Daß manche Bücher offenbar gefährlicher sind als Waffen, ist spätestens seit dem Eiertanz um „Finis Germania“ bekannt. Der Spiegel hatte das Buch trotzt hoher Verkaufszahlen aus seiner Bestseller-Liste verschwinden lassen, da man das Werk des verstorbenen Historikers Rolf Peter Sieferle nicht noch zusätzlich bewerben wollte. Doch neuerdings sind es nicht nur Bücher, die gefährlich sein können, sondern auch die Leute, die sie lesen – beziehungsweise vorlesen.

Jedes Jahr veranstaltet die Stiftung Lesen gemeinsam mit der Deutschen Bahn und der Zeit den deutschlandweiten Vorlesetag. Tausende Freiwillige lesen dann Geschichten in Kindergärten, Schulen oder Bibliotheken vor, um vor allem Kinder für Bücher zu begeistern. So auch in diesem Jahr am 17. November.

An dem Vorlesetag beteiligen sich traditionell zahlreiche Politiker, und so kam es, daß die Stiftung Lesen auch Mandatsträger der AfD anfragte. Das wiederum rief den Schriftstellerverband PEN auf den Plan. Die Grundsätze der AfD, die sich gegen die bestehende kulturelle Vielfalt und Toleranz richteten, seien „nicht vereinbar mit den an Schulen und Kitas vertretenen und unsere Gesellschaft bereichernden Leitbildern“, empörte sich die Vorsitzende des deutschen PEN-Ablegers, Regula Venske.

„Bock zum Gärtner“

Die Stiftung Lesen mache mit der Einladung der AfD-Politiker „den Bock zum Gärtner“. Außerdem widerspräche sie ihren eigenen Grundsätzen, die eine „Zusammenarbeit mit Parteien, Institutionen und anderen Gruppen oder Einzelpersonen, die antidemokratisches, rassistisches, fremdenfeindliches oder diskriminierendes Gedankengut vertreten oder verbreiten“, ausschlössen.

Auch die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen protestierte gegen die Einladung der AfD. Politiker der Partei seien mit Äußerungen aufgefallen, „die nicht mit den Grundwerten unserer freiheitlichen, demokratischen Grundordnung in Einklang stehen. Antisemitische, rassistische Äußerungen disqualifizieren diese Mandatsträger, zum bundesweiten Vorlesetag eingeladen zu werden“, teilte die Arbeitsgemeinschaft mit.

Kitas und Schulen üben Hausrecht aus

Die Deutsche Bahn, die Stiftung Lesen und die Zeit reagierten am Mittwoch umgehend mit einer Stellungnahme. Jedem Bürger stehe die Teilnahme am Vorlesetag offen. Gewählte Abgeordnete würden nur durch ein nicht personalisiertes Anschreiben auf die Veranstaltung hingewiesen.

Im übrigen übten die Kitas und Schulen das Hausrecht aus und könnten selbst darüber entscheiden, wer in ihrer Einrichtung vorlesen dürfe. Man nehme die Kritik an dem breiten Verteiler für Politiker aber ernst und beobachte die politische Entwicklung der AfD ganz genau, versicherten die Initiatoren. Im nächsten Jahr werde man das Vorgehen dann überprüfen.

 

Quelle: Junge Freiheit

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