Die langsam wachsende US-Wirtschaft könnte von der jüngsten Schwächung des Dollars angekurbelt werden, schreibt die Zeitung «Wedomosti» am Dienstag.

Diese begann im Januar, nachdem die US-Währung ihr 15-jähriges Maximum erreicht hatte. Der Index WSJ Dollar, der die nationale Währung mit den Währungen der wichtigsten Handelspartner Washingtons vergleicht, schrumpfte seit Jahresbeginn um acht Prozent, insbesondere um mehr als zwei Prozent allein im letzten Monat. Noch mehr als das: Der Euro legte gegenüber dem Dollar um 15 Prozent und der mexikanische Peso um 28 Prozent zu.

Teilweise lässt sich die Schwächung der US-Währung auf die Verbesserung der Wirtschaftslage in anderen Ländern, insbesondere in Europa, zurückführen. In diesem Jahr wächst das BIP der Eurozone intensiver als das in Amerika. Die Europäische Zentralbank denkt angesichts dessen daran, die Wirtschaft nicht mehr so intensiv zu stimulieren, weshalb unter anderem der Euro wächst. Und der Peso ist nicht zuletzt deswegen stärker geworden, weil US-Präsident Donald Trump auf aggressive Maßnahmen gegen den mexikanischen Export verzichtete, was viele Investoren gefürchtet hatten.

Der niedrige Wechselkurs hat auch seine Nachteile: So nimmt die Kaufkraft des Dollars in der Welt ab, so dass Importwaren und Auslandsreisen für die Amerikaner teurer werden. Darüber hinaus kann die Schwäche des Dollars die Finanzmärkte destabilisieren und auch für Investitionen in den USA negative Folgen haben.

Aber kurzfristig sind die Vorteile wichtiger: Der US-Export legte im Juni um sieben Prozent im Jahresvergleich zu, und die Produktion wuchs um 1,4 Prozent. In den beiden Jahren zuvor  waren diese Zahlen vor dem Hintergrund des Dollar-Erstarkens zurückgegangen.

„Mir gefällt es, dass der Dollarkurs nicht zu hoch ist“, sagte Trump im Juli in einem Interview für das „Wall Street Journal“.

Darüber hinaus ist der schwache Dollar für transnationale Konzerne günstig, die in anderen Ländern Profite in anderen Währungen machen. Die Coca-Cola Company hob das beispielsweise bei der Vorstellung ihrer Ergebnisse im letzten Quartal hervor. Insgesamt sind die Profite der Unternehmen aus dem Index S&P 500 im ersten Vierteljahr laut Thomson Reuters um 15 Prozent und im zweiten Vierteljahr um zwölf Prozent im Jahresvergleich gewachsen. Damit sei für sie das erste Halbjahr 2017 zum erfolgreichsten seit 2011 geworden.

Darüber hinaus freut sich auch das Federal Reserve System über den schwachen Dollar. Die US-Notenbank macht sich Sorgen über die spontane Inflationsverlangsamung in diesem Jahr macht. Seit fünf Jahren liegt die Inflationsrate unter dem vom Federal Reserve festgelegten Stand von zwei Prozent. „Eine gewisse Informationsbeschleunigung würde man nur begrüßen, und das Federal Reserve System könnte dann seine Politik weiter betreiben, und die Marktteilnehmer würden sie nicht für falsch halten“, sagte der Chefökonom der Deutschen Bank, Matt Luzzetti.

Nach Einschätzung der Deutschen Bank würde eine gemäßigte Schwächung des Dollars die Inflation um 0,2 Prozentpunkte bis  zum Sommer 2018 beschleunigen, und das würde schon genügen, um die von der US-Zentralbank bestimmte Zwei-Prozent-Marke zu erreichen.

 

Quelle: Sputnik

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