Viele ausländische Energieprojekte mit Beteiligung Russlands konnten dank den Anstrengungen der EU vor den neuen US-Sanktionen geschützt werden, berichtete der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow.

Bislang handelt es sich dabei um die Obergrenze der Beteiligung Russlands an Energieprojekten, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Freitag.

Experten zufolge wird Brüssel bis zu einem bestimmten Zeitpunkt weiter die USA herausfordern und die russische Energie-Expansion in Europa schützen, darunter in Bezug auf die Nord-Stream-2-Pipeline, die von den Amerikanern kritisiert wird. Allerdings kann die EU im Gegenzug Präferenzen fordern.

Laut Tschischow gibt es in der ursprünglichen Version des Gesetzentwurfs zu den neuen Sanktionen gegen Russland, die Washington der EU bereitgestellt hat, Nichtübereinstimmungen, die unterschiedliche Deutungen ermöglichen.

Erstens heißt es in dem Dokument, dass die Staats- und Regierungschefs der europäischen Länder entsprechende Schritte zur Eindämmung Moskaus vor der weiteren Eroberung des europäischen Energieraums unternehmen „können“, nicht „sollen“.

Zudem wurde die Obergrenze der russischen Teilnahme an internationalen Energieprojekten in der Schlussvariante des Dokumentes von zehn auf 33 Prozent erhöht.

„Damit stehen mehrere Abkommen außerhalb des Gesetzes. Natürlich betrifft das nicht Nord Stream 2 und andere potentielle Großprojekte“, sagte Tschischow.

Zu diesen Kriterien passen sehr viele Projekte, die unsere staatlichen bzw. privaten Unternehmen im Ausland umsetzen. Das ist die Wiederbelebung der russischen Aquakultur in Norwegen, das Sponsern von Berggruben in Südafrika, der Umbau von Raffinerien in Osteuropa u.a. Es gibt sehr viele Projekte, an denen Russland als bedeutender, jedoch nicht als Hauptpartner beteiligt ist.

Doch Russland interessiert aus der Sicht der geopolitischen Konfrontation mit den USA vor allem ein Projekt – Nord Stream 2. Falls die Europäer trotz Washingtons Ansagen nicht den Abschluss des Baus dieser Pipeline behindern, könnten Markt bereits 2019-2020 bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas zusätzlich auf den europäischen fließen. US-amerikanisches Flüssiggas, mit dem Washington Europa beliefern will, wird teurer sein. Zudem würden die Lieferungen wegen der sehr langen Transportdauer instabil werden.

Laut dem Analysten der Brokerfirma Alpari, Roman Tkatschuk, hat Russland dennoch Gründe zur Besorgnis. Einerseits werde der Bruch der Verbindungen zwischen Russland und Europa bei aktuellen Energieprojekten zu großen Finanzverlusten für westeuropäische Unternehmen führen. „Russland ist ein großer und zuverlässiger Handelspartner für Europa, weshalb der Bruch der Geschäftsverbindungen wirtschaftlich nicht zweckmäßig ist. Hauptrisiko für Russland ist der Umstieg Europas auf US-Gas in einigen Jahren. Doch heute sind die Selbstkosten deutlich höher als bei Gazprom, weshalb Russland Vorteile hat“, so der Experte.

Allerdings könnten die Europäer Russland unter Druck setzen. Das Spiel um die Energie wird fortgesetzt. Nicht ausgeschlossen sei, dass Brüssel auf Präferenzen beharren werde –Ermäßigungen für Gaspreise und Investitionsbedingungen für den Einstieg in das Nord-Stream-2-Projekt, so der Experte.

 

Quelle: Sputnik

 

 

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