Der Moskauer Politologe Michail Sinelnikow-Orischak hat in einem Interview mit Sputnik US-Senatoren, die bereits in den 80er Jahren in die Politik eingestiegen waren, für die jüngsten Durchsuchungen in russischen diplomatischen Vertretungen verantwortlich gemacht.

Am Samstag hatten US-Geheimdienste die Gebäude des russischen Generalkonsulats in San Francisco und der Handelsvertretung in Washington durchsucht. Zuvor hatte das US-Außenministerium Russland aufgefordert, sein Generalkonsulat in San Francisco sowie eine Vertretung in Washington DC und eine konsularische Abteilung in New York City bis zum 2. September zu schließen. Diese Entscheidung sei eine Reaktion auf die Ausweisung von 700 US-Diplomaten aus Russland Ende Juli gewesen. In einer Pressemitteilung war dieser Schritt der russischen Regierung als „unangebrachte und für die Beziehungen schädliche» Aktion bezeichnet worden.

Dem Amerika-Experten zufolge sind die demonstrativen US-Angriffe auf Russland auf die krankhafte Reaktion der politischen Elite der Vereinigten Staaten auf die Niederlage von Hillary Clinton bei den Präsidentschaftswahlen 2016 zurückzuführen. Zumal Clinton dem „systemfremden» Trump unterlegen gewesen sei.

„Alle diese Kräfte, die ganze Richtung, sie beschlossen jetzt, einen Außenfaktor zum Grund ihrer Misserfolge zu machen. Denn die Außenpolitik in den USA wird von niemandem kontrolliert», so Sinelnikow-Orischak. Die US-Amerikaner würden sich ihre internen Probleme sehr zu Herzen nehmen und fast keine Aufmerksamkeit den Ereignissen des „Außenbereiches» schenken. In diesem Außenbereich dürfe man schalten und walten, wie man wolle, und brauche keine Verantwortung dafür innerhalb des Landes zu tragen, betonte der Politologe. Die Bevölkerung werde die Politiker in dieser Hinsicht nie zur Rechenschaft ziehen.

„Deshalb ist es sehr günstig, alle Probleme, die es tatsächlich gibt, auf einen Außenfaktor zu schieben», sagte er. Es sei aber gerade Russland, und nicht der Iran oder Nordkorea, das in diese Rolle des Feindes am besten passe, denn „ein alter Feind sei besser, als zwei neue».

Außerdem sei es auch der persönliche Faktor, der die Verbesserung der US-russischen Beziehungen verhindere, sagte der Politologe. Viele US-Senatoren seien „bereits in den 80er Jahren gekommen», betonte er und verglich diese Senatoren mit den hochrangigen sowjetischen Politikern der Breschnew-Ära. Solche Politiker würden auch heute ihre Entscheidungen entsprechend der Logik der Vergangenheit treffen, ist sich der Politologe sicher.

„Bei uns wurde das einmal,Kreml-Gerontokratie’ oder,Kreml-Greise’ genannt. Heutzutage sitzen genau solche Greise bei ihnen — in jeder Hinsicht. Es ist ein Fehler, damit zu rechnen, dass so ein Onkel Trump kommt und imstande ist, diese Trägheit zu bewegen», sagte Sinelnikow-Orischak abschließend. „Trump möchte das vielleicht tun — wird das jedoch kaum schaffen».

 

Quelle: Sputnik