Peking hat im Ostseeraum offenbar wichtige Interessen, die über die Militärkooperation mit Russland hinausgehen, schreibt die Zeitung «Nesawissimaja Gaseta» am Montag.

Nach der jüngsten Marineübung mit Russland in der Ostsee und der Teilnahme an einer Parade zum Tag der russischen Marine in St. Petersburg hat ein Verband chinesischer Kriegsschiffe Helsinki und Riga besucht.

Wie lettische Medien unter Berufung auf das Verteidigungsministerium berichteten, ist das eine „planmäßige Visite im Rahmen der bilateralen Kooperation Lettlands und Chinas“. Solche Behauptungen klingen aber recht merkwürdig, denn zuvor hatten westliche Medien die Präsenz der Chinesen in der Ostsee kritisiert und deren gemeinsame Marineübung mit Russland als „Gefahr für die friedliche Welt“ und als „Herausforderung an die Nato“ bezeichnet.

Während seines jüngsten Besuchs in Finnland Ende Juli, als die russisch-chinesische Marineübung gerade stattfand, beteuerte der russische Präsident Wladimir Putin, dass die russischen und chinesischen Marinesoldaten „ihr Können verbessern“ und dass die Militärkooperation zwischen Moskau und Peking „nicht gegen dritte Länder gerichtet“ sei.

In Helsinki waren die Chinesen gern gesehene Gäste. Laut finnischen Medienberichten wurden sie von den Einwohnern und Vertretern der chinesischen Diaspora herzlich empfangen. Auch in Riga freut man sich offenbar über ihren Besuch. Ein Vertreter des lettischen Verteidigungsministeriums betonte seinerseits, der Aufenthalt der chinesischen Militärs sei „die Bestätigung für die aktive und erfolgreiche Zusammenarbeit beider Länder“. Die Nachrichtenagentur Xinhua zitierte den Kommandeur des Schiffsverbandes, der sagte, der Besuch diene „der Festigung und Entwicklung der gegenseitigen Beziehungen“.

Unter anderem durfte das Publikum in Helsinki und Riga die chinesischen Schiffe besuchen. Und die Besatzungsmitglieder der Länder spielten Fußball gegeneinander.

„China bemüht sich um die Festigung des positiven Images seiner Seestreitkräfte in den Augen der Europäer mithilfe der Volksdiplomatie und sozialer Kontakte“, sagte der russische Militärexperte Eduard Rodjukow. „Es will seine Beziehungen zu Europa nicht verderben und arbeitet an ihrer Erweiterung. Und durch das militärische Zusammenwirken mit Russland ‚übersieht‘ es quasi diverse Momente der Konfrontation, die es aktuell zwischen Moskau und dem Westen gibt.“

Auch der Experte für den Asien-Pazifik-Raum, Wladimir Terechow, stimmte der These zu, dass Peking äußerst pragmatisch vorgehe. „Zu den Motiven für das Auftauchen der chinesischen Schiffe in der Ostsee gehört auch die schwierige Entwicklung der Beziehungen zwischen China und der Europäischen Union. Neben den Problemen der amerikanisch-chinesischen Beziehungen rückt dieses Thema bei Peking allmählich in den geopolitischen Vordergrund.“

Dadurch werden die wahren Ziele Pekings im Ostseeraum Schritt für Schritt offensichtlich. Natürlich wird es dabei ohne Moskau nicht auskommen. Aber die Volksrepublik will keineswegs eine Konfrontation zwischen Russland und der Nato auslösen und bemüht sich um ihre eigenen geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen, indem es sowohl für Moskau als auch für Europa ein wichtiger Partner bleibt.

 

Quelle: Sputnik

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