Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) hat einen schweren Stand. Er liegt in Umfragen weit hinter Merkel zurück und auch seine Themen wollen nicht so recht zünden. Der Bundestagsabgeordnete Rainer Spiering (SPD) verteidigt seinen Genossen und attackiert die CDU.

Spiering ist Niedersachse. Er tritt im Wahlkreis Osnabrück Land an und ist von Haus aus Berufsschullehrer. Darum ist im Bundestag die Bildungspolitik sein Thema. Bei diesen Eigenschaften könnte man meinen, man habe es mit einem harmlosen Sozialdemokraten zu tun. Mit der Harmlosigkeit ist es vorbei, wenn es um den Wahlkampf von Martin Schulz geht. Als Sputnik sagt, dass der SPD-Kanzlerkandidat bei Auftritten und auch bei seinen Themen gerade nicht die beste Figur mache, kontert Spiering:

„A finde ich, dass Martin immer gut aussieht. B setzt er auf die richtigen Themen. Europa voranzustellen ist der richtige Weg. Ich halte die Restriktionspolitik, die gerade Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gegenüber anderen europäischen Staaten betrieben hat, für falsch und unfair.“

Zudem zeige Schulz klare Kante etwa gegen US-Präsident Donald Trump und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und „wackle nicht rum“ wie Angela Merkel es tue. Deutschland habe gute Erfahrung mit der klaren Haltung gemacht. Spiering erinnert an Merkels Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) im Jahr 2001:

„Schröder hat den Vereinigten Staaten von Amerika – übrigens mit einem moderateren Präsidenten – gezeigt, wo der Weg für uns lang geht. Das ist der richtige Weg gewesen, obwohl die jetzige Bundeskanzlerin damals vor Angst ins Mauseloch gekrochen ist.“

Ungerechtigkeit, Löhne, Russland

Dann spricht er über die soziale Gerechtigkeit in Deutschland: „Es ist unsäglich, wie sich die deutsche Industrie gegen den Mindestlohn gewehrt hat. Der ist nun das Mindeste, was man braucht. Obwohl man auch von 8,50 Euro keine Familie ernähren kann. Das ist zutiefst unfair. Wer denn nur glaubt, dass man sich erlauben kann, in einem reichen Land wie Deutschland mit einem Bodensatz von fünf bis sieben Millionen Menschen zu leben, die nicht klarkommen, der täuscht sich in Deutschland. Deutschland wird diesen Bodensatz nicht ertragen können. Die Leute werden sich wehren.“

Als Sputnik wissen will, wie die Arbeiterpartei SPD diesen Menschen helfen wolle, schlägt Spiering selbstkritische Töne an: Die Arbeitnehmerschaft der 70er Jahre sei nicht mehr mit der heutigen vergleichbar. Das sei ein Teil des Problems der SPD.
„Früher gab es Lohnunterschiede zwischen qualifizierten und weniger qualifizierten Facharbeitern von zwei, drei D-Mark in der Stunde. Heute haben wir da Lohnunterschiede von 10 bis 15 Euro.“ Dadurch sei es für die Sozialdemokraten schwerer geworden, die breite Masse der Arbeiter erfassen zu können. Damit landet Spiering bei seinem Thema: der Berufsbildung.

„Wir müssen junge Leute so gut ausbilden, dass sie für ihre Arbeit notgedrungen – auch wenn Unternehmer das nicht wollen – den Lohn bekommen, der ihnen zusteht.“

Zum Schluss beantwortet der SPD-Abgeordnete, der am 24. September zur Wiederwahl steht, wie er das angekratzte Verhältnis zwischen Deutschland und Russland verbessern würde: „Da gibt‘s ‘ne alte Weisheit bei mir zu Hause: Wer spricht, dem kann geholfen werden.“

 

Quelle: Sputnik