Die Unzufriedenheit der Abgeordneten der in Großbritannien regierenden Konservativen Partei mit ihrer Chefin Theresa May nimmt zu, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

Der Auftritt von Theresa May beim Parteitag in Manchester wurde zur Niederlage. Wenige Minuten nach Beginn der Rede trat der britische Komiker Simon Brodkin auf sie zu und überreichte ihr ein Kündigungsschreiben. „Boris ließ mir das Ihnen übergeben“, sagte Brodkin und meinte die Gerüchte, dass Außenamtschef Boris Johnson sich zum Ziel gesetzt hat, May als Premier abzulösen.

Einige Konservative gaben zu verstehen, dass sie den Wechsel an der Parteispitze nicht zulassen werden. „Ich habe eine Nachricht für die Abgeordneten, die Mitteilungen an Kollegen schreiben und fragen, was wir von Mays Rede halten – die Stelle in der Downing Street 10 ist schon besetzt!“, ließ der Abgeordnete Marc Pritchard auf Twitter verlauten.

„Die Regierungschefin musste mit sich kämpfen, um die Rede zu Ende zu bringen“, schrieb die Chefin der schottischen Konservativen, Ruth Davidson, auf Twitter. „Ihr Auftritt ist eine Metapher für ihren harten Charakter und ihr Pflicht-Gefühl. Ich empfinde großen Respekt vor ihr!“

Doch für manche Politiker bedeutete Mays Rede eine Niederlage und einen weiteren Beweis für ihre Inkompetenz. „Früher dachte ich, dass May über große Reserven verfügt“, sagte eine Tory-Abgeordnete der Zeitung „Times“. „Doch jetzt denke ich, dass sie nach einer weiteren Krise ihren Posten verlieren wird.“ Ein Minister der Konservativen bestätigte im Gespräch mit der Zeitung die zunehmende Unzufriedenheit mit der Regierungschefin.

Eine parteiinterne Abstimmung um den Posten des neuen Tory-Chefs kann mit zwei Optionen eingeleitet werden. Falls May den Rücktritt erklärt, wird das automatisch zur notwendigen Wahl der neuen Parteichefin und Regierungschefin führen. Zudem können 15 Prozent der Tory-Vertreter im House of Commons ein Schreiben mit einem Misstrauensvotum an das 1922-Komitee richten.

„May ist in einer äußerst schwierigen Lage“, sagte Roger Scully von der Cardiff University. „Der einzige Faktor von Vorteil für sie ist die Tatsache, dass die Konservativen noch keine eindeutige Option haben, mit der sie sie ersetzen können.“

Auch wenn May die Entlassung vermeidet, bleiben die Aussichten der Konservativen nebelhaft, so Experten. Die jetzige Tory-Führung habe keine neuen Ideen vorgelegt, die die Unterstützung der Jugend und der schwankenden Wähler sichern würden. Die Folge des Rückgangs der Popularität der Partei unter diesen Bevölkerungskategorien war die Niederlage der Tory bei den Wahlen im Juli.

„Die Mitglieder der Konservativen Partei sind durchschnittlich älter und wohlhabender als Vertreter anderer politischer Kräfte“, schreibt Tim Bale von der Queen Mary University of London in der Zeitung „Politico“. „Die Heranziehung der Jugend, von Vertretern der Arbeiterklasse und Frauen würde der Partei helfen, einige Probleme zu lösen, darunter ihre schwache Kampagne in den sozialen Netzwerken“, so der Experte.

Die Hauptaufgabe der Konservativen sei es, jungen Menschen zu beweisen, dass die Partei auf ihrer Seite steht. „Hier müssen die Konservativen deutlich mehr Anstrengungen unternehmen“, sagt Bale.

 

Quelle: Sputnik