Der Politologe Bora Bayraktar hält es für möglich, dass Moskau und Damaskus grünes Licht für einen türkischen Einsatz in Afrin geben. Im Gespräch mit Sputnik präzisierte er, dass die russischen und syrischen Streitkräfte im Gegenzug ihre Stellungen im Gebiet der für sie strategisch wichtigen Stadt Idlib stärken könnten.

An der türkisch-syrischen Grenze tobt die militärische Aktivität weiter. In diesem Zusammenhang sei es höchstwahrscheinlich, dass die Türkei, die Afrin als Gefahr betrachtet, hier einen Militäreinsatz durchführen werde. „Abends werden von Afrin her Schüsse gehört. Lokalquellen (…) sprechen davon, dass die Türkei eine Bodenoperation vorbereitet“, sagte der Politologe.
Er verwies darauf, dass die Türkei am 24. August 2016 ihren Einsatz „Euphrat-Schild“ eingeleitet habe. Da es in den Sommermonaten in dieser Region sehr heiß sei, könne eine ähnliche Operation in mehreren Wochen gestartet werden, betonte der Experte ferner. Die türkische Seite habe keine offiziellen Erklärungen zu dieser Frage gemacht.
In der Region wird laut Bayraktar ein politischer Handel um Afrin geführt:

„Ich bin der Meinung, dass die Kontakte zwischen den Verwaltungen der Türkei und Syriens unter Vermittlung Russlands aufgebaut werden, das ein enges Zusammenwirken sowohl mit der Türkei als auch mit Damaskus pflegt. Demgemäß ist Russland hier ein Hauptspieler, der diese Frage koordniert.“

Er sagte weiter: „Wir sehen unter anderem, dass Syrien und die von Russland unterstützen Kräfte derzeit einen ernsthaften Schritt zu einem Vorstoß auf Deir ez-Zor unternommen haben. Um ihre Stellungen hier zu festigen, müssen sie das Bestehen der Deeskalationszonen sichern. In diesem Sinn hat die Türkei, die im Bezirk Idlib aber nicht vollständig dominiert, ziemlich starke Stellungen und die Möglichkeit, die Lage auf diesem Terrotorium zu beeinflussen.“

„Es ist möglich, dass Russland und die syrischen Regierungstruppen sich einverstanden erklären, grünes Licht für einen türkischen Einsatz in Afrin zu geben, das Ankara als Hochburg der kurdischen Gefahr betrachtet, im Tausch für die Möglichkeit, ihre Stellungen im Gebiet der für sie strategisch wichtigen Stadt Idlib (nahe des Luftstützpunktes Hmeimim) zu stärken“, so der Experte abschließend.

 

Quelle: Sputnik