Die Staatsanwaltschaft Tübingen leitet Ermittlungen wegen des Verdachts rechtsextremistischer Handlungen beim Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr ein. Bei einer Feier der Eliteeinheit sollen nach Angaben einer Anwesenden nicht nur Schweinsköpfe geflogen, sondern auch verfassungsfeindliche Gesten vollführt worden sein.

Die Staatsanwaltschaft Tübingen leitet Ermittlungen wegen angeblicher rechtsextremistischer Handlungen beim Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr ein. Das sagte Oberstaatsanwalt Michael Pfohl am Donnerstag, nachdem ein Rechercheteam mehrerer öffentlich-rechtlicher Sender über die Vorfälle berichteten.

Zunächst müsse ermittelt werden, wo sich die Vorfälle ereignet haben, um die Zuständigkeit zu klären. Er habe erst durch den Medienbericht von den Vorfällen erfahren. Auch die Bundeswehr hat interne Ermittlungen eingeleitet.

Nach bisherigem Erkenntnisstand haben sich die Vorwürfe verfassungsfeindlicher Äußerungen in Wort, Bild oder Tat aber nicht bestätigt», so ein Sprecher des Heeres.

Wilde Abschiedsfeier mit weiblichem Hauptpreis und Römerspielen samt Schweinskopfwerfen

Bei der Abschiedsfeier für einen Kompaniechef der Elitetruppe KSK am 27. April 2017 auf einer Schießanlage in der Nähe von Stuttgart soll demzufolge unter anderem ein Schweinskopfwerfen veranstaltet worden sein. Außerdem sollen mehrere Soldaten den Hitlergruß gezeigt sowie Rechtsrock gehört haben.

Dies geht auf Recherchen für Sendungen von ARD, ZDF, Radio Bremen und NDR zurück. Die Berichte basieren auf den Aussagen und WhatsApp-Nachweisen einer Insiderin. Seitens der Bundeswehr wurden zumindest einige Aussagen über die Party-Elemente im Nachhinein bestätigt.

Die Quelle, welche „Anna“ genannt wird, sollte auf der Abschiedsparty des Kompaniechefs der „Hauptpreis“ für ihn sein. Die Beschreibung des Kameraden, welcher das Treffen einleitete, gegenüber Anna kang so

Zwei Meter groß und fickt alles, was ihm in den Weg kommt. Hände wie Klodeckel und tätowiert. Das könnte, was dunkle, sexuelle Ausschweifungen angeht, der Abend deines Lebens werden.»

Dafür musste er zunächst einen Parcours durchlaufen, welcher unter dem Motto «römisch-mittelalterliche Spiele» stand, entsprechend waren Soldaten gekleidet. Laut Bericht der ARD mit Berufung auf Angaben der Bundeswehr zählten zu den Herausforderungen im Parcours

Bogenschießen, das Zerteilen von Melonen und Ananas mit einem Schwert, das Zerteilen eines Holzstammes mit einer Axt, das Werfen von Schweineköpfen und das Überwinden einer Hinderniswand.»

Anna berichtet von 60 KSK-Soldaten bei der Schießanlage, und dass es zur Einlösung des „Hauptpreises“, den geplanten „dunklen, sexuellen Ausschweifungen“ zwischen Anna und dem Kompaniechef nicht kam, weil er zu betrunken war.

Rechtsrock und koordinierte Hitlergrüße

Jedoch lief später Musik, deren Textzeilen Anna stutzig gemacht hätten, es habe sich nach ihren eigenen Recherchen um die Band Sturmwehr gehandelt. Was Extremismus-Experten laut ARD bereits für beanstandungswürdig halten, wird nach Annas Angaben aber noch durch das koordiniert Bezeugen verfassungsfeindlicher Gesinnung verschärft:

Zum Refrain wurde mehrfach der Hitlergruß gezeigt. Das lief ganz euphorisch ab. Der Text war ja bekannt, sie haben mitgegrölt. Der Ältere hat die anderen quasi noch vorbereitet, was jetzt gleich käme, nämlich der Refrain, und dass es jetzt doch soweit wäre, die rechte Hand zu heben. Und genau das haben die vier dann auch gemacht.» 

Der ehemalige Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, warnt vor einem dann einem neuen Skandal für die Bundeswehr, falls sich die Vorwürfe bestätigen.

Hier gibt es für mich überhaupt keine Frage, dass dieses nicht nur vollkommen inakzeptabel ist — vorausgesetzt, es kann belegt werden. Dann muss ich sagen, hat das KSK und die gesamte Bundeswehr in der Tat ein großes Problem. Ich sehe auch nicht, wie das mal eben ganz schnell aufgearbeitet werden könnte.» wird Robbe von der ARD zitiert.

Das Kommando Spezialkräfte wurde Mitte der 1990er Jahre gegründet, um deutsche Geiseln aus Kriegsgebieten zu befreien. Obwohl bis heute unbekannt ist, wie viele Geiseln eigentlich durch Lösegeld statt durch die KSK befreitwurden, stellt die Einheit heute das Kronjuwel der Bundeswehr dar. Die KSK kommt in Krisengebieten zum Einsatz und ist in politisch heikle Operationen involviert. Selbst für die Abgeordneten des Bundestags ist es schwer, konkrete Informationen zu bekommen.

Der aktuelle Vorwurf richtet sich gegen einen von insgesamt vier Kompaniechefs. Er selbst war unter anderem für die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz, heißt es in den Berichten. Dort operierten die KSK direkt unter dem Kommando amerikanischer Spezialeinheiten. Bisher hatten der betroffene Kompaniechef und die Bundeswehr auf Anfragen der ARD keine Auskunft gegeben, internen Ermittlungen liefen noch. Derweil leitete die Staatsanwaltschaft Tübingen Ermittlungen ein.

 

Quelle: RT

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