Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich jüngst in Sotschi mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu getroffen. Auffallend war, dass er sich dabei keine Minute verspätete, was von der großen Bedeutung zeugen könnte, die man im Kreml diesen Verhandlungen beimisst, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Donnerstag.

Netanjahu wurde bei dem Treffen mit Putin von dem Mossad-Chef Yossi Cohen, dem Leiter des nationalen Sicherheitsrats, Meir Ben-Shabbat sowie dem Militärsekretär des Regierungschefs, Brigadegeneral Eliezer Toledano, begleitet. Eine solch mächtige Unterstützung brauchte er offenbar, um Putin zu überzeugen, dass die Stärkung der Positionen Teherans in verschiedenen Nahost-Ländern gefährlich sei, und dass die iranischen Truppen nach der Regelung der Syrien-Krise unbedingt aus diesem Land abgezogen werden sollten.

Diese Bedingung sollte Netanjahu zufolge im russisch-amerikanischen Abkommen zur Feuereinstellung und Einrichtung einer weiteren Deeskalationszone in Syrien verankert werden, das die Präsidenten beider Länder, Wladimir Putin und Donald Trump, bei ihrem Treffen am Rande des jüngsten G20-Gipfels in Hamburg besprochen hatten.

Aber in erster Linie musste der israelische Regierungschef Tel Avivs Position zum jüngsten Skandal äußern, der mit Russlands Ausschluss aus der Teilnehmerliste des Projekts zur Modernisierung einer Gedenkstätte am Ort des einstigen NS-Vernichtungslagers „Sobibor“ in Polen verbunden war. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, nannte Tel Avivs Schweigen „einen historischen Verrat“, das ihr zufolge „frappant“ ist.

„Wir – und ich persönlich – vergessen nie die historische Rolle Russlands und der Sowjetarmee im Sieg gegen den Faschismus“, beteuerte Netanjahu. „Die israelischen Behörden betonen das überall.“

Vor kurzem habe die Knesset eine diesbezügliche Erklärung verabschiedet, ergänzte er.

Allerdings präzisierte der Regierungschef nicht, ob Tel Aviv offiziell gegen Warschaus Initiative zum Ausschluss Russlands aus den Teilnehmern des „Sobibor“-Modernisierungsprojekts protestieren werde. Für ihn war immerhin ein anderes Thema wichtiger.

„Die Situation im Nahen Osten wandelt sich sehr intensiv, und der Iran bemüht sich sehr darum, seine Präsenz in der Region zu festigen“, stellte Netanjahu fest und führte an, dass Teheran neben Syrien auch im Irak, im Jemen und im Libanon enorm stark sei. „Überall, wo der IS wegzieht, erscheint der Iran.“ Mossad-Chef Cohen nickte in diesem Moment.

Vor der Reise nach Sotschi hatte er die USA besucht (und soll laut israelischen Medien Putin eine Botschaft von Donald Trump gebracht haben). Und zuvor hatten Experten aus Israel, den USA und Russland in Amman (Jordanien) heimlich die Bedingungen des russisch-amerikanischen Abkommens zu Syrien erörtert.

Der Kreml-Chef gab seinerseits zu verstehen, dass Netanjahus Besuch spontan organisiert werden musste, weil die Situation im Nahen Osten „die unmittelbare Einmischung“ der ersten Staatspersonen verlange.

„Es ist sehr gut, dass wir einen sehr effizienten Kooperationsmechanismus haben und dass wir uns so schnell treffen konnten“, betonte Putin.

Experten vermuten indes, dass der Mossad über Angaben verfügt, die für den russischen Staatschef sehr wichtig sein könnten (beispielsweise über Terroristen, die Anschläge in Russland vorbereiten könnten, usw.). „Möglicherweise wird Netanjahu der russischen Führung einige Angaben seiner Geheimdienste bereitstellen, um ihn zu überzeugen, dass der Iran unter Druck gesetzt werden sollte“, sagte der ehemalige Generaldirektor des Ministeriums für strategische Angelegenheiten, Yossi Kuperwasser.

Allerdings werden solche Deals immer hinter geschlossenen Türen vorbereitet.

 

Quelle: Sputnik

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