Der indische Premier Narendra Modi wird am BRICS-Gipfel in China teilnehmen. Damit hat er das Treffen vor dem Scheitern gerettet. China ist seinerseits auf einen gegenseitigen Rückzug der Truppen aus dem umstrittenen Grenzabschnitt eingegangen.

Allerdings sind die geopolitischen Widersprüche beider Länder nicht beseitigt worden, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

China bereitet den BRICS-Gipfel, der am 3. September in Xiamen starten soll, seit mehreren Monaten vor. Die Ankunft der Anführer Russlands, Indiens, Brasiliens und Südafrikas in China soll die globale Rolle Chinas hervorheben. Der Konflikt zwischen Indien und China wegen eines umstrittenen Grenzabschnitts im Himalaya dauerte seit mehr als zwei Monate an und drohte zu eskalieren. In diesem Fall wäre die Idee von BRICS als Gruppe der größten Schwellenländer, die die endlose Herrschaft des Westens in der Weltwirtschaft beenden wollen, kompromittiert.

Doch zum Glück ist dazu nicht gekommen. Indien und China haben vereinbart, die Auseinandersetzungen zu beseitigen. Modi reist zum Gipfel. Wie allerdings die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtete, ist die Konkurrenz zwischen beiden Mächten nicht verschwunden. Es stellt sich die Frage, ob eine ernsthafte Kooperation zwischen den BRICS-Ländern überhaupt möglich ist?

„Die Militärs beider Länder agieren auf denselben Gebieten entlang ihren Grenzen, im Indischen Ozean und im westlichen Teil des Pazifischen Ozeans. Selbst außerhalb der Region kämpfen sie in Afrika und Lateinamerika um die Führungsrolle unter den Schwellenländern“, sagte der indische Experte Sreeram Chaulia. „Ob das zugegeben wird oder nicht, die Konkurrenz ist zu erkennen. Beide Staaten wollen zu Supermächten aufsteigen“, so der Experte.

Neu Delhi und Peking präsentieren unterschiedliche Versionen der Regelung der Grenzfrage. Indiens Außenministerium berichtete, dass die Soldaten den Ort der Auseinandersetzungen verlassen. Die chinesische Seite sagte nichts über die Zugeständnisse Chinas bzw. dass die chinesischen und indischen Soldaten dieses Gebiet weiterhin patrouillieren werden.

„Es ist klar, dass sich China als Sieger im Konflikt zeigen will, den Indien begann und sich jetzt unter Druck Chinas zurückziehen muss“, sagte die indische Expertin Sriparna Pathak.

Kurz vor Beginn des Gipfels versuchte China, die Zahl der Teilnehmer des Klubs zu erweitern und die «BRICS Plus» zu gründen. Doch wie die Zeitung „Times of India“ berichtete, wehrten sich Indien und andere BRICS-Mitgliedsstaaten dagegen.

Laut dem Fernostexperten Alexander Larin wird China anscheinend die Erfüllung der Aufgaben erreichen, die es anstrebt. Es könne nur kleine Zugeständnisse machen. Das Wichtigste sei für Peking, Indien bezüglich der Frage der Verlegung des Wirtschaftskorridors zum Indischen Ozean zu beruhigen. Der Korridor verläuft über Pakistan, darunter einen Teil Kaschmirs, der von Pakistan kontrolliert wird. Doch Indien bezeichnet ganz Kaschmir als eigenes Gebiet.

Dem Experten zufolge wird China den Korridor jedenfalls verlegen. Peking habe bereits ähnliche Erfahrungen gemacht, beispielsweise mit den Inseln im Südchinesischen Meer. Anscheinend würde China versuchen, die Einwände Indiens aus dem Weg zu schaffen und verschiedene gewinnbringende Deals vorschlagen, so Larin.

Die Zukunft von BRICS wird jedoch nicht nur von indisch-chinesischen Auseinandersetzungen erschwert. Jedes Mitglied hat eigene wirtschaftliche und außenpolitische Interessen. Das Wirtschaftsvolumen Chinas ist größer als bei den anderen BRICS-Mitgliedsstaaten zusammen. Im Unterschied zu anderen internationalen Bündnissen wie der ASEAN oder der EU, haben die BRICS-Mitglieder kein gemeinsames historisches bzw. kulturelles Erbe und das Niveau der Wirtschaftsintegration sei niedrig, wie die Zeitung „South China Morning Post“ schreibt.

 

Quelle: Sputnik