Das US-Verteidigungsministerium hat lange an einer außenpolitischen Studie gearbeitet – und kommt zu einem enormen Ergebnis: Das US-Imperium droht schlagartig zu zerfallen. Der vorgeschlagene Lösungsweg: Mehr Kriege, mehr Überwachung, mehr Propaganda.

Die Strategen im Pentagon und andere beteiligte Think-Tanks haben über mehrere Monate an einer Studie gearbeitet, die den Titel „At Our Own Peril: DOF-Risk Assessment in a Post Primacy World“ (zu Deutsch: „Die uns drohende Gefahr: Risikoeinschätzung des Verteidigungsministeriums für eine Welt ohne US-Vorrangstellung). Diese wurden nun veröffentlicht und vorgestellt. Der Grundtenor: Die Weltordnung, die die USA nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg errichtet haben, könnte zerfallen und sogar zusammenbrechen.

Die Studie geht von den Prämissen aus, dass die USA in allen vier Machtsorten an Gewicht verlieren würden: Der Anteil an der Weltwirtschaft, der Vorsprung in der Militärtechnik, der Einfluss in politisch-internationalen Institutionen und die globale Anziehungskraft der US-Kultur. Unter diesen Voraussetzungen sei es immer schwerer, eine unbedingte, d.h. nicht auf bestimmte Erdteile fokussierte, Dominanz aufrecht zu erhalten. Kurz gesagt: Die Stimme der US-Regierung auf internationaler Bühne bleibt laut, aber sie wird leiser.

Gefahr komme nicht nur von rivalisierenden Großmächten wie Russland und China, sondern auch von Regionalmächten wie Nordkorea und dem Iran. Auch die Europäische Union, ein eigentlicher Verbündeter, laufe Gefahr, zunehmend unabhängig von den USA zu werden.

Der Wortlaut der Studie:

„Diese Ordnung und ihre konstituierenden Teile haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet; sie wurde nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in ein unipolares System umgewandelt und wird seither von den USA und ihren asiatischen und westlichen Verbündeten dominiert. Bisher konnten die USA mit Unterstützung ihrer Verbündeten die Bedingungen zur Erhaltung der internationalen Sicherheit diktieren und die Entstehung rivalisierender Machtzentren verhindern.“

Und weiter:

„Kurz gesagt, der bisher bestehende Zustand, den US-Strategen nach dem Zweiten Weltkrieg herbeigeführt und seither erhalten haben und der jahrzehntelang ‚tonangebend‘ für das Pentagon war, droht nicht nur zu ‚zerfallen‘, es könnte auch zum ‚Kollaps‘ kommen.“

Die Lösungsansätze der Anwedungsforscher sind so einfach wie erschreckend. Vorgeschlagen werden mehr Überwachung nach dem Vorbild der NSA, mehr Investitionen in die Verbreitung „der amerikanischen Sicht auf die Dinge“, ein Ausbau des Verteidigungsapparates und einige andere Maßnahmen.

Der Propaganda-Krieg dürfe nicht verloren werden
In der Pentagon-Studie wird betont, dass es neben der Herausforderung durch konkurrierende Mächte auch noch die Bedrohung durch nichtstaatliche Kräfte gibt, welche die von den USA dominierte Weltordnung auf andere Weise und zwar vor allem durch Gegeninformation
untergraben. Die «weltweite Vernetzung und der Einsatz von Nachrichten als Waffe zur Desinformation und Stimmungsmache» ermöglicht nach Meinung der Autoren der Studie die unkontrollierte Verbreitung von Informationen. Das führe dazu, dass «die vom Pentagon gewünschte Geheimhaltung und operative Sicherheit nicht mehr gewährleistet» sei. «Der weitgehend unkontrollierte Zugang zu neuer Technologie, die selbstverständlich auch genutzt wird, macht es unmöglich, heikle, geheime oder verdeckte Absichten, Aktionen
oder Operationen unentdeckt zu verfolgen und durchzuführen. … Die Militärführung muss sich darauf einstellen, dass alle mit der Verteidigung zusammenhängenden Aktivitäten – von kleineren taktischen Maßnahmen bis zu größeren Truppenbewegungen
– künftig sofort bekannt werden.»
Diese nicht mehr einzudämmende Informationsflut bewirke einen «umfassenden Zerfall traditioneller Autoritätsstrukturen, … und die weltweite Vernetzung fördere und beschleunige den offensichtlichen Niedergang der nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Weltordnung.»

 

Quelle: Neopresse

 

 

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