Mehr als 5000 Menschen bilden entlang der US-Airbase Ramstein nahe Kaiserslautern eine Menschenkette. Sie protestieren gegen tödliche Drohnenangriffe, sie haben genug vom Kuschelkurs der Bundesregierung gegenüber den USA und sie wollen vor allem eins: endlich Frieden. Doch in den deutschen Medien ist davon kaum oder gar nichts zu sehen…

Wenn in irgend einem oberbergischen Dorf ein Karnevalszug mit tausenden Menschen durch die Gassen schaukelt, ist der WDR mit mindestens einem Kamerateam vor Ort. Wenn im Rheinland rund 3000 Leute für den Klimaschutz demonstrieren, ist dies n-tv eine Meldung wert. Und wenn Pegida ebenso viele Menschen in der Dresdner Innenstadt versammelt, erfährt man das meist sofort in Funk und Fernsehen. Doch warum wird geschwiegen, wenn über 5000 Demonstranten eine Menschenkette vor der US-Militärbasis Ramstein bilden?

Einzig dem SWR war es als Vertreter der deutschen Leitmedien eine Randnotiz wert. Doch Kamerateams anderer großer Sendeanstalten suchte man am vergangenen Samstag bei der Veranstaltung nahe Kaiserslautern vergeblich. Dabei war die Aktion durchaus erfolgreich. Organisiert wurde sie von der Initiative Stopp Air Base Ramstein, unterstützt von zahlreichen freiwilligen Helfern, Künstlern und politischen Aktivisten.

Einer davon ist der Journalist Ken Jebsen. Er ist einer von mehreren Rednern zum Auftakt der Menschenkette am frühen Samstagnachmittag. Auch er kritisiert an diesem Tag die offensichtliche Abwesenheit von ARD, ZDF und co:

„Intoleranz ist der größte Feind des Friedens. Doch Intoleranz wird hergestellt über Massenmedien, finanziert durch die GEZ und niemand von ihnen ist jetzt hier, oder?“

Ebenso wenig mediale Aufmerksamkeit wie die Menschenkette bekommt am selben Tag das abends stattfindende Friedensfestival, das den Protesttag in Kaiserslautern abrunden soll. Trotz prominenter Künstler und Gastredner sind Journalisten dort kaum zu sehen. Einer der Besucher ist Klaus Hartmann, Vorsitzender des Deutschen Freidenker Verbandes. Seine Kritik:

„Die Medien in Deutschland lassen keinen Zweifel daran, dass es notwendig sei, die feste Verankerung Deutschlands in der NATO als Unterpfand von Frieden und Demokratie in den Himmel zu heben.“

Angesichts von Umfragen, wonach ein Großteil der Bevölkerung aber US-Atomwaffen auf deutschem Boden ablehnen und auch ein friedliches Verhältnis zu Russland begrüßen würden, sei dies der falsche Weg, so Hartmann.

Dem stimmt auch der Linke-Politiker und Musikproduzent Diether Dehm zu. Er hat auf dem Festival in Kaiserslautern einen kleinen Auftritt, das Engagement für den Frieden und gegen die US-Airbase ist ihm ebenfalls wichtig:

„Die Wut ist groß, dass hier in Ramstein solch ein großes Drohnenzentrum geduldet wird, solch ein Spionagezentrum, dessen schreckliche Auswirkungen sogar indirekt mit dem Konflikt in Nordkorea zu tun haben.“

Allein deshalb müsse die Friedensbewegung nach Dehms Meinung wieder aktiver werden, denn sie habe zu lange geruht. Skeptisch ist der Bundestagsabgeordnete auch, ob sich Martin Schulz tatsächlich im Falle eines Wahlsieges für den Abzug der in Deutschland gelagerten US-Atomwaffen stark machen würde. Denn dies hätten schon viele Sozialdemokraten versprochen und nicht geschafft.

Prominente Unterstützung für die Stopp Ramstein Aktivisten gibt es am Samstagabend dann noch per Videobotschaft von Kabarettist und Schauspieler Dieter Hallervorden. Er wendet seine mahnenden Worte vor allem an Journalisten und Reporter, die aus Hallervordens Sicht reflektierter sein müssten:

„Stellt bitte in Zukunft unbequeme Fragen! Zum Beispiel: Warum duldet die Bundesregierung die völkerrechtswidrigen und verfassungswidrigen Aktivitäten der USA auf deutschem Boden?“

Auch sollten Journalisten laut fragen, warum die Bundesregierung nicht das Stationierungsabkommen mit den USA kündige, wo doch bekannt sei, dass über die Satellitenrelaisstation in Ramstein tausende Menschen außergerichtlich getötet würden.

Während das anwesende Publikum Dieter Hallervordens Botschaft mit großem Applaus feiert, werden die Worte des Kabarettisten an diesem Abend aber wohl nicht bei den besagten Journalisten auf Gehör stoßen. Denn diese glänzen mit Abwesenheit.

Und als gegen Ende des Friedensfestivals die Sängerin Leslie Clio die Bühne betritt und ihren Song „I couldn’t care less“ (es könnte mich nicht weniger kümmern) singt, hinterlässt dies einen etwas bitteren Nachgeschmack. Denn zu wichtig ist das militärische Treiben der USA auf deutschem Boden, als dass es die Medien ignorieren sollten. Vielleicht erscheinen im kommenden Jahr mehr Journalisten, denn dann wollen erneut viele tausend Aktivisten mit einer Menschenkette ein Zeichen setzen – und wahrscheinlich werden es dann sogar noch mehr sein.

 

Quelle: Sputnik