China hat eine neue Militärbrigade zum Überwachen und Patrouillieren der Grenze zu Nordkorea gebildet. Bei der Grenzüberwachung werden Drohnen und Kameras genutzt. Peking befürchtet vor allem, dass im Falle eines Militärkonfliktes Flüchtlinge nach China strömen könnten, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

Die Grenze zwischen China und Nordkorea ist 1415 Kilometer lang. Gewöhnlich gibt es in der Stadt Dandong auf der chinesischen Seite bei gutem Wetter viele Touristen, die mit dem Fernglas sehen wollen, wie das benachbarte Land aussieht. Doch in den vergangenen Monaten ließ der Touristenstrom nach. Beim Treffen des chinesischen Staatschefs Xi Jinping mit US-Präsident Donald Trump im April versprach Jinping den Druck gegen Pjöngjang zu erhöhen, damit es die UN-Resolutionen zum Raketen- und Atomwaffen erfüllt. China kauft nun nicht mehr nordkoreanische Kohle und führte strengere Zollkontrollen für mit Nordkorea handelnde Firmen ein.

Vor wenigen Tagen wurde ein weiterer wichtiger Schritt unternommen. Wie es auf der Webseite der chinesischen Volks- und Befreiungsarmee hieß, festigt China die Grenze zu Nordkorea. Es wurde eine Brigade gebildet, die die Grenze patrouilliert und Aufklärungsdaten über die Grenzgebiete sammelt.

In einem anderen Armeebericht heißt es, dass das gesamte Grenzgebiet rund um die Uhr überwacht wird, wobei Kameras, Drohnen und Patrouillenfahrzeuge eingesetzt werden. In diesem Gebiet wurde mehrmals der Ernstfall geprobt. Bei den Notfallübungen wurden Hubschrauber und Kampfgeschosse eingesetzt.

Doch welcher Notfall ist gemeint? Laut der US-Stiftung Jamestown Foundation sind die Chinesen weniger über eine mögliche Invasion als darüber besorgt, dass Flüchtlinge aus Nordkorea in den Nordosten Chinas strömen könnten. Experten zufolge würden im Falle eines Militärkonfliktes auf der koreanischen Halbinsel Hunderttausende Zivilisten nach China fliehen.

Viele befürchten in Peking, dass selbst ein kleiner Militärkonflikt in Nordkorea zu einer Krise führen könnte wie in Syrien. In diesem Fall müsste China die Last der Aufnahme von Flüchtlingen auf sich nehmen.

Experten zufolge arbeitete Peking einen Plan aus, mit dem auf einen Militärkonflikt reagiert werden könnte. Demnach soll in Nordkorea ein internationales Flüchtlingslager eingerichtet werden, um den Andrang nach China zu verhindern.

Laut dem russischen Fernostexperten Pawel Kamennow ist ein militärisches Szenario derzeit kaum wahrscheinlich. Nordkorea werde weiter sein Raketen- und Atompotential vervollkommnen. Es habe nur erste Schritte gemacht. Die Amerikaner seien nicht darüber besorgt, dass nordkoreanische Raketen das US-Territorium erreichen könnten. Das wäre ein wahnsinniger Schritt Nordkoreas. Washington sei über das Schicksal seines in Korea stationierten Militärverbandes besorgt, so der Experte.

Zugleich kritisiert Peking in der diplomatischen Arena die Haltung der USA. Wie Russland rief China alle Seiten dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Auch Seoul äußerte sich in diesem Sinne. Allerdings gab es noch keine Reaktion aus Nordkorea.

Die Situation ist in einer Sackgasse. Vor diesem Hintergrund klang die Verkündigung des CIA-Chefs Mike Pompeo apokalyptisch, der darauf hindeutete, dass der Regimewechsel in Nordkorea keine Phantasie, sondern eine Variante sei, an der die US-Geheimdienste tatsächlich arbeiten.

 

Quelle: Sputnik

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