Goldbarren, die dem deutschen Staat gehören, liegen bei ausländischen Zentralbanken. Die Kampagne „Holt Unser Gold Heim!“ fordert das Bundes-Gold zurück. Es kommt auch, die Bundesbank ist zufrieden. „Zu wenig, soll die Fed halt Gold für uns kaufen“, kritisiert die Aktion. Sputnik hakte bei der Initiative nach und sprach mit Goldmarkt-Experten.

Dem Gründer der privaten Initiative „Holt Unser Gold Heim!“, Peter Boehringer aus München, ist ein Punkt ganz besonders wichtig. „Streng genommen handelt es sich um keine Rückholaktion“, sagte der Vermögensberater und Vorstand der Deutschen Edelmetallgesellschaft im Sputnik-Interview. „Denn das deutsche Staatsgold befand sich noch niemals in Deutschland. Daher nennen wir das auch eine Heimhol-Aktion.“ Er betonte: „Wir wollen das Gold nicht zurückholen, sondern erstmalig nach Hause auf deutsches Territorium.“

Das durch den Weltkrieg geschlagene Deutschland hatte nach 1945 keine eigenen Goldreserven. Im anschließenden Wirtschaftsaufschwung erwirtschaftete die BRD einen großen Außenhandelsüberschuss und wandelte diesen teilweise in Gold um. Das so erwirtschaftete deutsche Staatsgold lagerte ab diesem Zeitpunkt aus sicherheitspolitischen Gründen bei den westlichen Partnern. Somit bei den Zentralbanken der USA, Großbritanniens und Frankreichs, zu Zeiten des Kalten Krieges.

Deutsches Gold lagert im „krebskranken US-Finanzsystem“

Auch Folker Hellmeyer, Chefökonom der Bremer Landesbank, unterstützt die Rückholaktion. „Ich kenne Herrn Boehringer seit langer Zeit“, sagte er gegenüber Sputnik. „Wir beide haben ein Faible für das Edelmetall Gold als Sicherheit im Zentralbanksektor. Das vereint uns. Das war der Grund, warum ich bei dieser Initiative unterschrieben habe.“ Gold sei im Grunde genommen das krisensicherste Währungsmodul. „Dann, wenn ich es brauche, also in der Krise, zeigt Gold seine reale Kaufkraft und deswegen haben Zentralbanken in der Geschichte auch immer Gold vorgehalten.“

Der Wirtschaftsexperte hatte bereits 2001 vor einer krisenhaften Entwicklung im Goldmarkt gewarnt: „Ich hatte damals gesagt: Der Goldpreis wird vierstellig, weil das westliche Finanzsystem Krebs hat. Das westliche Finanzsystem ist ein US-zentrisches System. Da die Bundesrepublik mit über 3.300 Tonnen den zweitgrößten Goldschatz der Welt hat, ist es eben wichtig, dass der Staat auch physisch die Kontrolle über dieses Gold im Inland ausübt und nicht einfach Dritten vertraut.“ Gerade wenn das Zentrum dieses Finanzsystems, die USA, von strukturellen Schwächen geprägt sei. Wir befänden uns in einer Transformation des Weltwirtschaftssystems und Weltfinanzsystems. „China und Russland spielen heute eine ganz entscheidende Rolle und sind im Grunde genommen die Taktgeber der Weltwirtschaft, bei relativer Schwäche der USA.“

Heimgeholte Goldmengen „bereits sensationell“

„Wir sind jetzt an einem Punkt, dass etwas über die Hälfte des deutschen Staatsgolds bei uns daheim liegt“, so Boehringer. „Mir ging es zu langsam, aber immerhin. Und das ist schon sensationell. Wir sind aber noch nicht ganz zufrieden damit.“ Im ersten Jahr 2013 kamen etwa 32 Tonnen in die Bundesrepublik, das sei jedoch zu wenig gewesen. „Wir haben mit unserer Kampagne permanent den Druck aufrechterhalten auf die Bundesbank“, sagte er. So kamen in den Folgejahren bis heute weitere Goldmengen aus dem Ausland. Laut ihm fehlen aktuell noch etwa 1.700 Tonnen Gold. Demnächst würden noch einige Tonnen von der französischen Nationalbank zugeführt.

„Arrogantes Schweigen“ der Bundesbank

Der Initiator erinnert sich. „1990 fiel das militärische Argument des Kalten Krieges weg, seitdem fordern viele Menschen in Deutschland das deutsche Staatsgold zurück“, so der Finanzexperte. „Viele Leute hat die Auslandslagerung gestört und die haben unsere Kampagne dann auch verstärkt unterstützt. Sie müssen sehen, als wir 2011 unsere Initiative gegründet hatten, mauerte die Bundesbank noch komplett bei allen Anfragen zum deutschen Gold. Da gab es immer nur ein arrogantes Schweigen.“ Vor sechs Jahren gab es laut ihm eine „Eskalation“ bei der Bilanz der Bundesbank wegen der Position Target 2. „Die ist regelrecht explodiert.“ Es bestand laut ihm Ausbuchungsgefahr, unter der Position sei auch das deutsche Gold bilanziert. „Da hatten wir Angst, dass die Gold-Forderungen ausgebucht werden würden. Das war der Anlass für mich, mit öffentlichem Nachdruck die Initiative ins Leben zu rufen.“ Target 2 ist, vereinfacht ausgedrückt, ein gemeinsames Zentralbanken-System des Euro-Raums. „Wir fordern: Im Falle einer Euro-Krise muss das Gold daheim gelagert werden, um wenigstens die Option einer Teildeckung zu haben.“

Für Philip Klinkmüller vom Investitions-Beratungsunternehmen Hopf-Klinkmüller Capital Management in Stuttgart sei es überhaupt keine Frage, dass das deutsche Staatsgold auch im Inland lagern müsse. Und nicht bei der Fed (Federal Reserve System), der Zentralbank der USA.

„Ich stelle es grundsätzlich in Frage, was das deutsche Gold bei der Fed in New York oder sonst wo zu suchen hat“, so der Finanz- und Goldmarktexperte. „Das ist unser Staatsgold, das sollte bei uns in Frankfurt bei der Bundesbank lagern.“

Die Pressestelle der Deutschen Bundesbank teilte auf Sputnik-Anfrage mit: „Im Jahr 2016 wurden über 216 Tonnen Gold von ausländischen Lagerstellen nach Frankfurt am Main verlagert, davon 111 Tonnen aus New York und 105 Tonnen aus Paris. Die Goldverlagerungen aus New York wurden im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen.“ Boehringer kritisiert, dass erst die Hälfte des Goldes nach Deutschland zurückgeführt sei, die Bundesbank aber dennoch von einem „erfolgreichen Abschluss“ spreche.

Wirtschaftswunder, Kalter Krieg, Goldpreis-Manipulation

Goldmarkt-Experte Dimitri Speck aus München nannte im Sputnik-Gespräch den historischen Hintergrund: „Die BRD hatte nach dem Zweiten Weltkrieg kein eigenes Gold und erwirtschaftete dann in den Wirtschaftswunder-Jahren während der 50er und 60er Jahre einen großen Außenhandelsüberschuss. Der wurde damals mit Gold ausgeglichen und landete in New York bei der Fed. Das deutsche Staatsgold wurde dort belassen, weil das im Kalten Krieg als besonders sichere Lagerstelle galt.“ Specks persönliche Motivation, die Initiative als Erstunterzeichner zu unterstützen, liege in seiner Forschung zu Goldpreis-Manipulationen. „Seit August 1993 manipulieren die großen Zentralbanken den internationalen Goldpreis, um Inflationserwartungen zu senken“, erklärte der Finanzanalytiker. Das habe auch zur späteren Finanzblase beigetragen. Die Frage nach Verbleib des deutschen Goldes sei Teil des „intransparenten Goldmarktes.“ Der Goldpreis werde bis heute manipuliert, wenn auch laut ihm mit anderen Methoden. „Gold ist die ultimative Reserve und sollte deshalb stets im Inland gelagert werden und verfügbar sein“, forderte er abschließend.

Verschwörungstheorien: Nur noch leere Tresore bei Zentralbanken?

Boehringer verwies darauf, dass „hochhonorierte Ökonomen und andere bekannte Persönlichkeiten unsere Kampagne unterstützen. Daher konnten wir auch nie als Verschwörungstheoretiker abgestempelt werden.“ Viele Theorien seien im Umlauf, es gebe kein Gold mehr oder es sei schon umgeschmolzen. „Wir haben uns immer an die Fakten gehalten“, so der Kampagnen-Gründer. „Weil es beispielsweise bei der Fed keine sauberen Zoll-Audits gibt, können wir es weder belegen noch dementieren. Diese Intransparenz wird auch immer wieder von unabhängigen Experten kritisiert.“ Die US-Zentralbank müsse laut ihm auch nicht die Original-Barren von damals zurückgeben.

„Am Ende ist es uns egal. Selbst wenn die ursprünglichen Barren schon eingeschmolzen sind, kann die Fed Gold nachkaufen. Wenn sie das originale Goldmaterial nicht mehr hat, dann soll sie halt das Gold von den Märkten kaufen und der Bundesbank übergeben.“

Der österreichische Finanzexperte Walter K. Eichelburg geht hingegen von bereits komplett leeren Gold-Tresoren aus. „Die Zentralbanken haben in den letzten 20 Jahren ihre gesamten Gold-Bestände auf die Märkte geworfen, um den Marktpreis zu drücken“, behauptet er. „Die Tresore sind leer.“ Zudem gehe er von einem kurz bevorstehenden großen Finanz-Crash aus, der sowohl die Währungssysteme als auch die Edelmetall-Märkte und die Nationalstaaten erfassen werde.

 

Quelle: Sputnik

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