Der Westen spricht immer wieder über den notwendigen Schutz der baltischen Staaten vor der „russischen Aggression“, über die Nato-Strategie „der Verteidigung und der Abschreckung“, über die Stärkung der Ostgrenze der Allianz – alles sehr ernst klingende Ausdrücke. Die Nato-Bewaffnung der osteuropäischen Armeen zeigt aber ein anderes Bild.

Die kriegerische Rhetorik der Allianz und die Versprechen, die Ostgrenze des Bündnisses mit modernster Technik auszustatten, müssten nach der reinen Logik den baltischen Nato-Mitgliedern die modernsten Waffensysteme garantieren, um ihren Widerstand gegen die „russische Gefahr“ fortsetzen zu können.

Doch hinter den markigen Worten der Allianz stehen kaum echte Taten. So haben die baltischen Staaten, die nach der Nato-Lesart die Speerspitze im Kampf gegen Russland darstellen sollen, kaum eigene Seestreitkräfte, obwohl die Ostsee immer wieder zu wichtigen Nato-Gebieten erklärt wird.

Dabei ist es nicht nur die verschwindend geringe Zahl der Schiffe, die im Vergleich zur russischen Ostsee-Marine eher an einen Moskito-Schwarm erinnern als an eine Flotte, sondern auch die Qualität dieser Schiffe, die im krassen Widerspruch zu der martialischen Rhetorik steht. Die meisten baltischen Kriegsschiffe sind abgeschriebene Boote anderer Nato-Staaten wie etwa Großbritanniens, der Niederlande, Norwegens usw.

Die baltischen Flotten in ihrer Quantität…

So besitzt die lettische Flotte, die zu der stärksten aller drei baltischen Länder gezählt wird, insgesamt gerade mal 18 Schiffe aus den 1980er Jahren, die aus einem gemeinsamen Rüstungsprojekt Frankreichs, Belgiens und der Niederlande vor 40 Jahren stammen.

Die Seestreitkräfte Litauens haben gerade mal zwölf Kriegsschiffe, wobei einige dieser Schiffe keine aktive Bewaffnung tragen, sondern lediglich Minenabwehrschiffe, die nur dazu da sind, Minen zu räumen, oder Versorgungsschiffe sind.

Estlands Marine besitzt gerade mal sechs Schiffe, die jedoch nach Möglichkeit die Nato-Partner zu unterstützen versuchen. So nahm im Februar dieses Jahres tatsächlich Estlands 58 Jahre altes Versorgungsschiff A433 Wambola – ehemals das deutsche Minenräumschiff Cuxhaven – an einem Nato-Manöver in der Ostsee teil. Und ja, es diente keineswegs dazu, ein schwimmendes Museum zu spielen, sondern um die Minen des Manöver-Gegners im vorgesehenen Seemeilenquadrat zu beseitigen.

Wie bereits gesagt, eine aktive Bewaffnung wie etwa entwickelte gelenkte Raketensysteme (die technische Tendenz des 21. Jahrhunderts bei den Seestreitkräften der meisten Länder) haben diese Schiffe nicht.

Trotz der geringen Größe werden die Marinen der baltischen Staaten regelmäßig von großen Skandalen erschüttert. So wurde im Herbst des letzten Jahres auf dem estnischen Minenräumschiff „Sakala“  eine bemerkenswerte Menge an Schmuggelware entdeckt: 56 Kisten Zigaretten, etwa tausend Liter harten Alkohols sowie 300 Liter Wein. Als Reaktion darauf ist der estnische Marinekommandant Sten Stepper zurückgetreten.

…und ihrer Qualität

Betrachtet man die einzelnen Schiffsklassen der baltischen Flotten, zeichnet sich ebenfalls ab, dass die Nato den osteuropäischen Freunden eher Ramschware angedreht hatte. So besitzen die meisten Schiffe kaum aktive Bewaffnung und schon gar keine modernen Raketensysteme.

Die Minenerkennungssysteme  der meisten Schiffe werden von Hand bedient und müssen von Tauchern direkt im Wasser eingesetzt werden. Ob solche Systeme tatsächlich ein würdiges Geschenk für die Nato-Partner sind und deren Verteidigung tatsächlich erheblich stärken wird, kann gewiss angezweifelt werden.

Die meisten Schiffe wurden zudem in ihren Heimatländern längst abgeschrieben und an die Balten im wahrsten Sinne des Wortes als „Secondhand“ verkauft – ganz richtig, nicht übergeben oder geschenkt sondern tatsächlich noch verkauft.

So sind gleich mehrere ehemals norwegische Schiffe der „Storm“-Klasse, die bereits in den 1960er Jahren gebaut wurden, um das Jahr 2000 wegen ihres Alters in Norwegen abgeschrieben und an die baltischen Flotten vertickt worden. Nachdem die Norweger ihre 19 „Storms“ abgeschrieben haben, sind so mindestens sieben dieser Raritäten im Baltikum gelandet.

Interessant ist hier übrigens, dass die „Storms“ in der norwegischen Variante an Bord die lenkbaren Anti-Schiff-Raketen „Pinguin“ mit einer Reichweite von 20 Kilometern hatten. Die Balten haben die Schiffe allerdings völlig ohne die Raketensysteme erhalten.

All diese Befunde würden in anderen Zusammenhängen nicht überraschen – schließlich handelt es sich bei den baltischen Staaten nun wirklich nicht um geopolitische Spieler oder militarisierte Gesellschaften, die vor Waffen zum Zweck der Selbstdarstellung trotzen würden.

Bedenkt man aber, mit welcher Häufigkeit  die Nato von der grandiosen Aufrüstung der baltischen „Speerspitze“ der Nato gegen den russischen übermächtigen Gegner diskutiert, würde man eine viel greifbarere Modernisierung der baltischen Armeen erwarten. Die „Secondhand“-Lieferungen aus den abgeschriebenen Beständen der Nato zeigen aber die wahre Einstellung Brüssels zu den baltischen Verbündeten und den Wert, den man bei der Nato auf diese Länder legt.

 

Quelle: Sputnik

 

 

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