der Spitze Montenegros steht seit langer Zeit eine Marionettenregierung, … eine illegitime Bande, die alle politischen Entscheidungen monopolisiert hat. Diese Regierung bringe den Willen ihrer Bürger nicht zum Ausdruck. Bei einem Referendum (über den Nato-Beitritt – Anm. d. Red.) würde das Volk auf diese Entscheidung verzichten. Genau deshalb ist das Referendum auch nicht organisiert worden“, sagte Kovacevic.

Die Nato habe viele innere Probleme und dass benutze die so genannte „russische Drohung“, um ihre Einigkeit zu zementieren.

„Die Nato ist arrogant und gefährlich, sie ist aber schwächer, als sie scheint“, sagte Kovacevic abschließend.

Am 5. Juni war das Balkan-Land Montenegro zum 29. Nato-Mitglied geworden. Den Nato-Beitritt hatten laut Umfragen nie mehr als 44 Prozent der Montenegriner befürwortet. Als Podgorica die Einladung zum Nato-Betritt im Jahre 2015 angenommen hatte, rollten Massenproteste über das Land.

 

Quelle: Sputnik