Papst Franziskus beginnt am Mittwoch einen fünftägigen Besuch in Kolumbien, bei dem der Prozess der Aussöhnung zwischen Regierung und Rebellen im Mittelpunkt stehen soll. Im November 2016 hatte Bogotá nach einem halben Jahrhundert ein historisches Friedensabkommen mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc), der größten Guerillagruppe des Landes, geschlossen. Und am Montag, kurz vor dem Besuch des Papstes, einigte sich die letzte aktive Rebellengruppe mit der Regierung auf eine Waffenruhe.

Der bevorstehende Besuch des Papstes scheint die Friedensgespräche zwischen der Regierung und der ELN-Guerilla beschleunigt zu haben. Bei ihren Verhandlungen in Ecuador hatten sie sich das Ziel gesetzt, vor Franziskus‘ Eintreffen eine Waffenruhe zu vereinbaren. Sie soll nun am 1. Oktober in Kraft treten.

Das Nationale Befreiungsheer (ELN) bekämpft die Regierung seit 1964, als auch die marxistischen Farc-Rebellen den Kampf gegen Großgrundbesitzer und für mehr soziale Gerechtigkeit aufnahmen. Heute zählt die ELN-Guerilla noch rund 1.500 Kämpfer.

Die Entwaffnung der Farc-Rebellen ist nach UN-Angaben bereits abgeschlossen. Die Gruppe konstituierte sich am Freitag als politische Partei namens „Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes“, abgekürzt ebenfalls Farc.

Mehr als 260.000 Tote – Ehemaliger Staatschef: Amnestiegesetz für Farc-Rebellen ist ein „Verrat“

Im Konflikt zwischen der Armee, ultrarechten Paramilitärs sowie der Farc-Guerilla und anderen linken Rebellen wurden mehr als 260.000 Menschen getötet. Mehr als 60.000 Menschen gelten als vermisst, etwa sieben Millionen Menschen ergriffen vor den Kämpfen die Flucht.

Das Friedensabkommen zwischen den Farc-Rebellen und der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos stößt in dem vom ehemaligen Staatschef Álvaro Uribe angeführten rechten Lager auf erheblichen Widerstand. Die Gegner des Abkommens finden, dass die Guerilla darin zu glimpflich wegkommt. Das vom kolumbianischen Parlament im Dezember verabschiedete Amnestiegesetz für die Farc-Rebellen werten sie als „Verrat“.

Papst soll zwischen Santos und Uribe vermitteln

Der Papst versucht, im bitteren Streit um Straferlass und Entschädigung für die Opfer zwischen Santos und Uribe zu vermitteln – bislang ergebnislos. Der Besuch des 80-jährigen Argentiniers steht unter dem Motto: „Lasst uns den ersten Schritt gehen“.

Das bedeute, „das Leid der anderen anerkennen und denen vergeben, die uns verletzt haben“, sagt der kolumbianische Militärbischof Fabio Suescún, Leiter des mit der Papstreise betrauten Organisationskomitees.

Frieden nur möglich, wenn „soziale Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Unterdrückung“ abgeschafft sind

Der kolumbianische Kurienerzbischof José Octavio Ruiz, Mitglied der päpstlichen Delegation, wies darauf hin, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche in ein „sehr polarisiertes Land“ komme.

Er wisse aber auch, „dass alle Kolumbianer nach Frieden im Geist von Einheit und Gerechtigkeit dürsten“. Ein solcher Frieden sei „nur möglich, wenn die Gründe für soziale Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Unterdrückung angegangen“ würden.

Ablauf des Besuchs

Franziskus‘ „Hauptquartier“ wird die Apostolische Nuntiatur in Bogotá sein. Von dort aus wird er mit dem Flugzeug in die Städte Villavicencio, Medellín und Cartagena reisen.

In der Hauptstadt Bogotá sind Treffen mit Präsident Santos sowie auch mit führenden Vertretern der katholischen Kirche Venezuelas zur Krise in ihrem Land vorgesehen. In Villavicencio will der Papst zwei im kolumbianischen Gewaltkonflikt getötete katholische Priester selig sprechen.

Den Abschluss der Reise bildet die Stadt Cartagena. Dort wird Franziskus in der Kirche des als Sklaven-Seelsorgers bekannten Jesuitenpaters Pedro Claver beten. In allen vier Städten wird der Papst außerdem eine Messe feiern. Die Veranstalter erwarten Millionen Gläubige bei den verschiedenen Ereignissen, darunter zahlreiche Touristen.

 

Quelle: Epochtimes

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