Trotz ungünstiger Wetterverhältnisse ist der Getreideexport aus Russland nach Angaben des Zollamtes zu Herbstbeginn um 28 Prozent auf fast sieben Millionen Tonnen gestiegen. Das schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Donnerstag.

Solche hohe Kennzahlen des Getreideverkaufs ermöglichen „SowEkon“, der Nationale Verband der Getreidehersteller und analytisches Zentrum des Agrarmarktes Russlands, die Prognosen für den Jahresexport auf 40 bis 44 Millionen Tonnen zu erhöhen. Insgesamt können die Landwirte sieben bis acht Milliarden US-Dollar verdienen, darunter dank Geschäften mit China, dessen Getreidemarkt bislang als geschlossen galt.

Zu positiven Aspekten dieser Saison gehört die erweiterte Geografie des Verkaufs dank der Länder Asiens sowie Rekordexporte von Gerste und Mais. Befürchtungen der Experten beziehen sich auf die Infrastruktur, die für solche Exportmengen nicht ausreichend groß ist.

Nach offiziellen statistischen Angaben verkaufte Russland zum 1. September auf dem Außenhandelsmarkt 6,9 Millionen Tonnen Getreide, was um 28 Prozent mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres ist. Der Export von Weizen liegt seit Beginn der Saison bei fünf Millionen Tonnen, was um 11,3 Prozent mehr als im Vorjahr ist. Auffallend ist, dass der Export von Gerste sich fast verdoppelte und der von Mais fast um das Zwölffache stieg.

„Die Qualität des russischen Weizens ist ziemlich hoch“, sagte Andrej Sisow, Direktor von „SowEkon“. „Sie ist im Durchschnitt höher als beim französischen bzw. ukrainischen Weizen. Unsere Exportprognose liegt bei 44 Millionen Tonnen, also etwa sieben bis acht Milliarden US-Dollar.“

Der Verband der Getreidehersteller schätzt die Aussichten für 2017 konservativ, also zurückhaltend ein und spricht von 40 bis 44 Millionen Tonnen. Dieselbe Prognose wurde Ende August vom Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow gemacht. Er rechnet ebenfalls damit, dass Russland zum globalen Spitzenreiter beim Verkauf von Weizen wird. 2016 bis 2017 verkaufte Russland 35,5 Millionen Tonnen Getreide aus der Rekord-Ernte von 117 Millionen Tonnen.

Im Prinzip ließe sich bei einem solchen Angebot (150 Millionen Tonnen plus Vorräte) auch mehr exportieren, doch die Infrastruktur würde das nicht ermöglichen, so Sisow. Die Häfen, Eisenbahnen, Autoverkehr seien überfüllt. Laut Wjatscheslaw Golow, Generaldirektor vom Verband der Getreidehersteller, stauen sich bereits jetzt in den Hafensilos die Lieferungen.

Experten zufolge würde die Erweiterung der Verkaufsinfrastruktur den Export deutlich vereinfachen. Die Asien-Pazifik-Region – ein aussichtsreicher Vertriebsmarkt – ist bis heute kaum erschlossen.

Golow bezeichnete den Zugang zu neuen Märkten als „äußerst wichtig“. „Wir schätzen sehr positiv China, Japan und Indonesien, die Länder Südostasiens im Ganzen als solche Märkte ein. Zudem ist Europa am Erwerb der organisch reinen Produkte interessiert.“ China habe nicht viele fruchtbare Böden, so der Landwirtschaftsexperte Anatoli Tichonow. Deshalb werde es als aktiver Importeur betrachtet, der den Ankauf ständig erhöhen wird.

Der Experte schätzte ein: „Die ganze Agrarindustrie der Länder der Asien-Pazifik-Region – Broiler, billiges Geflügelfleisch – braucht viel Getreide. Wir werden um diese Region kämpfen, historisch dominieren dort andere Getreideexporteure, doch wir dringen aktiv dorthin ein.“

 

Quelle: Sputnik