„Na, haben wir noch Spaß“, fragte Spiegel online. Ja, hatten wir denn jemals Spaß? Mir ist schon klar, der Spiegel bezieht sich auf die haltlosen, atomaren Drohungen des US-Präsidenten Trump gegenüber Nordkorea, die laut Spiegel aufziehende Kriegsgefahr. Der Spiegel will uns glauben machen, diese plötzlich am Horizont heraufziehende Gefahr eines Atomkrieges sei einzig Trump geschuldet.

Wo, so frage ich mich, hat Marc Pitzke, der Autor des Textes auf Spiegel online gelebt in den letzten 50 oder noch mehr Jahren? Auf einem fernen Planeten?

Ist Trump der Böse, diabolisch grinsend, von schizophrenen Allmachtsphantasien getriebene Neurotiker, wie ihn uns Hoolywood in, z. B., den unendlich öden aber wie Kult verehrten Bond-Filmen zeigt? Ist er einer dieser einsamen Weltzerstörer, die eindimensional ausschliesslich böse sind – nur zu stoppen durch die ebenso eindimensional ausschliesslich Guten – übrigens, ebenfalls ausschliesslich (zumeist auch noch weißen) US-Bürger – wie sie uns jeden Abend in unfassbar schwachsinnigen US-Serien via Fernsehen die Wohnzimmer in einen Kriegsschauplatz verwandeln? Oder ist Trump nur das Produkt des US-amerikanischen Selbstwertgefühls, des US-amerikanischen kollektiven Egoismus‘?

Trump ist ein Populist, jemand der es versteht, die Seele der überwiegenden Mehrheit der US-Bürger zu berühren. Er spricht aus, was die meisten seiner Landsleute denken, was sie empfinden, sich aber nie getraut haben, offen zu sagen. US-Bürger, denen vom ersten Atemzug ihres Lebens an beigebracht wurde in „God’s own Land“ zu leben, auserkoren zu sein, der Welt das Heil zu bringen, Demokratie, Freiheit, Menschenrechte. Menschen, die nie gelernt haben sich selbst und ihr Handeln kritisch zu hinterfragen. Wenn dort wo ich stehe das Gute ist (und Gott), dann ist alles drum herum, das nicht wie ich ist, automatisch böse – und das Böse muss bekämpft werden, notfalls, oder vielleicht sogar eher vorrangig, mit Feuer und Schwert.

Das haben die Ureinwohner Amerikas zu spüren bekommen, die schwarzen Sklaven, die Mexikaner, ausnahmslos auch die Menschen in Mittel-oder Zentralamerika und den Ländern Südamerikas, die ölreichen Länder Nordafrikas, Vorder- und Zentralasiens. Alle Nationen, die sich nicht widerstandslos vereinnahmen ließen, die ihren eigenen unabhängigen Weg gehen wollten, ob in Asien, wie etwa der Iran, Vietnam, Kambodscha, Laos, in Afrika der Kongo, Angola, Libyen, auf der arabischen Halbinsel Syrien, der Libanon, Irak oder Iran, auf dem Balkan Jugoslawien, Griechenland, Kleinststaaten wie Grenada oder Riesenreiche wie Russland.

Aber die USA kennen kein Schuldgefühl. Sie sind die Herren der Welt, von Gottes Gnaden. Sie machen sich die Erde untertan. Sie gebrauchen nicht was ihnen zusteht, ihnen steht zu, was sie brauchen. Wenn sie Land brauchen, dann nehmen sie es sich von den Ureinwohnern, wenn sie Kaffee, Bananen, Kakao haben wollen, dann müssen diese Rohstoffe eben auf fremdem Land von Arbeitssklaven erzeugt werden, Erdöl, Gas, Erze, Diamanten, seltene Erden gehören ihnen, weil ihre Wirtschaft sie benötigt. Wenn ein Volk Pech hat und diese Rohstoffe unter dem Boden liegen den es seine Heimat nennt, dann muss es eben weichen – freiwillig oder durch brutale Gewalt.

Nordkorea ist kein Land in dem man leben möchte, kein Staat, der es seinen Bürgern gestattet, sich frei und ungehindert auszusuchen, wie sie leben wollen. Es ist eine Diktatur übelster Sorte, in dem ein Menschenleben wenig bis gar nichts zählt. Aber ist Nordkorea auch, wie Ex-Präsident George W. Bush es formuliert, ein Schurkenstaat?

Hat Nordkorea andere Länder überfallen, mit Krieg überzogen und durch seine Geheimdienste destabilisiert? Stellt es Forderung die über die der Achtung der eigenen Souveränität und Unversehrtheit seines Staatsgebietes hinausgehen? Unterhält es Militärbasen rund um den Globus, von wo aus es jederzeit gegen jedermann losschlagen kann? Verlangt Nordkorea von anderen Staaten, dass sie sein Wirtschaftssystem übernehmen, ihre Grenzen öffnen, damit es seine hochsubventionierten Produkte dort verkaufen kann?

Nordkorea mag aggressiv erscheinen, aber seine Führung hat erkannt, dass sich ein Land nur seine Unabhängigkeit bewahren kann, wenn es Atomwaffen besitzt. So traurig es ist, nur der Besitz der Atombombe, die Gefahr der eigenen totalen Vernichtung für den Angreifer, bewahrt ein Land vor den gesetzlosen, völkerrechtswidrigen Übergriffen der Großmächte, allen voran die USA.

Wer hat eigentlich bestimmt, welche Länder Atomwaffen besitzen dürfen und welche nicht? Gibt es rational nachvollziehbare Regelungen? Oder ist es einfach so, dass die ersten Atommächte sich das Recht genommen haben, kraft der eigenen angesammelten Sprengkraft zu bestimmen, wer diesen Planeten in die Luft sprengen darf und wer nicht? Was prädestiniert Frankreich, Großbritannien, Russland, China, Indien, Pakistan, Israel und die USA, im Besitz dieser diabolischen Vernichtungswaffen zu sein und andere nicht? Warum darf Donald Trump abends vor den zu Bett gehen liebevoll über den roten Knopf streichen und sich selbst verliebt als Richter über Leben und Tod fühlen und Kim Jong-Un nicht?

Sind die Bomben in den USA sicherer als in Nordkorea? Was veranlasst uns zu dieser Annahme? Sind es nicht die USA,vor denen keine Nation sicher ist? Wikipedia zählt allein seit 1991, dem Jahr in dem die Sowjetunion sich auflöste 18 Militäraktionen der USA auf:

  • Januar/Februar 1991: Kuwait: US-geführte Koalitionstruppen, legitimiert durch einen Beschluss des Weltsicherheitsrats der Vereinten Nationen, marschieren in Kuwait ein und beenden mit der Operation Wüstensturm die irakische Besetzung des Landes.
  • 27. August 1992: Irak – Die Vereinigten Staaten errichten im Irak eine Flugverbotszone für irakische Flugzeuge nördlich des Breitengrades von 36°N und südlich von 33°N. Der Luftkrieg wird eingeschränkt bis 2002 wieder aufgenommen, vorgeblich um Saddam Hussein von Luftangriffen auf die irakischen Kurden im Norden und die Schiiten im Süden des Landes abzuhalten und einen erneuten Überfall auf Kuwait zu verhindern.
  • 9. Dezember 1992: Somalia – Die Vereinigten Staaten entsenden auf Aufforderung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen und Beschluss des Sicherheitsrats 28.000 Soldaten nach Somalia, um den Bürgerkrieg zu beenden (Rückzug 1994 nach blutig gescheitertem Versuch der Festnahme von General Mohammed Farah Aidid).
  • 27. Juni 1993: Irak – Kriegsschiffe unternehmen einen Einsatz gegen den Irak und feuern 23 Marschflugkörper auf Bagdad ab.
  • August/September 1994: Haiti – Amerikanische Truppen setzen auf Druck des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen die Reinstallation des 1991 durch einen Militärputsch gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide durch.
  • 20. August 1998: Sudan – Als Vergeltung für die Terroranschläge auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania führen die Vereinigten Staaten einen Luftangriff auf eine angebliche Giftgasfabrik durch, die sich später als die Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik herausstellte.
  • Ab 2001, Operation Enduring Freedom: Die US-Marine sichert Seehandelswege um die somalischen Gewässer.
  • 20. März 2003, Operation Iraqi Freedom: Irak – Streitkräfte einer 48 Nationen umfassende Koalition griffen im Dritten Golfkrieg den Irak an und stürzten die Regierung von Saddam Hussein. Der Irak wurde übergangsweise als Protektorat verwaltet, im Sommer 2005 wurden Wahlen abgehalten und offiziell die Regierungsgeschäfte an die gewählte Regierung übergeben. Die amerikanischen Truppen verließen das Land 2011.
  • Die US-Marine bekämpft somalische Piraten im Verbund mit weiteren Marineeinheiten verschiedener Teilnehmernationen.
  • Frühjahr 2011 – Militärische Luftschläge sowie Marineeinsätze mit Marschflugkörpern gegen Libyen, um eine Flugverbotszonedurchzusetzen und Militärschläge des Machthabers Muammar al-Gaddafi gegen die von den USA unterstützen Aufständischen im Land zu verhindern.
  • Operation United Assistance: Zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika errichteten US-Truppen ab September in LiberiaBehandlungseinrichtungen unter der Beteiligung von 539 Soldaten. Nachdem der Präsident von 3000 Soldaten gesprochen hatte, sollen gemäß Medienberichten bis zu 4700 Soldaten in Westafrika im Einsatz stehen.

Unter dem Suchbegriff Nordkorea findet sich kein einziger solcher Eintrag.

Das soll nicht heißen, dass Nordkorea der friedlichste Staat der Erde ist, schliesslich hat Kim Jong-uns Großvater Kim Il-sung 1950 den Koreakrieg ausgelöst. Hierbei handelte es sich aber um eine innerkoreanische Angelegenheit. 1945 nach der Befreiung Koreas von der japanischen Herrschaft wurde das Land nach alter Kolonialherrenart am 38. Breitengrad in eine nördliche Hälfte unter Verwaltung der UDSSR und eine südliche unter der Verwaltung der USA aufgeteilt.

Grund war die Befürchtung Großbritanniens, dass wenn man den Koreanern die Selbstbestimmung über ihr Land überlassen würde, die anderen Kolonien des „Britischen Empire“ das gleiche Recht für sich fordern würden. Christian Schmidt-Häuer schreibt in einem lesenswerten Artikel:

„Mit dem Ende der japanischen Herrschaft kam neues Unglück. Am 10. August 1945, einen Tag nachdem die Bombe auf Nagasaki gefallen war, beugten sich in den USA zwei junge Offiziere über eine Karte Koreas. John McCloy, Staatssekretär im Kriegsministerium, hatte sie beauftragt, binnen 30 Minuten einen Plan zur Teilung Koreas auszuarbeiten.

Bereits im Dezember 1943 waren die USA, England und China übereingekommen, das Land für 20 bis 30 Jahre unter die Treuhandschaftsregierung der Großmächte zu stellen.Nun starrten die beiden Offiziere – einer von ihnen war der spätere Außenminister Dean Rusk – auf die ihnen unbekannte Halbinsel. Sie tippten auf den 38. Breitengrad, weil die Hauptstadt Seoul so in ihrer, der südlichen Besatzungszone lag […].

So wurde das Land, gerade der Kolonialherrschaft entkommen, von Neuem besetzt, für seine Bevölkerung wiederholte sich der Albtraum des 19. Jahrhunderts. Und bis heute haben die Koreaner beider Hälften darunter zu leiden, dass die Weltmächte auf ihrer Halbinsel einen Jurassic Park des Kalten Krieges hinterlassen haben.“

Beide Teile Koreas wurden von Diktatoren regiert. Im Norden herrschte der von den Sowjets eigesetzte Kommunist Kim Il-sung, im Süden der Rechtsfaschist Rhee Syng-man. Diktatoren, die von den Besatzungsmächten eingesetzt und gestützt wurden waren beide. Auch hatten beide das Bestreben, die Einheit Koreas mit Waffengewalt herbeizuführen. Die Menschen spielten dabei keine Rolle. Es gab tausende von Toten auf beiden Seiten. Im Norden durch die brutal durchgesetzten Enteignungen und Vergesellschaftungen in der Wirtschaft und im Süden durch ein grausames Regime des militanten Antikommunismus‘.

Kim Il-sung sah als erster seine Chance und schlug zu, aber auch im Süden warteten die USA nur auf die Chance ihre gewaltige Streitmacht an die direkte Grenze zu China zu verschieben.Seit ihrer Niederlage 1953 zeichnen die USA das Bild eines Volks von Robotern mit einem wahnsinnigen, unberechenbaren Führer an der Spitze.

Sie provozieren mit Seemanövern, überfliegen koreanischen Luftraum und machen überall ihren Einfluss geltend, um Nordkorea zu schaden, bis zu George W. Bushs unverhohlenen Drohung gegen die Schurkenstaaten der Erde, als die er Irak, Iran, Libyen, Syrien, den Sudan, Kuba, Südjemen und Nordkorea ausgemacht hatte. Der Irak musste blutig erfahren, was es heißt, als Schurkenstaat zertifiziert zu werden. Syrien sammelt seit sechs Jahren bittere Erfahrungen in Sachen Schurkenstaat.

Der Sudan musste große Teile seines Staatsgebietes, die ölreichen Südprovinzen an ein künstlich geschaffenes Staatengebilde Namens Südsudan abtreten, um von der Liste gestrichen zu werden. Effektiven Nutzen konnte der Sudan aus seiner Demutsgeste nicht ziehen. Die Menschen im Südsudan schlachten sich seit ihrer Unabhängigkeit gegenseitig ab.

Der Südjemen gab seine Eigenstaatlichkeit sogar ganz und gar ab und vereinigte sich mit dem Nordjemen. Geholfen hat das weder den Süd-, noch den Nordjemenitern. Seit nunmehr fast drei Jahren lassen die USA im Jemen, einem der ärmsten Länder der Welt, durch ihre saudischen Vasallen, einen an Grausamkeit nicht zu überbietenden Krieg führen.

Grund dafür ist ein anderer ehemaliger Schurkenstaat. Der Iran wurde zwar ebenfalls von der Liste der Schurkenstaaten gestrichen, da das in dem in jahrelangen Verhandlungen erzielten Vertrag über das iranische Atomprogramm zugesichert wurde, aber Papier ist geduldig. Iran unterstützt die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen, die 2015 praktisch bereits die ungeliebte Regierung des Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi entmachtet hatten. Die USA sowie Saudi-Arabien fürchteten um eine Machtverschiebung in der Region zugunsten der Schurken aus Teheran.

Muammar al-Gaddafi, den Ronald Reagan einmal sogar als „irren Hund“ bezeichnete, verzichtete schon 2003 auf die Entwicklung den Besitz und Gebrauch von sogenannten ABC-Waffen. Dafür wurde Libyen nicht nur von der Liste der Schurkenstaaten gestrichen, sondern es wurde ihm von den USA unter George W. Busch versprochen, die USA würden ihm beistehen, sollte sein Land angegriffen werden.
Die Art und Weise, wie die USA solche Versprechen einzuhalten pflegen, durfte Gaddafi dann 2011 am eigenen Leibe erfahren.

Mit brutaler Gewalt gegen das gesamte libysche Volk, man spricht von 40 – 50.000 Toten, wurde Gaddafi aus dem Amt gebombt. Als man ihn auf der Flucht schließlich stellte und aus einem trocken gelegtem Abwasserrohr zog, wurde er mit einer Eisenstange gepfählt. Allen diesen „Schurkenstaaten ist eins gemein: Sie waren militärisch schwach und hatten der US-amerikanischen Militärmaschine nichts entgegenzusetzen. Hätte das oben erwähnte Grenada Atomwaffen besessen, Ronald Reagan hätte es sich zweimal überlegt, ob er gegen den Zwergstaat seine Marine in Marsch setzt.

So aber ist Grenada heute zwar weiterhin Mitglied des britischen Commonwealth, ansonsten aber eine Kolonie der Vereinigten Staaten, besetzt von der US-Army.
Dieser Umstand der faktischen Wehrlosigkeit ist auch von ausschlaggebender Bedeutung für die Besitzer der veröffentlichten Meinung. Entdeckten die Herrschaften bei Staatschefs wie Gaddafi, Hussein oder Assad noch ihr demokratischen Gewissen und bekundeten ihre tiefe Verbundenheit mit solchen Werten wie Menschlichkeit, Freiheit und sexueller Selbstbestimmung, so herrschte in Bezug auf Kim Jong-Un beredtes Schweigen.

Tönte es in den Medien noch Saddam, Gaddafi, Assad muss weg, wurde nach Flugverbotszonen, dem Internationalen Strafgerichtshof gerufen, war und ist jeder Verbrecher, jeder Mörder, jeder Landsknecht oder Söldner als Verbündeter willkommen, so übte die Presse in Bezug auf Kim Jong-Un vornehme Zurückhaltung. Ja der Mann ist ein übler Diktator – aber die Welt ist leider nun einmal wie sie ist.

Als Trump dann im April 59 Marschflugkörper auf einen syrischen Militärstützpunkt niederregnen liess, allein auf die bis heute unbewiesene Tatsache hin, dass angeblich die syrischen Streitkräfte Giftgas im Kampf gegen die internationalen Söldner in ihrem Land eingesetzt hätten, war die internationale Presse förmlich aus dem Häuschen:

„Es handelte sich um den ersten amerikanischen Angriff auf die syrische Regierung. Und es ist der deutlichste militärische Schritt des US-Präsidenten Donald Trump seit seiner Amtsübernahme“,

freute sich die Tagesschau und sie ließ ganz entgegen ihrer sonstigen Verfahrensweise mit dem so ungeliebten Trump, diesen sogar höchst eigen zu Wort kommen:

„Von dem ins Visier genommenen Flugplatz sei vor wenigen Tagen ein Angriff mit Giftgas ausgegangen, sagte Trump: „Ich rufe heute alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen.“

Grund dafür war, dass der Mann endlich zur Vernunft gekommen war und sich endlich von dem Schlappschwanz Obama distanziert hatte:

„Im Wahlkampf hatte Trump von einem Eingreifen in den Bürgerkrieg stets abgeraten und gefordert, die Staaten dürften nicht in Konflikt hineingezogen werden.…Die Vorgängerregierung von Barack Obama hatte mit militärischen Schritten gegen die syrische Regierung lediglich gedroht – sie aber nicht ausgeführt.“

Für „Die Welt“ schien wohl bereits eine Zeitenwende gekommen. Das Blatt hielt es für angebracht, die Rede des US-Präsidenten im Wortlaut abzudrucken, so als sei die Menschheit Zeuge eines epochalen Ereignisses gewesen.
„Der Spiegel“ konnte seine Enttäuschung ob der nur vier Toten und sechs Verletzten nur schwer verbergen. Er forderte mehr Bomben:

„Mit der chirurgischen Operation (man kennt diese Metapher seit dem ersten Irakkrieg , noch unter dem alten Bush, als General Schwarzkopf den denkwürdigen Ausspruch tat, die US-Waffen seien so präzise, das man in einem Hochhaus präzise ein bestimmtes Klo treffen könne, die einzig verbleibende Frage sei, ob das Herren- oder das Damenklo, d. A.) versucht Trump, auf Abschreckung zu setzen.

Allerdings dürfte sie kaum die Kräfteverhältnisse in Syrien verändern. Dazu würde es weiterer und regelmäßiger Angriffe bedürfen, die dann allerdings vom Kongress in Washington abgesegnet werden müssten. Und die Unterstützung für eine tiefere Verstrickung in den Krieg in Syrien ist in den USA gering.“

Trump entwickelte sich, praktisch über Nacht, in den Augen der Spiegelredakteure vom tumben Blödmann, Frauengrabscher und notorischem Lügner zu einem gewieften Staatsmann und Taktiker:

„Mit seinem Befehl versendet Trump gleich mehrere Botschaften. Syriens Machthaber Baschar al-Assad will er signalisieren, dass der Einsatz von Chemiewaffen künftig nicht mehr ohne Sanktionen bleibt. Gegenüber Moskau zeigt der US-Präsident, dass er im Zweifel auch gegen die Interessen Russlands zu agieren gewillt ist.“

So ganz nebenbei verteilten die Spiegel-Leute, genau wie die Kollegen von der Tagesschau, noch ein paar gezielte Nachtritte gegen Trumps Vorgänger Obama:

„Und nach innen gibt ihm der gezielte Angriff die Gelegenheit, sich als Mann zu inszenieren, der anders agiert als sein Vorgänger und bereit ist, weitgehend ohne Vorwarnung zuzuschlagen.“

Einfach zu wenig Tote, dieser Meinung war auch das Zentralorgan der Grünen, die „taz“:

„Viel Schall und Rauch“,

und bedauerte die bisher verpassten Chancen schon zu früherer Zeit, einen schönen Feuerüberfall auf das, verglichen mit der bestens geölten Todesmaschinerie der USA, hilflose Syrien zu starten:

„Laut Analysten entsprach der Angriff ziemlich genau dem, was das US-Militär im Sommer 2013 als Vergeltung für die damaligen Chemiewaffenangriffe des syrischen Re­gimes ausgearbeitet hatte.…Barack Obama zuckte schließlich zurück. Donald Trump nicht.“

Vielleicht, so scheint man im Verlagshaus der Alternativen gedacht zu haben, könnte daraus endlich eine richtige Militärintervention werden, mit Bomben auf Städte, Industrieanlagen Flughäfen, Staudämmen, Elektrizitätswerken und so:

„Ob das jetzt zu einer Eskalation führt, hängt von den Reaktionen ab. Trump hat den syrischen Tisch umgestoßen und alle, die daran vor sich hin dösten, sind aufgeschreckt und überlegen sich, was das zerbrochene Porzellan für sie bedeutet.“

Da mochte man dem Trump sogar verzeihen, dass er ein erklärter Gegner der All-Gendertoiletten ist. Die Wahlkampfmanager des ehemaligen Baulöwen aus New York hätten das auch nicht schöner formulieren können. Man sieht die Trump-Wähler im Mittelwesten eifrig mit dem Kopf nicken. Genau aus dem Grund haben sie Trump gewählt: Einer, der endlich mal den Finger in die Wunden legt, der die fett und träge gewordenen Politiker aufweckt, ihnen Beine macht. Die „taz“ im Kielwasser der AFD.

Ja so war sie drauf, die Journaille damals im Frühjahr: Immer feste druff! Und heute? Gut vier Monate später? Trump muss wieder Platz nehmen auf der Bank der Paria:

„Trump spielt mit dem Feuer“

zeigte sich „Der Spiegel“ wenig originell in seiner Überschrift und auch was dann kam war für Spiegelleser eher wenig neu und überraschend:

„So leichtfertig hat noch kein US-Präsident gezündelt. Der Konflikt mit Kim Jong Un lässt befürchten: Der unberechenbarere Akteur sitzt nicht in Nordkorea, sondern in einem Golfklub in den USA.“

Der alte Doofmann war wieder da. Sogar der etatmäßige Finsterling Kim Jong-un, von dem es doch immer geheißen hatte, er provoziere die ganze Welt mit seinen Atom- und Raketentests, ist plötzlich derjenige, der die Welt vor Trump retten muß.

Die „Süddeutsche“ gar, spricht von Diplomatie, ein Begriff, der aus dem Wortschatz unserer Welterklärer seit mehreren Jahren verdammt schien, der einfach nicht mehr vorkam, scheinbar total veraltet. Man löste Probleme und Meinungsverschiedenheiten schon lange nicht mehr durch Diplomatie sondern durch Sanktionen, Drohungen, Geheimdienstaktionen und wenn das alles nicht fruchten wollte, durch das Ausüben unmittelbarer, brutaler Gewalt, durch Bomben und Raketen:

„Trump demontiert seinen Außenminister – und die US-Diplomatie“

Der Antwort auf die Frage, was den Umdenkprozess in unseren Medien wohl in Gang gesetzt haben mag, nähern wir uns, wenn wir unsere seit Jahren gewachsene Abneigung überwinden und lesen, wenn uns Andreas Petzold im „Stern“, einem Blatt, dass dereinst, als in Deutschland noch Berichterstattung Vorrang hatte vor strammer Agitation, hohe Reputation besaß, seine Sicht der Dinge schildert:

„Die Ignoranz von Trump kann lebensgefährlich sein – US-Präsident Donald Trump setzt auch gegen Nordkorea seinen Politik-Stil fort: unberechenbar und ohne Sachkenntnis.“

Und so, als hätte es die letzten Jahrzehnte US-amerikanischer Hegemonialpolitik mit ihren Kriegen, ihrer Verwüstung und hunderttausenden an Toten und Verstümmelten nicht gegeben, spricht er von einer für ihn scheinbar ganz neuen Gefahr:

„Das kann Menschenleben kosten.“

Haben die militärischen Abenteuer der USA in Afghanistan, im Irak, in Libyen und Syrien etwa keine Menschenleben gekostet?

Ein Verdacht macht sich breit. Sollte es vielleicht zweierlei Arten von Menschenleben geben? Einmal die der Afghanen, Iraker, Libyer, Syrer, Kongolesen, Sudanesen und Palästinenser und zum anderen das der durch die Atombombe Kim Jong-uns nun gefährdete der Europäer, Kanadier, Australier, US-Amerikaner? Das wäre dann ja wohl Rassismus in Reinform.

Oder ist es einfach so, dass unsere Schreiberlinge plötzlich fühlen, dass im Gegensatz zu den Gemetzeln in wehrlosen Ländern der dritten Welt, unvermittelt sie selbst in Gefahr sind, durch den grellen Blitz in die Elemente zerlegt werden, aus denen sie gemacht sind? Ist es die pure Angst, vielleicht am eigenen Leibe erleben zu müssen, was Menschen erlitten haben, denen sie in der Vergangenheit leichtfertig oder aus reiner Boshaftigkeit den Krieg in ihr Leben geschrieben und auf den Hals gehetzt haben?

Wenn dem so ist, und einiges scheint dafür zu sprechen, dann wäre das der klare Beweis dafür, dass es die beste Lebensversicherung kleiner, zur Zeit noch wehrloser Nationen ist, sich selbst die Bombe zu beschaffen. Im Besitz der schrecklichsten aller Waffen zu sein, bedeutet den Krieg in die Länder der Aggressoren zu tragen, ihnen selbst im Falle eines Angriffs die totale Vernichtung anzudrohen. Es würde Kim Jong-un Recht geben, und die Rechtfertigung dafür sein, auf Kosten der miserablen wirtschaftlichen Situation der eigenen Bevölkerung weiter sein Atom- und Raketenprogramm voranzutreiben.

Wenn wir das wollen, dann ist alles gut so wie es ist. Wenn wir aber wollen, dass zukünftige Generationen in Frieden und ohne Angst leben vor dem Supergau, der unsere Erde für immer in eine leblose Wüste verwandelt, dann ist es an der Zeit, die Atomwaffen zu verschrotten, den kleinen Nationen, die Garantie, nicht nur durch Worte sondern vor allem durch aktive Taten, zu geben, dass sie ihr Gemeinwesen ohne Bedrohung von außen in Zukunft so gestalten können wie sie es wollen. Wir müssen die UNO reformieren und endlich zu einem ehrlichen, von Verantwortung getragenen gleichberechtigtem Dialog der Nationen kommen, gleichgültig ob groß. oder klein, christlich oder islamisch, arm oder reich.

 

Quelle: Neopresse

 

 

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