Das US-Außenministerium hat einen Plan zur Deeskalation des Konflikts mit Pjöngjang vorbereitet. Er sieht das Einfrieren der nordkoreanischen Raketen- und Atomtests für mindestens zwei Monate vor. Im Gegenzug versprechen die USA die Aufnahme eines direkten Dialogs mit Nordkorea, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

Laut „Kommersant“-Quellen, die dem US-Außenministerium nahestehen, zeigen die USA Bereitschaft zu einem Kompromiss mit Nordkorea. Falls Pjöngjang bereit ist, im Laufe von mindestens zwei Monaten keine Atom- und Raketentests durchzuführen, wird Washington auf direkte bilaterale Verhandlungen mit Nordkorea eingehen. Dieser Vorschlag soll als „Tillerson-Plan“ bezeichnet werden.

Dem Experten des Asan Institute for Policy Studies, Go Myong-Hyun, zufolge entspricht dieses Angebot zwar den entsprechenden Anfragen Nordkoreas und könnte theoretisch angenommen werden. „Allerdings sollte man sich vergewissern, dass dies die einheitliche Position der US-Führung ist. Es scheint, dass Donald Trump damit nicht ganz einverstanden ist, in diesem Fall ist dieser Vorschlag nichts wert“, so der Experte.

US-Präsident Donald Trump und Außenminister Rex Tillerson zeigten verschiedene Positionen zu Nordkorea. Tillerson berichtete zunächst, dass Washington direkte Kommunikationskanäle mit Pjöngjang hat, über die US-Diplomaten herausfinden wollen, ob die nordkoreanische Führung bereit ist, auf Verhandlungen zum Atomprogramm einzugehen. Daraufhin schrieb Donald Trump auf Twitter: „Ich sagte Tillerson, dass er Zeit verschwendet, indem er einen Dialog mit dem kleinen Raketenmann beginnen will. Spar deine Energie, Rex“, so Trump.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, sagte danach am Montag, dass für einen direkten Dialog mit Pjöngjang noch nicht die Zeit gekommen sei. Ihr zufolge ist Washington jetzt nur zu Verhandlungen über die Rückkehr der sich dort befindlichen Amerikaner bereit – wegen Spionage-Vorwürfen sitzen drei US-Staatsbürger in nordkoreanischen Gefängnissen.

Laut dem Asien-Experten Georgi Toloraja verfolgt Nordkorea aufmerksam die Kontroversen in der US-Führung. Pjöngjang fürchte, dass die Bedingungen des Deals von den USA nicht eingehalten werden.

„Falls der Vorschlag angenommen wird, wird das die Entwicklung positiv beeinflussen. Ohne direkten Dialog wird sie sich nur verschlechtern“, sagte Georgi Toloraja.

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un würde nur amerikanische Sicherheitsgarantien akzeptieren. China, das seit vielen Jahren als Hauptpartner und Beschützer Nordkoreas galt und mit ihm den Vertrag über Freundschaft und Kooperation von 1961 unterhält, wird jetzt von Pjöngjang beinahe als „nicht-freundschaftlicher” Staat wahrgenommen. Peking ignorierte lange die UN-Sanktionen gegen Nordkorea, doch nach der Verabschiedung von Resolution 2375 entschlossen sich die Chinesen zu ernsthaften Maßnahmen. China blockierte den Textilimport aus Nordkorea und drohte mit der Einschränkung des Exports von Ölprodukten und der Einstellung der Flüssiggaslieferungen.

Unter diesen Bedingungen ist es nicht verwunderlich, dass amerikanisch-nordkoreanische Gespräche in vielerlei Hinsicht über Moskau erfolgen. Am 28. September kam die Leiterin der Amerika-Abteilung des Außenministeriums Nordkoreas nach Moskau, wo sie von hochrangigen russischen Beamten empfangen wurde. Mitte September reiste der Nordkorea-Sondergesandte der USA, Joseph Yun, nach Moskau. „Russland hat von allen Staaten, die in das nordkoreanische Problem einbezogen sind, am wenigsten eigene Interessen. Deswegen genießt es das größte Vertrauen Pjöngjangs“, so der Experte.

 

Quelle: Sputnik