Das US-Außenministerium hat am Montag Angaben über die Erfüllung der Verpflichtungen gemäß START-Vertrag durch die USA und Russland veröffentlicht. Demnach sind die USA an Russland vorbeigezogen und erreichten als erste die Kontrollkennzahlen des Abkommens.

Doch auch Russland unternahm ernsthafte Anstrengungen zur Erfüllung des Vertrags, indem die Zahl der Gefechtsköpfe auf entfalteten Trägern bedeutend abgebaut wurde, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

Laut den von Washington veröffentlichten Angaben verfügen die USA über 660 entfaltete Träger von Atomwaffen – bodengestützte ballistische Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte ballistische Raketen und schwere Bomber. Die USA besitzen 1393 nukleare Gefechtsköpfe. Insgesamt haben die USA 800 entfaltete und nicht entfaltete strategische Startanlagen.

Russland verfügt über 501 entfaltete Träger von Atomwaffen und 1561 nukleare Gefechtsköpfe. Die Gesamtzahl der nicht entfalteten Startanlagen in Russland liegt bei 790. Wie es in einem Bericht des US-Außenministeriums heißt, haben die USA die vom START-Vertrag vorgesehenen Kennzahlen bereits erreicht. Die Frist endet am 5. Februar 2018.

„Die jüngsten Angaben des Außenministeriums zeigen, dass die USA zum ersten Mal seit dem Inkrafttreten des Vertrags 2011 das Niveau von 800 entfalteten und nicht entfalteten strategischen Startanlagen erreicht haben. 660 entfaltete Träger sind ebenfalls weniger als die zugelassene Zahl von 700. Auch 1393 Gefechtsköpfe sind deutlich niedriger als die genehmigte Zahl von 1550. Damit haben die USA technisch schon die Forderungen des Vertrags erfüllt“, sagt Atomwaffenexperte Hans Kristensen.

Ihm zufolge geht es bei den jüngsten Reduzierungen seitens der USA um die Umgestaltung von Bombern zu Trägern von nichtnuklearen Mitteln und die Senkung der Zahl der Startanlagen auf U-Booten der Ohio-Klasse.

Wie der russische Abrüstungsexperte Pawel Podwig betonte, gab es in der letzten Zeit viele Spekulationen darüber, ob Russland die vom START-Vertrag vorgesehenen Kennzahlen zum Februar 2018 erreichen wird. Seit 2015 baute Russland tatsächlich aktiv die Zahl der entfalteten Gefechtsköpfe aus, statt sie zu reduzieren. Doch in den letzten sechs Monaten wurden bereits 203 Einheiten abgebaut. Um die Grenze von 1550 zu erreichen, müssen nur noch elf Sprengköpfe abgebaut werden.

Der Leiter der Abteilung für Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle des russischen Außenministeriums, Michail Uljanow, sagte Mitte September, dass zum Erreichen der Kontrollkennzahlen zum 5. Februar 2018 noch ernsthaft gearbeitet werden soll. Zugleich hob er hervor, dass der START-Vertrag, der bis 2021 gültig ist, auch die Option der Verlängerung um fünf Jahre vorsieht, und gab zu verstehen, dass Moskau dazu bereit ist. „Wir haben bislang keinen eindeutigen Beschluss dazu, doch wir sind bereit, diese Möglichkeit mit den Amerikanern zu besprechen.“ Man wolle wissen, ob Washington die Verlängerung für fünf Jahre zulasse, bislang sei dies nicht zu erkennen. Allerdings habe man noch Zeit, der Vertrag bleibe noch mehr als drei Jahre in Kraft, so Uljanow.

 

Quelle: Sputnik