Vor genau 53 Jahren hat der damalige Präsident der Vereinigten Staaten Lyndon Johnson Nordvietnam bombardieren lassen. Die USA traten in einen Krieg ein, der abertausende Amerikaner und Einheimische das Leben kostete. Der Albtraum, der, wie erwiesen ist, mit einem Bluff begonnen hat, lässt auch heute Kritiker vor einem „Vietnam-Syndrom“ warnen.

Am 4. August 1964, als das kommunistische Nordvietnam und Südvietnam  sich im Krieg befanden und weltweit der Kalte Krieg herrschte, befand sich der US-Zerstörer Maddox unweit der vietnamesischen Küste.

Das Schiff absolvierte eine übliche Patrouillenfahrt – eine von dutzenden, die damals tagtäglich stattfanden. Auf Befehl des Präsidenten lief der Zerstörer aber plötzlich östlich der nordvietnamesischen Hafenstadt Haiphong in den Golf von Tonkin ein – ohne jegliche kriegerische Absichten, wie man später in Washington betont.  Plötzlich sieht die Crew der Maddox seltsame Echolotpunkte, es bricht Panik aus, man funkt Notsignale nach Washington.

Obwohl es keinen direkten Sichtkontakt mit dem imaginärem Feind gab, meldete der Kapitän einen Angriff durch Torpedos, die allerdings niemals das Ziel erreicht haben – wie sich später, durch einen Leak eines Whistleblowers in den Siebzigern, herausstellte, waren die seltsamen Echolotsignale der eigene Peilstrahl des Sonargeräts und die Cockpitlichter des Feindes, die man zu sehen glaubte, schlichtes Wetterleuchten gewesen. Doch der Kapitän gab den Befehl, Torpedos auf den unsichtbaren Feind abzufeuern.

Obwohl der Kapitän in seinen weiteren Telegrammen über «verrückte Wetterphänomene“ und „übereifrige Jungs an den Sonargeräten“ klagte, was  eine Attacke mehr als fraglich machen würde, stiegen per Präsidenten-Erlass (die sogenannte Tonkin-Resolution, die die USA zum Kriegseintritt bevollmächtigte)  US-Bomber in die Luft, die der Maddox zur Hilfe eilten.

Der Präsident ordnete öffentlich „Vergeltung“ für die „Jungs“ in Tonkin an, die bei dem Schein-Seegefecht nicht einmal einen Kratzer abbekommen hatten.  Die USA stiegen in einen Krieg ein, bei dem  7,8 Millionen Bomben explodierten, Napalm eingesetzt wurde und 58.134 Amerikaner auf fremden Boden starben. Und das alles wegen einer Falscheinschätzung eines Kapitäns und dem Willen der Falken in Washington, an einem Krieg teilzunehmen.

Der schon erwähnten Leak von Pentagon-Papieren  im Jahr 1971 und die Memoiren des damaligen Verteidigungsministers Robert McNamara (1995) belegen, dass die US-Regierung die Vorfälle im Golf von Tonkin durch bewusste Falschdarstellung zum Durchsetzen des Kriegseintritts benutzte.

Jahre später kommt auch weitere Information ans Licht: 2005 berichtet die «New York Times» unter Berufung auf den NSA-Historiker Hanyok, dass die Übersetzungen der nordvietnamesischen Funksprüche, die damals von der Maddox abgefangen wurden, zahlreiche Fehler enthielten. Man hat laut Hanyok mit den Funksprüchen so lange «herumgedoktert», bis Washington eindeutige „Beweise“ für einen Angriff auf das Kriegsschiff  vorlagen.

Viele Kritiker warnen heute im Zusammenhang mit der Krise im Nahen Osten vor einem „Vietnam-Syndrom“.

 

Quelle: Sputnik