Der frisch gewählte Präsident des ukrainischen Energiekonzerns „Ukrtransgaz“, der polnische Bürger Paweł Stańczak, kann das Schicksal der Ausländer wiederholen, die hohe Posten in der Ukraine belegt hatten. Das sagte der Politologe Iwan Mesjucho in einem Interview für Radio Sputnik.

Nach Angaben des Pressedienstes von „Ukrtransgaz“ soll Stańczak sein Amt antreten, sobald alle notwendigen Formalitäten erledigt sein werden. Bis dahin solle der 1. Vize-Präsident Miroslaw Chimko den Pflichten des Präsidenten nachkommen.

100 Prozent der Aktien von „Ukrtransgaz“ befinden sich im Besitz des ukrainischen Staatsunternehmens „Naftogaz“. Der ukrainische Energieminister Igor Nassalik hatte zuvor nicht ausgeschlossen, dass „Ukrtransgaz“ in technischer Hinsicht nicht auf den Transport von Gas vorbereitet sein könnte, weil „Naftogaz“ nichts in das Gastransportsystem der Ukraine investieren wolle.

Stańczak arbeitet seit mehr als 25 Jahren in der Gasbranche. In den Jahren 2003 und 2004 war er als Mitarbeiter des polnischen Unternehmens PGNiG für die Gründung von Gaz-System S.A., dem unabhängigen Betreiber des polnischen Gastransportsystems, zuständig. Heute ist Stańczak als technischer Direktor und Vorstandsmitglied des Unternehmens PGNiG Technologie S.A. tätig. Zu seinem Kompetenzbereich gehören die Projektierung und der Bau von Gaspipelines.

Nach Auffassung des Experten sehen sich die Europäer gezwungen, ihre Vertreter auf leitende Posten in den Gasunternehmen der Ukraine zu befördern.

„Die jetzige politische Führung der Ukraine ist sich offensichtlich nicht klar darüber, was sie mit dem veralteten ukrainischen Gastransportsystem eigentlich anfangen sollte“, so Mesjucho. Er erinnerte daran, dass die ukrainische Regierung schon während der Amtszeit von Premier Nikolai Asarow Alarm geschlagen und darauf verwiesen habe, dass das Gastransportsystem zerfalle und es enormer Finanzmittel für dessen Sicherstellung bedürfe.

Nach dem Staatstreich von 2014 seien diese Pläne zurückgestellt worden, so der Experte weiter. Jetzt würden die Europäer im Grunde genommen versuchen, den Gasmarkt in der Ukraine zu erobern. Die EU sei bestrebt, ihre Vertreter auf leitende Posten in den Gasunternehmen der Ukraine zu bringen, um die eigene Energieversorgung abzusichern.

Laut Mesjucho ist es wahrscheinlich, dass der neue Konzernleiter bei seiner Arbeit behindert werde.

„Ich kann das nicht so einfach glauben, dass ein Außenstehender, ein Ausländer fähig wäre, zeitgerechte Reformen in ‚Ukrtransgaz‘ durchzuführen. Wie die Praxis zeigt, stören ukrainische Unternehmer- und Politikergruppen öfters Ausländer bei ihrer Amtstätigkeit. Das erleben wir seit 2014 mit, und ich kann nicht ausschließen, dass sich diese Geschichte nicht wiederholen wird“, so der Experte.

Ihm zufolge besteht offenbar ein Konflikt zwischen „Naftogaz“ und dem ukrainischen Energieministerium. Daher sei nicht auszuschließen, dass der neue „Ukrtransgaz“-Chef in all diese Probleme involviert und einem Trommelfeuer der Kritik ausgesetzt sein werde, sagte der Politologe.

 

Quelle: Sputnik