Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat am Sonntag Dschidda besucht, wo er mit seinem saudischen Kollegen gesprochen hat und von König Salman bin Abdulaziz Al Saud empfangen worden ist.

Im Oktober wird der saudische König in Moskau erwartet – das wird der erste solche Besuch seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und dem Königreich sein, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

Gerüchte über eine bevorstehende Reise des saudischen Königs nach Moskau kursierten immer wieder bereits seit 1991, als Russland und Saudi-Arabien die diplomatischen Beziehungen aufgenommen hatten. Vor wenigen Tagen teilte der Berater des Präsidenten Juri Uschakow mit, dass der König im Oktober zu erwarten ist. Eine Quelle in der russischen Delegation sagt zwar, dass der genaue Termin noch nicht abgestimmt ist, jedoch rechnen beide Seiten damit, dass der Gipfel die Beziehungen auf ein neues Level bringen wird. Der Besuch Lawrows in Dschidda soll in dieser Hinsicht als Vorbereitung dienen.

Die Wichtigkeit des Treffens war bei der Pressekonferenz nach den Verhandlungen zu spüren. Sowohl Lawrow, als auch sein saudischer Kollege, Adel bin Ahmed Al-Jubeir, vermieden umstrittene Themen und wollten selbst bei Fragen Einigkeit demonstrieren, bei denen die Positionen beider Länder tatsächlich auseinandergehen. Beispielsweise in Bezug auf den Syrien-Konflikt. Heute erinnert kaum mehr etwas an den harten Widerstand Russlands und Saudi-Arabiens 2015, als russische Fliegerkräfte die Operation in Syrien erst begonnen hatten und die saudischen Behörden ihnen die Einmischung in den Syrien-Krieg auf der Seite Baschar Assads vorgeworfen hatten. Allerdings beharrt Riad weiterhin auf dem Regimewechsel in Damaskus, fordert jedoch nicht Assads unverzüglichen Rücktritt.

Lawrow berichtete, dass er und sein saudischer Kollege sich darin einig sind, dass die Schaffung der Deeskalationszonen ein wichtiger Schritt sei, der die Festigung des Waffenstillstandes, eine effektivere Lösung der humanitären Probleme der friedlichen Bevölkerung und die Schaffung von Bedingungen für die Fortsetzung des politischen Prozesses ermöglichen wird. Er hob ebenfalls hervor, dass Russland die Anstrengungen Saudi-Arabiens zur Vereinigung von drei Plattformen der syrischen Opposition – Riad, Kairo und Moskau – im Rahmen einer gemeinsamen Delegation unterstützt. Lawrow zufolge geben Moskau und Riad zu, dass die Grundlage der Regelung die im UN-Sicherheitsrat und bei Verhandlungen in Genf erreichten Vereinbarungen sein sollen, obwohl die Positionen der Länder in Bezug auf die Methoden ihrer Umsetzung manchmal auch auseinandergehen. Adel bin Ahmed Al-Jubeir drückte Solidarität mit dem russischen Kollegen aus und sagte, dass Saudi-Arabien und Russland das Völkerrecht, das Prinzip der Souveränität und die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten respektieren.

Die Minister versuchten, die vorhandenen Kontroversen in Bezug auf die Krise im Persischen Golf, um Katar, nicht in den Vordergrund zu schieben. Lawrow sagte erneut, dass die Widersprüche nur durch Verhandlungen und Kompromisse beseitigt werden können. Doch al-Jubeir erinnerte erneut an das vor Katar gestellt Ultimatum.

In Bezug auf die Aktivierung der Anstrengungen zur Lösung des arabisch-israelischen Konflikts sprachen beide Minister im Einklang. „Die Situation ist verfahren. Es ist eine Sackgasse zu erkennen, aus der bislang kein Ausweg gefunden wird, obwohl Versuche unternommen werden.“. Dabei nannte er den arabisch-israelischen Konflikt als einen der weltweit ältesten.

„Ich teile die Meinung, dass seine Ungelöstheit und das Fehlen eines palästinensischen Staates im Laufe von fast 70 Jahren nach dem Treffen eines entsprechenden Beschlusses einer der Gründe ist, warum Extremisten es schaffen, Jugendliche anzuwerben unter dem Vorwand der Diskriminierung des palästinensischen Volkes und der Unfähigkeit der Weltgemeinschaft, den Beschluss der UN-Vollversammlung zur Schaffung eines palästinensischen Staates neben dem Staat Israel umzusetzen, damit die beiden Staaten in Frieden, Einigung und Sicherheit existieren“, sagte Lawrow. Der saudische Diplomat äußerte sich ähnlich zu diesem Thema.

Lawrow zufolge verliefen die Gespräche traditionell freundschaftlich und inhaltsvoll. Die Beziehungen dehnen sich auf immer neue Bereiche aus. „Wir sind am Ausbau eines regelmäßigen politischen Dialogs auf allen Ebenen interessiert, vereinbarten die Aktivierung eines kulturellen und humanitären Austausches und verständigten uns darauf, Bemühungen zur Vereinfachung der Visaregeln für Geschäftsleute zu unternehmen“, so Lawrow.

 

Quelle: Sputnik