Der Kampf um europäische Gaskunden geht jetzt erst richtig los: Die US-Amerikaner greifen nach dem Sanktionshebel – Hauptsache die Gaslieferanten aus den USA haben Europa für sich. Gazprom muss seine Zukunft in der EU jetzt jedenfalls anders bewerten. Und die sieht keineswegs rosig aus, schreibt die russische Zeitschrift „Expert“.

Die ersten Schüsse im Gaskrieg um Europa sind gefallen: Im Juni hatten die US-Amerikaner Flüssiggas nach Polen geliefert, in dieser Woche soll ein weiterer Gastanker aus den USA in Litauen ankommen. Russland aber werde ein Bündel an Maßnahmen ergreifen, um sich auf diesem wichtigen Markt zu halten, schreibt „The Wall Street Journal“.

Russland nimmt ein Drittel des europäischen Gasmarkts ein. Und es hat Chancen, diesen Anteil zu halten, sind Fachleute überzeugt. Denn das US-Gas kostet 6,29 Dollar, das russische hingegen 4,86 Dollar für die gleiche Liefermenge. Insofern werden allen voran die US-Amerikaner – nicht die Russen allein – sich im Kampf um den EU-Markt bewegen müssen, was die USA mit ihren Sanktionen laut „Expert“ auch ausdrücklich tun.

Für Europa zu teuer

Eine ernsthafte Konkurrenz könne das Flüssiggas aus den USA für das russische Gas derzeit aus guten Gründen nicht sein, sagt Bogdan Swaritsch, Chef-Analyst bei der Investmentgesellschaft Freedom Finance, den die russische Zeitschrift zitiert. Einer der Gründe ist vor allem der Preis: „Das US-Gas ist samt den Transportkosten um 20 Prozent teurer als das russische.“ Ja, Europa wolle seine Gaslieferungen diversifizieren, nur nicht um diesen Preis – „viel zu teuer“, sagt der Experte. Zumal Gazprom seine Tarife noch etwas justieren könne.
Polen und Frankreich sind laut dem Blatt das beste Beispiel dafür. Nachdem Warschau zwei Probelieferungen aus den USA erhalten hatte, erklärte es seine Bereitschaft, das Gas weiterhin zu beziehen – sofern denn der Preis gesenkt werde. Paris hat auf Flüssiggas aus den USA gänzlich verzichtet. „Ich denke, mit den Lieferungen nach Litauen wird es sich genauso verhalten“, prognostiziert der Marktkenner Swaritsch.

Zudem fehlten bislang die Anlagen und Kapazitäten, um Europa unterbrechungsfrei aus den USA zu versorgen. Dies sei der zweite Grund, warum US-Gas gegenüber russischem Gas nicht wettbewerbsfähig sei, betont der Analyst. Die meisten Flüssiggasanlagen würden derzeit erst gebaut, vor 2020 stünden die nötigen Kapazitäten nicht bereit. „Bis dahin hat Europa schlicht keine Möglichkeit, russisches Gas zu ersetzen“, so der Analyst.
Dies erklärt auch die Reaktion europäischer Politiker auf die möglichen US-Sanktionen gegen EU-Firmen, die an russischen Pipelineprojekten wie Nord Stream 2 beteiligt sind. Der Versuch der Amerikaner, den Russen durch Sanktionen das Leben schwerzumachen, hat europäische Interessen berührt – und seine Energiesicherheit, schreibt „Expert“.

„Wirtschaft und Politik sind im Kampf um den europäischen Gasmarkt auf komplexe Weise miteinander verflochten“, sagt Mark Goichman, Chef-Analyst beim Vermögensverwalter Tele Trade. Natürlich möchte die EU-Führung „Russlands Dominanz“ auf dem Gasmarkt reduzieren. „Doch stehen zwei Faktoren im Vordergrund: Der tatsächliche Gasbedarf und der Preis. Hier liegt Gazprom bislang klar vorn.“

Allmählich überwindet Europa die Wirtschaftskrise. Dementsprechend steigt auch die Nachfrage nach Brennstoff – um 145 Milliarden Kubikmeter pro Jahr bis 2025 und um 185 Milliarden bis 2035. Solche gewaltigen Mengen können nur Pipelines liefern, Flüssiggastanker sicherlich nicht.

Zudem fehlten bislang die Anlagen und Kapazitäten, um Europa unterbrechungsfrei aus den USA zu versorgen. Dies sei der zweite Grund, warum US-Gas gegenüber russischem Gas nicht wettbewerbsfähig sei, betont der Analyst. Die meisten Flüssiggasanlagen würden derzeit erst gebaut, vor 2020 stünden die nötigen Kapazitäten nicht bereit. „Bis dahin hat Europa schlicht keine Möglichkeit, russisches Gas zu ersetzen“, so der Analyst.
Dies erklärt auch die Reaktion europäischer Politiker auf die möglichen US-Sanktionen gegen EU-Firmen, die an russischen Pipelineprojekten wie Nord Stream 2 beteiligt sind. Der Versuch der Amerikaner, den Russen durch Sanktionen das Leben schwerzumachen, hat europäische Interessen berührt – und seine Energiesicherheit, schreibt „Expert“.

„Wirtschaft und Politik sind im Kampf um den europäischen Gasmarkt auf komplexe Weise miteinander verflochten“, sagt Mark Goichman, Chef-Analyst beim Vermögensverwalter Tele Trade. Natürlich möchte die EU-Führung „Russlands Dominanz“ auf dem Gasmarkt reduzieren. „Doch stehen zwei Faktoren im Vordergrund: Der tatsächliche Gasbedarf und der Preis. Hier liegt Gazprom bislang klar vorn.“

Allmählich überwindet Europa die Wirtschaftskrise. Dementsprechend steigt auch die Nachfrage nach Brennstoff – um 145 Milliarden Kubikmeter pro Jahr bis 2025 und um 185 Milliarden bis 2035. Solche gewaltigen Mengen können nur Pipelines liefern, Flüssiggastanker sicherlich nicht.

Russland liefert aber auch Flüssiggas in die EU. Da sieht die Lage – zur Veranschaulichung – so aus: Im letzten Jahr wurden 20 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas aus Russland in die EU geliefert, 25 Milliarden kamen aus Katar, und 0,5 Milliarden aus den USA. Dabei ist selbst das Flüssiggas aus Russland 23 Prozent günstiger als jenes aus den Vereinigten Staaten. Und es wird noch günstiger, wenn die Verflüssigungsanlagen auf der russischen Halbinsel Jamal und im Hafen von St. Petersburg in Betrieb gehen.
Die deutschen Verbraucher jedenfalls wissen das günstige Gas aus Russland offenbar zu schätzen, so die Zeitschrift weiter: Nur sechs Prozent der Deutschen glauben, die EU sollte auf Gasimporte aus Russland zugunsten von US-Flüssiggas verzichten. Dies ergab jüngst eine Umfrage von Wintershall. Die Geldbörse von Ottonormalverbraucher ist nun mal aussagekräftiger als politische Ambitionen.

Gazprom muss etwas tun

Dennoch seien zunehmende Gasimporte aus den USA keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen, mahnt der Analyst Goichman von Tele Trade. „Russische Gaskonzerne müssen flexibler werden“, betont er. Sein Kollege Stanislaw Werner stimmt zu: „Hielt Gazprom das US-Flüssiggas 2013 noch für ein Märchen, muss der Konzern jetzt, mit der fortschreitenden Entwicklung der Infrastruktur, seine Möglichkeiten anders bewerten.“

Glänzend seien die Aussichten jedenfalls nicht, betont der Analyst.

„Zu den Flüssiggasterminals in Polen und Litauen könnten bald schon weitere Terminals in Griechenland und Kroatien hinzukommen. Dann wäre Gazprom nicht nur seine dominante Stellung in den baltischen Staaten, sondern auch in Südosteuropa los.“

Also investiert Gazprom gemeinsam mit seinen langjährigen Partnern in den Bau von Nord Stream 2. Diese Ostsee-Gasleitung soll die Transportkosten verringern und das Pipelinegas noch konkurrenzfähiger machen. Jedoch ist hinlänglich bekannt, welche Schwierigkeiten mit diesem Pipeline-Projekt verbunden sind. Deutschland jedenfalls verzichtet vorerst auf den Ausbau der Infrastruktur, die das Gas aus Nord Stream 2 über deutsches Territorium weiterleiten soll.

Der Druck auf den russischen Gaskonzern werde indes weiter zunehmen, sagt Werner: „Die USA erschließen neue Lagerstätten, steigern ihr Exportpotential.“ Deshalb stelle sich Gazprom neu auf. Der Konzern „weitet die Absatzmärkte aus, orientiert sich nach Südostasien, Indien, Ägypten. Und entwickelt eigene Flüssiggas-Projekte, etwa auf der Insel Sachalin oder eben im Petersburger Hafen.“
Wie dem auch sei: Seine Stellung gibt Russland so schnell nicht auf. Das Land könne zum größten Flüssiggas-Produzenten der Welt aufsteigen, sagte der russische Präsident Wladimir Putin. Doch kommt diese Aufgabe offensichtlich einem anderen russischen Gaskonzern zu: Novatek. So bestätigte Unternehmenschef Leonid Michelson denn auch: Die Gasförderung auf den Halbinseln Gydan und Jamal könne auf 70 Millionen Tonnen pro Jahr steigen – was nur unwesentlich weniger ist als die Jahresförderung der Gas-Macht Katar.

 

Quelle: Sputnik