„Deutschland wird Deutschland bleiben – mit allem, was uns daran lieb und teuer ist“, versicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im September 2016 mit Blick auf den Zuzug von etwa einer Million Flüchtlingen. Zwar stehe Deutschland vor großen Herausforderungen wie dem internationalen Terrorismus. Aber dieser sei kein neues Problem, das erst mit den Flüchtlingen gekommen sei.

Nun hängt es stark von den eigenen Einstellungen, Ansichten, Neigungen und Hobbys ab, was einem lieb und teuer ist. Der eine beispielsweise begeistert sich für fremde Kulturen, der andere wiederum pflegt sein heimatliches Brauchtum. Und der dritte mag ganz einfach beides.

Im Prinzip wäre das alles kein Problem, gäbe es da nicht jene Veränderungen im öffentlichen Raum, die für jeden sichtbar sind und die dennoch gern beiseite geschoben werden. Längst werden nicht mehr nur in Großstädten Weihnachtsmärkte und Konzerte mit Betonpollern geschützt. Auch auf einfachen Volksfesten zeigt sich, wie weit es um Angela Merkels Versprechen bestellt ist.

Sicherheitsrisiko Hirschfänger

Der Trachtenverein „Die Ampertaler“ dürfte derzeit für die Worte der Kanzlerin nur ein müdes Lächeln übrighaben. Seit 1912 hat sich der Verein dem Erhalt des altbayerischen Brauchtums verschrieben. „Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten“, lautet der Leitspruch der „D’Ampertaler Dachau“.

Seit Jahren nimmt der Verein am Dachauer Volksfest teil und präsentiert dort stolz seine Trachten. Zu diesen gehört bei den Männern auch ein feststehendes Messer, der sogenannte Hirschfänger. Und genau der war nun Anlaß, daß die Ampertaler wenige Wochen vor Beginn des Dachauer Volksfestes im August Post von Oberbürgermeister Florian Hartmann bekamen.

In dem Schreiben informierte der SPD-Politiker über die neu eingeführten Zugangskontrollen. Durchsucht würden am Eingang alle Taschen und Rucksäcke auf darin befindliche Waffen wie Messer, Scheren und Pfefferspray. Auch die zur bayerischen Tracht gehörenden Hirschfänger seien verboten. Dies galt bereits schon seit drei Jahren auf dem Münchner Oktoberfest, doch diesmal wurde das Verbot auch für das Dachauer Volksfest erlassen.

„Sicherer und unbeschwerter“ Besuch des Festes

Man bitte den Verein und seine Mitglieder, die mit viel Engagement und Hingabe Brauchtumspflege betrieben, „um Verständnis und Akzeptanz für diese Maßnahme“, appellierte der Oberbürgermeister wortreich an die Trachtenträger.

„Doch angesichts der zunehmenden Terrorangriffe mit niedrigschwelligen Tatwaffen, wie zum Beispiel Messern, sieht sich die Stadt leider zu dieser Maßnahme gezwungen.“ Die Stadt bedauere das Verbot, aber im gemeinsamen Abwägungsprozeß sei man zu dem Ergebnis gekommen, daß ein „sicherer und unbeschwerter“ Besuch des Festes für alle wichtiger sei, als das Tragen eines Hirschfängers zur Tracht. Die Maßnahme gelte im übrigen nicht nur für das Fest im Allgemeinen, sondern auch für den Dachauer Wiesneinzug des Trachtenvereins.

 

 

Quelle: Junge Freiheit

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