Erstmals sollen russische Soldaten in Syrien die Feuerpause in zwei Deeskalationszonen vor Ort überwachen. Entsprechende Kontrollposten wurden zu diesem Zweck eingerichtet — auch in der Nähe zur israelischen Grenze. Tel Aviv betrachtet die Deeskalationszone vor seiner Haustür mit Skepsis.

Russische Militärpolizisten überwachen die Feuerpause in zwei der vier in Astana vereinbarten Deeskalationszonen in Syrien. Das gab das russische Verteidigungsministerium am Montag bekannt. Demnach errichteten die russischen Soldaten zu diesem Zweck zwei Checkpoints und vier Beobachtungsposten in Ost-Ghuta.

Das östlich von Damaskus gelegene Gebiet wird zum Großteil von der „Armee des Islam“ kontrolliert, die an den Friedensgesprächen in Astana teilnahm. Teile Ost-Ghutas werden jedoch von Al-Nusra und Faylaq al-Rahman beherrscht, die mit der „Armee des Islam“ verfeindet sind. Al-Nusra ist der syrische Al-Kaida-Ableger, der nunmehr unter dem Namen Hay’at Tahrir al-Sham firmiert.

Russische Militärpolizisten errichteten zudem zwei Kontrollpunkte sowie zehn Beobachtungsposten im Südwesten Syriens entlang der Grenze zu Israel und Jordanien. Dort hatten sich die USA und Russland während des G20-Gifpels in Hamburg auf eine Feuerpause geeinigt. Schon zuvor waren Teile des Gebietes in Astana zu einer der vier Deeskalationszonen erklärt worden. An die Adresse von Washington sprach Russlands Außenminister Sergei Lawrow am Montag von «einem konkreten Beispiel, dass wir zusammenarbeiten können».

Für die beiden anderen Zonen, die sich in den Provinzen Homs und Idlib befinden, gibt es noch keine konkrete Vereinbarung, was deren genauen Grenzverlauf betrifft. Die Gespräche dazu seien aber „im Gang“, erklärte der Sprecher des russischen Generalstabs, Sergei Rudskoi. Die Errichtung der Kontroll- und Beobachtungsposten werde helfen, „die Feuerpause aufrecht zu halten und den unbeschränkten Zugang für humanitäre Hilfsgüter zu ermöglichen“, so General Rudskoi. Außerdem erhielten Flüchtlinge damit die Möglichkeit, an ihre Wohnorte zurückzukehren.

„Dank der russischen Maßnahmen konnten die Kämpfe in zwei entscheidenden Gebieten Syriens zum Stillstand gebracht werden.“

Russische Militärposten nahe der israelischen Grenze 

Die USA, Jordanien und Israel seien zuvor über die Stationierung der russischen Militärpolizei informiert worden, so Rudskoi. Laut Informationen des russischen Verteidigungsminsiteriums befindet sich der nächstgelegene russische Militärposten 13 Kilometer von der israelisch-syrischen Demarkationslinie in den Golanhöhen entfernt.

Die von Israel besetzten Golanhöhen dienen islamistischen Aufständischen als Operationsgebiet. Von dort aus greifen die zum Teil mit Al-Kaida verbündeten Rebellen die syrische Armee an – mit Unterstützung Israels.

Tel Aviv hatte die von Washington und Moskau vermittelte Feuerpause im Südwesten Syriens scharf kritisiert und in diesem Zusammenhang unterstellt, dass seine Sicherheitsinteressen dabei nicht berücksichtigt worden seien. Israel fürchtet, die Region an seiner Grenze könnte von der Hisbollah und iranischen Kräften als Aufmarschgebiet genutzt werden — und droht mit Militärschlägen.

In den Augen der Online-Plattform Debkafile, die als inoffizielles Verlautbarungsorgan israelischer Geheimdienste gilt, habe Moskau den Aufruhr um den Tempelberg in Jerusalem und die diplomatische Krise zwischen Jordanien und Israel „als Deckmantel für seine schleichende Truppenstationierung an der syrischen Grenze zu Israel und Jordanien“ genutzt. Debkafile bezweifelt, dass die Stationierung russischer Kräfte die Hisbollah davon abhalten werde, in der Region Präsenz zu zeigen.

Die einheimische Bevölkerung begrüßt hingegen die Anwesenheit der russischen Militärpolizei, wie erste Aufnahmen von einem Checkpoint nahe der Golanhöhen zeigen:

 

Quelle: RT

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