Die US-Zeitschrift „Newsweek“ hat am vergangenen Samstag Artikel über angebliche Geheimabsprachen zwischen US-Präsident Donald Trump mit Russland entfernen müssen. Damit ist eine der größten Geschichten über die vermeintliche Einmischung Russlands in die US-Wahl endgültig vom Tisch.

„Newsweek“ musste aufgrund einer außergerichtlichen Einigung die Beiträge des Journalisten Kurt Eichenwald entfernen, in denen wegen eines Fehlers des Ex-Sputnik-Redakteurs Bill Moran behauptet wurde, Trump habe sich „mit Russland verschwört“.

Die im Jahr 2016 erschienenen „Newsweek“-Artikel wurden fast sofort ein heiß diskutiertes Thema im Netz. Kritik kam selbst von der „Washington Post“, die eher selten Verschwörungstheorien über Russlands Einmischung in die US-Wahlen hinterfragt. In diesem Fall erklärte das Blatt aber, dass Eichenwalds Artikel zumindest irreführend seien.

Der Journalist des Internetportals BuzzFeed John Passatino wies zudem darauf hin, dass Trump und der Sputnik-Redakteur einen und denselben Tweet zitiert hatten. Daher seien jegliche Unterstellungen über einen Komplott unbegründet.

Auch jene Medien, die ansonsten vor scharfer Kritik an Russland nicht zurückschrecken, stellten Eichenwalds Theorie infrage. Journalisten stellten die Kette der Ereignisse wieder her und dabei fest, dass Trump nicht den Sputnik-Artikel, sondern den besagten Tweet Wort für Wort zitiert hatte.

Wie Moran später erklärte, hatte Eichenwald versucht, die ganze Geschichte unter den Teppich zu kehren. Er soll Moran einen Job bei einer angesehen US-Zeitschrift angeboten und sogar mit Konsequenzen gedroht haben, sollte Moran das Angebot ablehnen. Eichenwald soll sogar angedeutet haben, dass Moran vom FBI beobachtet werde. Der ehemalige Sputnik-Redakteur bezeichnet die Situation als „McCarthyismus 3.0“ – ein in den 1950ern geprägter Begriff, der eine Hexenjagd auf vermeintliche Unterstützer des Kommunismus während des Kalten Kriegs beschreibt.

„Aus Angst vor einem Gerichtsverfahren hat ‚Newsweek‘ die Lüge über uns entfernt. Wir werden auch künftig verschiedenen ‚Newsweeks‘ eingängig erklären, dass es nicht gut ist, in die Irre zu führen“, kommentierte die Chefredakteurin von Sputnik und RT, Margarita Simonjan.

„Man könnte solche Entscheidungen begrüßen, wenn es einen Umstand nicht gäbe. Das Problem ist, dass die Zehntausenden Menschen, die diese lügenhafte Information gelesen haben, niemals erfahren werden, dass das eine Lüge war und diese,aus dem Umlauf‘ genommen wurde“, sagte der Chef des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrates (russisches Oberhaus), Konstantin Kossatschjow.

Im Journalistenverband Russlands bezeichnete man die Entscheidung von „Newsweek“ als richtig. „Alle haben die Hysterie um angebliche Verbindungen und jegliche Geheimabsprachen zwischen Trump und Russland so satt, darunter auch die Amerikaner selbst, dass damit zu rechnen ist, dass das alles künftig nachlassen wird, weil der Grenzwert schon erreicht wurde“, sagte Timur Schafir, Sekretär des Verbands, gegenüber Sputnik.

„Wir sehen immer und immer wieder, dass CNN bei erfundenen Geschichten ertappt wird.,Newsweek‘ bringt Artikel mit dicken Schlagzeilen, und gleichzeitig halten sie uns vor, dass wir angeblich keine Meinungsfreiheit haben. Wir kennen ihren Stil“, so der stellvertretende Leiter des Ausschusses der russischen Gesellschaftskammer für die Entwicklung von Medien und Kommunikation, Alexander Malkewitsch.

„Diese außergerichtliche Entscheidung ist etwas Beispielloses und Seltenes in der US-Medienpraxis. Und die Tatsache, dass sie die Artikel gelöscht haben, beweist, dass Trump doch verunglimpft wurde. Das zeigt, dass sie (‚Newsweek‘ – Anm. d. Red.) zu 100 Prozent sicher war, dass sie vor Gericht verlieren würde“, sagte Wladimir Sungorkin, Chefredakteur der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“.

Diese Situation zeige auch, dass die US-Medien stark gegen das Verfahren der Datenüberprüfung verstoßen hätten.

Die von Sputnik befragten Journalisten und Experten hatten jedoch unterschiedliche Meinungen darüber, welche Folgen diese Geschichte für die „Newsweek“ selbst haben könnte. Einige waren der Meinung, dass die Medien-Kampagne gegen Trump in den USA allmählich abebben werde.

Aus Sicht des Politologen Leonid Poljakow ist es jedoch noch zu früh, von einem Ende dieser Kampagne zu sprechen. „Ich glaube, dass das nur eine Episode in der großen Kampagne ist, die von den Demokraten und Mainstream-Medien gegen Präsident Trump geführt wird. Das war aber natürlich ein beträchtlicher Schaden für ihren Ansehen sowie für die ganze Medien-Gemeinde“, so Poljakow.

Die ganze Geschichte um die „Newsweek-Artikel“ hatte am 10. Oktober 2016 begonnen, als Moran Auszüge aus den E-Mails von Hillary Clinton nahe stehenden Personen im Netz entdeckt hatte. Unter Verlass auf die Glaubwürdigkeit einer Twitter-Meldung zitierte Moran in einem Sputnik-Beitrag einen Brief von Clintons engen Berater, Sidney Blumenthal, der sie für den Tod von Amerikanern bei einem Terroranschlag im libyschen Bengasi verantwortlich gemacht haben soll.

Etwas später erkannte der Redakteur seinen Fehler, denn es ging nicht um Blumenthals Worte, sondern um einen Beitrag Eichenwalds, den Blumenthal wiedergab.

Trump zitierte die besagte Twitter-Meldung später bei einer Wahlkundgebung. Eichenwald schloss daraus, dass Sputnik und Trump ihr Handeln abstimmen und sogar gleichzeitig Anweisungen aus dem Kreml erhalten würden.

Die Agentur Sputnik hatte Moran zunächst wegen seiner redaktionellen Fehler gekündigt, dann ihm aber erneut eine Arbeit angeboten. Moran lehnte ab. Er gab seine Journalisten-Karriere auf und schloss sein Jurastudium ab.

 

Quelle: Sputnik