US-Vizepräsident Michael Pence hat seine erste Reise durch Lateinamerika begonnen. Im Mittelpunkt seiner Gespräche wird die andauernde politische Krise in Venezuela stehen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

Seine einwöchige Lateinamerika-Tour begann Pence gestern in Kolumbien, einem der proamerikanischsten Länder in dieser Region. Danach besucht er Argentinien, Chile und Panama, die ebenfalls zu Washingtons Verbündeten gehören. Und überall werden die Seiten neue „wirtschaftliche und diplomatische Varianten“ besprechen, wie man Caracas unter Druck setzen könnte.

US-Präsident Donald Trump hatte am vergangenen Freitag aber zu verstehen gegeben, dass noch härtere Schritte gegen Venezuela infrage kämen, sogar ein US-Militäreinsatz in diesem Land. Allerdings erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Erik Pahon, gegenüber CNN, das Pentagon hätte keine entsprechenden Hinweise bekommen.
Caracas reagierte darauf maximal scharf: Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez nannte Trumps Aussage „eine verrückte Tat und größtmögliche Äußerung von Extremismus“. Außenminister Jorge Areas sprach von „einer unmittelbaren Gefahr für Frieden, Stabilität, Unabhängigkeit, territoriale Einheit, Souveränität und das Selbstbestimmungsrecht der Bolivarischen Republik“. Und Nicolas Maduro Guerra, der Sohn des Präsidenten, drohte, dass im Falle einer US-Intervention „Gewehre nach New York geschickt werden“. „Und wir werden das Weiße Haus erobern“, drohte er.

Der Staatschef selbst will aber nicht alle Verbindungen mit Washington abbrechen. Ende der vorigen Woche hatte Nicolas Maduro sich zu einem Treffen mit seinem Amtskollegen Trump (zum Beispiel am Rande einer UN-Vollversammlung im September) oder wenigstens zu einem Telefonat mit ihm bereit gezeigt. Trumps Pressedienst reagierte darauf aber ganz deutlich: „Trump wird gerne mit dem venezolanischen Staatsoberhaupt sprechen, sobald die Demokratie in diesem Land wiederhergestellt worden ist.“

Aber diese Krise geht über die Konfrontation zwischen Washington und Caracas hinaus: Alle Länder Südamerikas sind in dieser oder jener Hinsicht darin einbezogen. In der vorigen Woche fand in Lima beispielsweise ein Treffen der Vertreter von 17 Ländern der Westlichen Hemisphäre statt, bei dem Caracas‘ Politik heftig kritisiert wurde. Der peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski nannte Maduro einen Diktator und rief ihn zum Rücktritt auf. Die Venezolaner reagierten blitzschnell: Der interimistische Geschäftsträger Perus in Caracas wurde aufgefordert, innerhalb von fünf Tagen das Land zu verlassen.

In Caracas trafen sich indes Verbündete Maduros, nämlich Vertreter von zwölf linksorientierten Ländern der Bolivarianischen Allianz für Amerika (ALBA). Sie versicherten ihm seine Unterstützung und kritisierten die US-Sanktionen gegen sein Umfeld.

Das einzige, was die Länder der Region vereinigt, ist ihre negative Einstellung zu einer ausländischen militärischen Einmischung in den venezolanischen Konflikt. „Verzicht auf Gewalt und jede andere Variante, die eine Gewaltanwendung vorsehen würde, ist die unentbehrliche Bedingung und Basis für demokratisches Bestehen sowohl in diesem Land als auch in den internationalen Angelegenheiten“, erklärte beispielsweise das argentinische Außenministerium im Namen des MERCOSUR. Venezuela ist Teilnehmer des Gemeinsamen Marktes Südamerikas neben Argentinien, Paraguay, Brasilien und Uruguay, aber am 5. August war seine Mitgliedschaft unbefristet ausgesetzt worden, und zwar wegen der Verletzung der „demokratischen Ordnung“ durch die Regierung Maduros.

Einer der wenigen ausländischen Verbündeten Caracas‘ bleibt Moskau. In der vorigen Woche warnte das russische Außenministerium abermals vor „einseitigen Sanktionen und Isolationsmaßnahmen gegen Caracas durch einige Länder“. Der venezolanische Botschafter in Russland, Faria Tortosa, nannte diese Position Moskaus „mutig“ und beteuerte, dass die aktuelle schwierige Situation keine negativen Folgen für die bilaterale Wirtschaftskooperation haben würde.

Deren Basis bildet nach wie vor die Ölförderung. Der Aufschwung entfiel auf die Regierungszeiten von Hugo Chavez (1999 bis 2013), der mit dem jetzigen Oberhaupt des Staatskonzerns Rosneft, Igor Setschin, befreundet war. Als Vizepremier in den Jahren 2008 und 2009 hatte Setschin auch andere russische Ölunternehmen zu Aktivitäten in Venezuela aufgerufen. Allerdings sind inzwischen im Nationalen Ölkonsortium, das die Partnerschaft mit der venezolanischen Korporation PDVSA im Rahmen des Projekts Junin-6 pflegt, nur noch Gazprom Neft und Rosneft vertreten.

 

Quelle: Sputnik

 

 

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