Heizöl und Dieselkraftstoff treiben den Ölpreis weltweit nach oben. Das berichtet die russische Zeitschrift „Expert“. Die Nachfrage nach diesen Öl-Produkten steigt schneller als erwartet – Fachleute sehen Anzeichen eines Defizits auf dem Markt.

Erst hat es in einer Ölraffinerie im Hafen von Rotterdam gebrannt: Die Heizöl- und Dieselproduktion stand mehrere Wochen still. Dann hat der Hurrikan Harvey gleich Dutzende US-Raffinerien lahmgelegt: Es kam zu Versorgungsengpässen im In- und Ausland.

Deshalb werde der Ölmarkt derzeit „nicht von der OPEC, sondern von anderen vier Buchstaben getrieben: ULSD“, betonte der Branchenanalyst Olivier Jakob von Petromatrix. ULSD steht für Dieselkraftstoff mit einem sehr geringen Schwefel-Anteil. Die unerwartet hohe Nachfrage und die Produktionsausfälle in den Raffinerien haben die weltweiten Diesel- und Heizölvorräte schrumpfen lassen – ein für die warme Jahreszeit seltener Fall, denn für gewöhnlich wachsen die Vorräte in den Monaten Juni bis September in Vorbereitung auf die Heizsaison.
Doch das ist noch nicht alles. Die für die Jahreszeit ungewöhnlich niedrigen Temperaturen können laut dem Blatt schon im ersten Quartal 2018 zu einem Defizit am Heizöl- und Dieselmarkt und damit einem weiteren Ölpreisanstieg führen.

Die Zahlen: Heizöl- und Dieselpreise sind in Europa erstmals seit 2015 über die Marke von 550 Dollar pro Tonne gesprungen – vor drei Monaten waren es noch rund 410 Dollar. Infolge sind Lieferverträge für die nächsten Monate teurer geworden als spätere Liefertermine: Ein klares Signal für ein knappes Marktangebot.
Dabei ist der Anstieg vor dem Hintergrund des Diesel-Skandals zu betrachten: Trotz der Aufrufe, Dieselmotoren zu verbieten, bleibt dieser Kraftstoff ein Schlüsselfaktor auf dem weltweiten Ölmarkt, wie die Zeitschrift schreibt.

„Die Nachfrage nach Diesel ist sehr stark, wegen der Nachfrage im Transport- und Baugewerbe“, erklärt David Fyfe, Chef-Volkswirt bei der Gunvor Group, einem Branchenspezialisten.

Das ist auch den Hedgefonds nicht entgangen, wie das Blatt schreibt: Die US-Terminkontrakte auf Diesel verzeichnen ein Vierjahreshoch. Die Gewinnmarge der Heizöl- und Dieselproduzenten steigt, weshalb die Raffinerien zusehends Rohöl auf dem Markt nachfragen: Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent ist an die Marke von 60 Dollar herangeklettert – ein Zweijahresmaximum.
Doch sind die Prognosen der Marktkenner weitaus optimistischer: Die weltweite Ölnachfrage wird im laufenden Jahr auf 1,6 Millionen Barrel pro Tag ansteigen, schätzt die Internationale Energiebehörde IEA laut dem Blatt. Das übersteigt die Durchschnittswerte des letzten Jahrzehnts erheblich. Auf dem APPEC-Gipfel in Singapur haben die Ölhändler gar einen Anstieg auf 1,8 Millionen Barrel prognostiziert, berichtet «Expert».

 

Quelle: Sputnik