Die Aufregung ist groß. Zuerst retuschierte Lidl auf Produktverpackungen Kreuze auf den Kirchender griechischen Insel Santorini weg und erntete dafür Unmut bei seinen Kunden. Jetzt soll auch der Internetgigant Google bei seinem Dienst Google Earth Kreuze von Kirchtürmen entfernt haben. Zumindest behaupten das mehrere Blogartikel und zahlreiche Einträge auf Twitter und Facebook.

„Sogar die Kreuze auf der Peterskirche und dem Petersplatz in Rom / Vatikan wurden bei Google Earth wegretuschiert!“, schreibt ein empörter Nutzer stellvertretend für mehrere Hundert. Ein anderer: „Werden auch Halbmonde auf Moscheen wegzensiert?“

Kreuze fehlen – aber auch Statuen und Mondsichel

Tatsächlich: Wer mithilfe der Software Google Earth, eines virtuellen Globusses, die Welt erkundet, erblickt dabei keine Kreuze auf Kirchen wie etwa der Martinskirche in Landshut ­– immerhin mit dem höchsten Backsteinturm der Welt. Auch auf dem doppeltürmigen Speyerer Dom sind keine Kreuze zu sehen.

Bewegt man die Anzeige weg von den Kirchen und hin zu Statuen auf Gebäuden, Bäumen, Mondsicheln auf Moscheen und andere kleinere Gegenstände, fällt auf, daß auch sie gar nicht oder stark vereinfacht dargestellt werden. Ein Sprecher von Google sagte auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT: „Es handelt sich um einen Bildverarbeitungsfehler. Wir arbeiten derzeit daran, das Problem zu beheben.“

Technisch nicht soweit

Konkret geht es um die Art und Weise, wie Google Earth aufgebaut ist. Denn der Globus wird nicht aus allen Perspektiven abfotografiert, sondern lediglich von oben. Damit die Weltkarte dann nicht zweidimensional, sondern in 3D abrufbar ist, baut eine Software aus den von oben aufgenommenen Fotos dreidimensionale Modelle auf.

Anhand des „maschinellen Sehens“ von Kameras in unterschiedlicher Höhe wird eine Tiefenkarte erstellt und so ein 3D-Modell angefertigt. „Das ist fast so, als würde man Papier zurechtschneiden. Man kann die Ränder eines Gegenstandes extrahieren und sie danach zusammenfügen. So wird dann klar, welche Form das sein könnte“, erklärt ein Google-Programmierer. Ein Bild auf Google Earth besteht ihm zufolge aus mehreren zehn Millionen Fotos.

Lidl kündigte mittlerweile an, die Verpackungen mit den fehlenden Kreuzen „schnellstmöglich“ zu ändern. Im Falle Google Earths wird das wohl noch einige Zeit dauern. Denn nicht immer stecken menschliche Absichten hinter vermeintlich politisch korrekten Gesten. Manchmal ist einfach die Technik noch nicht so weit.

 

Quelle: Junge Freiheit