Barcelona/Belgrad. Die katalanische Sezession wird im übrigen Europa durchaus kritisch gesehen. So beobachtet die serbische Regierung mit großer Sorge die separatistischen Entwicklungen in Spanien und warnt vor einer „Büchse der Pandora”. Serbien befürchtet, daß nun auch sezessionistische Bewegungen auf dem Balkan wieder Aufwind bekommen könnten.

Der serbische Außenminister Dacic erklärte, die unheilvolle Pandora-Büchse sei bereits 2008 geöffnet worden, als die frühere serbische Provinz Kosovo ihre Unabhängigkeit erklärte.

Auch serbische Medien spekulieren, daß es nach dem Referendum in Katalonien auch in der bosnischen Republika Srpska eine vergleichbare Abstimmung geben könnte. Der Präsident der serbischen Teilrepublik von Bosnien-Herzegowina, Milorad Dodik, fordert seit Jahren immer wieder eine Abspaltung der Republika Srpska von Bosnien. Ein für kommendes Jahr geplantes umstrittenes Unabhängigkeitsreferendum wurde vor wenigen Wochen abgesagt. Nun könnte die Idee neuen Auftrieb erhalben, meinen Beobachter. So schrieb die Zeitung „Blic“, es sei wahrscheinlich, daß im Fall einer Volksabstimmung die Mehrheit der bosnischen Serben für die Unabhängigkeit und die Vereinigung mit dem serbischen Mutterstaat stimmen würden.

Andererseits könnten sich die in Serben lebenden Albaner veranlaßt sehen, jetzt den Anschluß an das Kosovo voranzutreiben. Die in drei Gemeinden – Bujanovac, Presevo und Medvedja – lebenden Albaner hatten sich bereits in den 90er-Jahren in einem von Serbien nicht anerkannten Referendum für den Anschluß an das Kosovo ausgesprochen.

 

Quelle: Zuerst