Zu dem bevorstehenden Unabhängigkeitsreferendum in Irakisch-Kurdistan hat sich Aydin Selcen, ehemaliger Generalkonsul der Türkei in Erbil, in einem Interview mit Sputnik Türkiye geäußert.

Sollten die Kurden bei ihrem Referendum am 25. September die Unabhängigkeit verkünden, werde Israel als erstes Land diese Entscheidung anerkennen, weil es an Öl-Käufen in der Autonomen Region Kurdistan interessiert sei, so Selcen.

Zugleich betonte der Ex-Generalkonsul, dass es keine Einigung zwischen den führenden kurdischen politischen Parteien gebe.

„In der Region gibt es zwei einflussreiche politische Strukturen – die Demokratische Partei Kurdistans (PDK) mit Sitz in Erbil (Hauptstadt der Kurdischen regionalen Administration des Irak – Anm. d. Red.) und die Patriotische Union Kurdistans (PUK), deren zentrale Abteilung sich in Sulaimaniyya befindet. Sie hatten noch vor der Beschlussfassung über das Referendum versucht, Verhandlungen zu führen, die Tätigkeit des kurdischen Parlaments wieder aufzunehmen und aktuelle administrative Fragen zu erörtern. Aber das gelang nicht.“

Während sich der Referendumstermin herannahe, gebe es zwischen den führenden politischen Parteien immer noch keine Meinungseinheit zu Schlüsselfragen, so Selcen.

Der Diplomat räumte zugleich ein, dass es auch positive Faktoren vom Standpunkt der irakischen Kurden gebe. So habe die kurdische regionale Administration unter dem Vorwand einer US-Einmischung und des Kampfes gegen Daesh („Islamischer Staat“, IS) die Grenzen ihrer Territorien wesentlich erweitern können. Die irakische Autonomie besitze Bodenschätze und landwirtschaftlich nutzbare Territorien, ihre Bevölkerungszahl betrage etwa sechs Millionen. Außerdem würden die irakischen Kurden eine gewisse internationale Unterstützung genießen, allerdings nicht in der Frage der Unabhängigkeitsanerkennung, ergänzte Selcen.

 

Quelle: Sputnik