Einige russische Politiker haben geäußert, Moskau brauche mehr Militärstützpunkte im Ausland, darunter auch im Nahen Osten, nachdem die russische Staatsduma im Juli ein Protokoll zum Abkommen zwischen Moskau und Damaskus über die Stationierung einer Fliegergruppe der russischen Streitkräfte in Syrien ratifiziert hatte.

Es bestehe kein Zweifel, dass der Iran Moskau im Extremfall erlauben werde, seine Stützpunkte im Kampf gegen die Terroristen zu nutzen, sagte der unabhängige iranische Politologe und Expert für strategische Fragen der russisch-iranischen Zusammenarbeit, Mostafa Azerian, im Gespräch mit Sputnik. Dennoch sei die Frage einer ständigen russischen Basis im Iran strittig.
„Dieses Problem muss einzig und allein von der strategischen Position betrachtet werden. Nach dem Zerfall der UdSSR und der Bildung der Russischen Föderation tritt Russland auf der internationalen Arena als einzige gerechte und starke Macht gegen die despotische Ausdehnungspolitik der USA auf“, so Azerian.

Aus Sicherheitsgründen habe Russland mehrere geostrategische Regionen, zu denen auch der Nahe Osten gehöre. Die US-Politik schaffe Risiken für die militärische Sicherheit Russlands.

„Unter diesen Bedingungen hat Russland das volle Recht, Präventivmaßnahmen zu ergreifen: seine Luft- und Raketenabwehrsysteme sowie Militärstützpunkte in Zusammenarbeit mit seinen verbündeten Ländern zu stationieren“, teilte der Experte mit.

Die militärische Kooperation zwischen Moskau und Teheran erreichte demzufolge ihren Höhepunkt im vorigen Jahr, als der Iran die zeitweise Stationierung von russischen Luftstreitkräften auf dem Militärflughafen Hamadan für die Ausführung von Luftschlägen gegen die IS-Stellungen in Syrien gestattet hatte.
Allerdings verbiete die iranische Konstitution die Errichtung jeglicher ausländischer Militärbasen im Land, selbst für friedliche Ziele. „Wenn das aber die nationale Sicherheit betrifft, kann sich der Nationale Sicherheitsrat des Iran dafür entscheiden, Russland Zugang zu den iranischen Militärstützpunkten zu gewähren“, schloss Azerian.

Laut dem russischen Politologen, Iranisten und Dozenten der Europäischen Universitär in St. Petersburg, Nikolai Koschanow, ist Russlands ständige Militärpräsenz im Iran unzweckmäßig und kaum möglich.

„Die Errichtung einer Basis in der Region mit einer erheblichen US- Militärpräsenz wäre politischer und wirtschaftlicher Sicht unzweckmäßig. Es gibt keinen kalten Krieg zwischen Russland und den USA, egal, was unsere Politiker sagen. Deswegen wäre es gelinde gesagt sinnlos, uns in eine solche Konfrontation zu verwickeln“, so Koschanow.

Der Experte kommentierte die Nutzung iranischer Stützpunkte und hob zwei wichtige Überlegungen hervor. „Erstens hat der Iran seine Bereitschaft bestätigt, Russland, wenn nötig, zu erlauben, die Basis Hamadan zu nutzen. Diese Vereinbarung ist aber vorläufig und an die Situation in Syrien gebunden.“

Dennoch sei eine ständige Militärpräsenz kaum möglich. Wie Azerian, wies Koschanow auf Irans Verfassung hin, die die Stationierung ausländischer Militärs im Land untersagt.

„Dieses Prinzip ist in der iranischen nationalen und kulturellen DNA verwurzelt. Kein fremdes Land darf seine Kräfte im Iran stationieren“, sagte der Politologe.

Des Weiteren wies er darauf hin, dass unter den iranischen politischen Eliten keine Einmütigkeit über russische Militärkräfte bestehe. „Es gibt einige Kräfte sowohl unter Konservatoren als auch, sagen wir, Liberalen, die gegen eine solche Zusammenarbeit mit Russland auftreten.“

Obwohl die militärische Kooperation zwischen Teheran und Moskau situationsbedingt bleibe, leiste sie andererseits einen Beitrag zur Verstärkung des beiderseitigen Vertrauens und habe eher eine positive Wirkung auf die bilateralen Beziehungen.

Im vorigen Jahr hatte der Iran Russland seine Infrastruktur und seinen Luftraum für den Kampf gegen die Terrorgruppierungen in Syrien zur Verfügung gestellt und die Nutzung des Luftstützpunktes Hamadan erlaubt. Danach behauptete Teheran, es werde Russland auch in Zukunft Zugang zur Basis Hamadan gewähren, falls die Situation in der Region dies erfordere.

 

Quelle: Sputnik