China plant laut dem Verteidigungsministerium Taiwans einen Einmarsch auf die Insel, schreibt die «Nesawissimaja Gaseta» am Freitag.

Die «Washington Post» veröffentlichte vor kurzem ein Szenario für einen möglichen Kriegs in der Formosastraße. Anlass dafür war das Buch „The Chinese Invasion Threat“ (dt.: „Die Gefahr einer chinesischen Invasion“) des Forschers Ian Easton von der Washingtoner Denkfabrik „Project 2049“.

Der Autor stützte sich in seiner Studie auf angebliche „Leaks“ aus einem Handbuch für das chinesische Militär, in dem es unter anderem um die Regelung der „Taiwan-Frage“ geht. Zuvor hatten taiwanesische Militärs diese Informationen in ihre Hände bekommen.

Demzufolge soll es einen geheimen Plan geben, laut dem die chinesische Volksbefreiungsarmee bis 2020 einen Einsatz zur Rückeroberung Taiwans erwägt. Nach Einschätzung des US-Politologen Kyle Mizokami bedeutet dieser Plan nicht, dass es zur chinesischen Invasion unbedingt kommen werde, aber in Peking denke man offenbar an eine solche strategische Option.

An der so genannten „Vereinigten Kampagne zur Invasion auf der Insel“ würden das Heer, die Luft- und Seestreitkräfte, die Marineinfanterie und sogar die Raketentruppen teilnehmen. Die erste Phase des Einsatzes sehe eine Wasser- und Luftblockade der Insel, Cyberangriffe, Raketen- und Bombenangriffe vor. Im Rahmen der zweiten Phase würden die chinesischen Kräfte auf kleineren Inseln in der Nähe des Festlandes landen, die aktuell Taipeh kontrolliert. Die dritte und viel umfassendere Phase hätte das Ziel, Taiwan selbst zu erobern.

Allerdings gäbe es da eine ganze Reihe von Problemen: Vor allem sind die taiwanesischen Streitkräfte gut ausgebildet und einsatzbereit; die Insel ist bergig, was den Einsatz der Chinesen erschweren würde; und schließlich sollte man die engen militärischen Kontakte Taiwans mit den USA bedenken.

Die sogenannte Republik China entstand auf Taiwan, nachdem der frühere Staatspräsident Chiang Kai-Shek 1949 den Bürgerkrieg verloren hatte und auf die Insel geflüchtet war.

Eigentlich ist der ans Licht gekommene Plan zur Rückeroberung Taiwans keine Sensation. Peking hatte schließlich bereits 1947 erklärt, Taiwan würde irgendwann „befreit“ werden.  Auch in den letzten Jahrzehnten brachte die Führung der Volksrepublik solche Ideen öfter zum Ausdruck.

Experte Alexander Larin vom russischen Institut für Fernost-Studien sagte: „Einen Plan zur militärischen ‚Lösung‘ der ‚Taiwan-Frage‘ könnte es durchaus geben. Denn die Generalstäbe verschiedener Länder entwickeln immerhin diverse Offensiv- und auch Defensivpläne. Ich denke, dass die chinesische Generalität darauf eingestellt ist, gegen Taiwan Gewalt anzuwenden, wenn sich eine passende Möglichkeit dazu bietet.“

Peking müsste jedoch unter Umständen keine Gewalt anwenden: Es könnte Taipeh einfach drohen und verlangen, dass sich die Insel als Teil der Volksrepublik erklärt. Und die Taiwanesen müssten das akzeptieren, so der Politologe.

Larin verwies darauf, dass China in letzter Zeit in Asien immer härter vorgehe, indem es sich auf seine Militärstärke stütze. So habe es Militärobjekte auf mehreren künstlichen Inseln im Südchinesischen Meer eingerichtet und eine Autobahn nach Pakistan durch ein Gebiet gebaut, das Indien für sein Territorium halte. Daher müsse es in Peking eine Gruppe von einflussreichen Personen geben, die zu entschlossenen Schritten bereit seien, schlussfolgerte der Experte.

„Andererseits würde eine Gewaltanwendung gegen Taiwan eine äußerst negative Reaktion in den USA und im Westen im Allgemeinen auslösen. Ob China so etwas eingehen würde, ist eine große Frage. Immerhin pflegt Peking sehr enge Wirtschaftskontakte mit dem Westen und ist an ihrer Aufrechterhaltung interessiert“, fügte Larin an.

 

Quelle: Sputnik