Russland und die Türkei haben den größten Waffendeal in der Geschichte der bilateralen Beziehungen abgewickelt. Das schreibt die Zeitung «Kommersant» am Mittwoch. Es geht um die Lieferung von russischen Raketenabwehrsystemen S-400 „Triumph“ an Ankara.

„Unsere Freunde haben bereits ein Abkommen unterzeichnet und es wurde schon, soweit ich weiß, sogar die erste Rate bezahlt“, zitierte die Zeitung „Hürriyet“ den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Weiterhin rechnet Ankara nach seinen Worten mit einem Kredit seitens Moskaus. Das bestätigte Wladimir Koschin, der für die militärtechnische Kooperation Russlands zuständige Assistent des Präsidenten Wladimir Putin.

Es handelt sich um den ersten großen russisch-türkische Waffenvertrag seit 2008. Damals hatte Ankara 80 Startanlagen für Anti-Panzer-Raketenkomplexe „Kornet-3“ gekauft. Der nächste Deal hätte 2013 zustande kommen können, als die Türkei an Luftabwehrsystemen interessiert war und bereit war, vier Milliarden Dollar dafür zu zahlen.
Diese Ausschreibung gewann jedoch der chinesische Konzern CPMIEC, der nicht nur eine Preissenkung für seine HQ-9-Raketen auf 3,44 Milliarden Dollar, sondern auch die Übergabe seiner Technologien an die Türkei akzeptierte. Der endgültige Vertrag wurde jedoch nie abgeschlossen. Diesen Misserfolg wurde in Moskau auf gewisse politische Motive zurückgeführt.

Die militärtechnische Kooperation mit der Türkei erfolgte auf dem Niveau von Abkommen zur Wartung der noch in den 1990er-Jahren gelieferten Technik, darunter von Schützenpanzerwagen BTR-80 und Hubschraubern Mi-17. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets Su-24M durch die türkische Luftwaffe im November 2015 wurde das militärtechnische Zusammenwirken aber unterbrochen, um erst Ende 2016 wiederaufgenommen zu werden.
Militärdiplomatische Quellen führen den Abschluss des S-400-Vertrags auf die entsprechenden Vereinbarungen der Präsidenten Putin und Erdogan zurück. Ihnen zufolge geht darauf der Vertrag für die Lieferung von vier S-400-Einheiten für mehr als zwei Milliarden Dollar zurück.

Der Föderale Dienst für militärtechnische Kooperation gab zu den Details des Deals mit den Türken keine Auskunft, betonte aber, dass die Lieferung von S-400 an Ankara „den geopolitischen Interessen Russlands entspricht“. Dieser Vertrag wurde zum größten Abschluss für Moskau nicht nur mit Ankara, sondern mit einem Nato-Land überhaupt.

Allerdings bleiben den von der Zeitung befragten Experten zufolge einige Fragen offen. Erstens erwähnt die türkische Seite in dem bereits unterzeichneten Kontrakt nicht, für den Waffenkauf einen Kredit erhalten zu haben. Dieser Aspekt muss also extra besprochen werden. Zweitens rechnen die Türken mit dem Bau von S-400-Raketen im eigenen Land. Das lassen sich jedoch die russischen Geheimdienste nicht gefallen. „Das betrifft unmittelbar unsere nationale Sicherheit“, sagte eine hochrangige Quelle, weil die Türkei immerhin Nato-Mitglied sei.

Dass die Reaktion Washingtons auf den russisch-türkischen Waffendeal negativ ist, war vorherzusehen. Das Pentagon teilte mit, die türkische Seite über seine „Besorgnis“ über deren Kauf von S-400-Raketen informiert zu haben. Zuvor hatte US-Verteidigungsminister James Mattis gewarnt, dass die russischen Raketen mit den Luftabwehrwaffen der Nato inkompatibel seien. Sein türkischer Amtskollege Fikri Isik erwiderte jedoch, in Ankara sehe man ein, „dass die S-400-Raketen in das Nato-Luftabwehrsystem nicht integriert werden können“. Aber die Allianz habe auch nie eine solche Forderung gestellt.

 

Quelle: Sputnik