226 Milliarden US-Dollar hat Syrien inzwischen durch den Krieg der letzten Jahre verloren – das Vierfache der syrischen Wirtschaftsleistung seit dem letzten Jahr vor Kriegsbeginn. Dies hat die Weltbank unlängst errechnet. Der Weg zum Wiederaufbau des Landes führt indes über Deir er-Zor, wie die Agentur FAN berichtet.

Ein Drittel aller Wohnungen, Krankenhäuser und Schulen in Syrien sind durch den Krieg zerstört worden. Die Infrastruktur ist vernichtet, ganze Regionen sind infolge der Flucht entvölkert. Die einzige Möglichkeit der syrischen Führung, das Land wiederaufzubauen, sind Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport.
Einen Großteil syrischer Öl- und Gasfelder konnten die Regierungstruppen mit russischer Luftunterstützung schon erobern. Vorbei ist der Kampf um Syriens Bodenschätze deshalb noch lange nicht.

„Die Kämpfe um Öl und Gas gehen weiter. Der IS kann seine Strukturen aufrechterhalten, weil er Kohlenwasserstoffe zum Spottpreis anbietet. Diese Taktik hat ihm bislang ermöglicht, viel Geld zu verdienen, das er dann auch für Waffen und Ausrüstung ausgab“, sagt der Politologe Andrej Koschkin von der Plechanow-Universität in Moskau.

Die letzte syrische Hochburg des IS ist die Provinz Deir er-Zor. Hier haben sich die Kämpfer der Terrormiliz versammelt, die aus Rakka und Mossul geflohen waren. In dieser Provinz befinden sich auch die reichsten Öl- und Gasvorkommen des Landes.

Insofern sei die Befreiung Deir er-Zors nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich wichtig. Nur dürfe die syrische Führung die Befreiung der Stadt nicht anderen überlassen, so der Politologe.

„Nehmen proiranische Kräfte oder andere Einheiten Deir er-Zor ein, werden sie die Öl- und Gasförderung in der Region und letztlich die Wohlstandsverteilung kontrollieren“, mahnt der Experte Koschkin. „Wenn aber syrische Regierungstruppen mit russischer Luftunterstützung die Provinz befreien, kommen die Bodenschätze wieder in die Hand von Damaskus und stärken so die Wirtschaft des Landes.“

„Die Befreiung der Provinz durch fremde Kräfte wäre eine Falle für Assad“, warnt auch der Analyst Alexander Assafow. „Die Provinz würde ihm dann aus den Händen gleiten. Deshalb geht es jetzt darum, mit der russischen Luftwaffe zusammen die Kräfte zu konzentrieren, um Deir er-Zor zu befreien und danach den Wiederaufbau des Landes voranzutreiben.“

 

Quelle: Sputnik