Mehr als eine Million Kinder im Jemen sind gleichzeitig von akuter Mangelernährung und dem Risiko durch tödliche Cholera-Infektionen ausgesetzt, warnt die Hilfsorganisation Save the Children. Die Katastrophe sei menschengemacht und ließe sich verhindern.

Die internationale Hilfsorganisation Save the Children schlägt Alarm. Mehr als eine Million Kinder unter fünf Jahren leiden unter Mangelernährung, während mehr als die Hälfte der 28 Millionen Jemeniten im Land von Nahrungsmittelknappheit betroffen sind. Hilfe wird dringend benötigt, gelangt aber kaum zu den Menschen wegen des Konflikts im Land und den Blockaden.

Fatale Kombination aus Unterernährung und Cholera

Wie jüngste Erhebungen der Wohltätigkeitsorganisation zeigen, gibt es ausgerechnet in Gebieten, die stark von der Cholera betroffen sind, mehr als 1.000.000 akut unterernährte Kinder unter 5 Jahren, von diesen Babys und Kleinkindern leiden knapp 200.000 an schwerer akuter Mangelernährung.

Da das Immunsystem unterernährter Kinder erheblich geschwächt ist, sind sie mindestens dreimal so anfällig dafür, an der Cholera zu sterben, wenn die Krankheit sie trifft. Gleichzeitig sind Erkrankungen wie Cholera selbst eine der Hauptursachen für Unterernährung.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam ist die Cholera-Epidemie im Bürgerkriegsland Jemen mit mehr als 360.000 Verdachtsfällen in nur drei Monaten schlimmer als jeder andere bisher bekannte Ausbruch der Krankheit. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schätzt, dass sich diese bis Jahresende noch deutlich ausweiten werden, rund 600.000 Cholera-Kranke seien demnach zu befürchten.

«Inakzeptabel» — Kinder dürfen nicht den Preis für Konflikt zahlen

Nach zwei Jahren des bewaffneten Konflikts stecken Kinder in einem brutalen Kreislauf zwischen Verhungern und Krankheit. Und das ist einfach inakzeptabel. Unsere Mitarbeiter haben es mit einem schrecklichen Szenario von Babys und Kleinkindern zu tun, die nicht nur unterernährt, sondern auch mit Cholera infiziert sind», so der Landesleiter der Organisation Save the Children im Jemen, Tamer Kirolos.

Die kombinierte „Tragödie aus Unterernährung und Cholera“ könnte leicht behandelt werden, wenn es Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung gäbe. Doch wurden Krankenhäuser und Kliniken zerstört, Ärzte seit knapp einem Jahr nicht bezahlt und die Lieferung von lebensnotwendigen Hilfsgütern wird verhindert, so Kirolos.

Die Organisation sendet mehr Gesundheitsexperten in die am stärksten betroffenen Gegenden, einschließlich den Al Hali Bezirk in Hodeidah, in der die höchste Anzahl von Cholera Fällen vermutet wird. Nach Angaben von Save the Children sind in der Region schätzungsweise 31.000 Kinder von akuter Mangelernährung betroffen, das entspricht mehr als einem Viertel der Kinder unter dem Alter von fünf Jahren.

Wir und andere tun alles uns mögliche, um Menschenleben zu retten, doch wir benötigen dringend mehr Hilfe. Kinder dürfen diesen Konflikt nicht mit ihren Leben bezahlen.»

Die Hafenstadt Hodeidah liegt nahe der strategisch bedeutenden Bab-al-Mandab- Meeresstraße, auch als „ Tor der Tränen“ bekannt, welche mit der von Saudi-Arabien geführten Militärintervention von einer Seeblockade betroffen ist, die sowohl die Cholera-Epidemie als auch die Hungersnot im Land verschärft.

 

Quelle: RT

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