Bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Zusammenarbeit der USA mit ukrainischen Nationalisten und NS-Kollaborateuren. Sie hält bis heute an und zielt gegen Moskau.

Von Christian Saarländer

Die Zusammenarbeit zumindest bestimmter Interessengruppierungen der USA und den extremen Rechten in der Ukraine dauert nunmehr seit sieben Dekaden an. Dieses Thema wurde in den westlichen Medien seit etwa Anfang 2014 kleingeredet. In der englischsprachigen Publikation The Nation wurde in Zusammenarbeit mit The Foreign Policy In Focus ein Interview mit dem Autor Russ Bellant veröffentlicht, der bereits in den 1980er dieses Thema aufgegriffen hatte.

Videos von Aufmärschen und Demonstrationen der ukrainischen Rechte werden ständig veröffentlicht. Auch während des Maidan-Umsturzes 2014 tauchten diese Videos weit und breit auf, was – wenn überhaupt – nur sehr spärlich in der deutschsprachigen Medienlandschaft aufgegriffen wurde. Dies passte nicht in das Narrativ der „friedlichen Revolution“, die dem Zuschauer beispielsweise über den Staatsfunk von ARD und ZDF verkauft werden sollte. Gerne hätte man als „russische Propaganda“ herabgestuft, wenn nicht die rechten Gruppierungen von Swoboda, über den rechten Sektor bis hin zum militanten Azow-Regiment selbst ihre Aktivitäten propagieren würden.

Weitaus weniger berichtet man über die westlichen Interessengruppen, die solche Gruppierungen in der Ukraine finanzierten und stark gemacht haben. Und dies nicht erst seit Beginn der 2000er Jahre bis hin zum aktuellen Zeitpunkt, sondern bereits seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wo man nach dem Beginn des Kalten Krieges in den Faschisten, die besonders im Westen der Ukraine stark vertreten sind, einen nützlichen Partner gegen den Kommunismus in der Sowjetunion erblickte. Besonders die US-Rechte, die auch viele Altnazis aus Deutschland für sich gewinnen konnte, interessierten sich für die ehemaligen Nationalisten-Führer der damals existierenden Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), deren Anführer Stepan Bandera in München später getötet wurde. Im Interview geht Bellant unter anderem darauf ein, wie daraufhin Jaroslaw Strelsko nach Banderas Tod zum Liebling der Republikaner und Alt-Rechten in den USA avancierte. Die OUN war lange Zeit Partner des US-Auslandsgeheimdienstes CIA im Kampf gegen die Kommunisten, gegen die sie in den 1950er Jahren einen Stellvertreterkrieg in der Ukraine führten.

Die Zusammenarbeit währt auch nach Auffassung Bellants bis in die heutige Zeit hinein, wenngleich sich auch die Namen und Strukturen rechter und neonazistischer Gruppierungen nun geändert haben. Das Feindbild Sowjetunion hat sich für die rechten Gruppierungen in den USA in das Feindbild Russland verwandelt. So reiste beispielsweise John McCain, Republikaner und US-Senator von Arizona, zu Jahresbeginn überraschend in die Donbass-Region, wo er den ukrainischen Soldaten im Kampf gegen die Volksrepubliken Donezk und Lugansk Mut zusprach. Bereits 2013 traf sich McCain mit Vertretern der Swoboda-Partei, um diese im Kampf gegen Russland zu unterstützen.

Man könnte die Geschichte der Zusammenarbeit zwischen US-Mächten und Nazis auch noch an einem früheren Zeitpunkt ansetzen. Auch in der deutschen Legion „Condor“, die von 1936 bis 1939 erfolgreich im spanischen Bürgerkrieg gegen die Kommunisten kämpften erblickte die US-Rechte – insbesondere der damalige Öl-Magnat Rockefeller – einen starken Verbündeten gegen den Kommunismus im Osten, auf dessen Ölreserven man es abgesehen hatte. Auch im aktuellen Ukraine-Krieg geht es um Rohstoffe und geopolitische Interessen der USA, wenngleich sich diese nicht offiziell als Konfliktpartei oder Auslöser darstellen und auch in den Minsker Gesprächen außen vor bleiben. Denn schließlich ist die an sich wirtschaftlich rudimentär entwickelte Ukraine immerhin noch eine Agrar-Macht mit einem großen Territorium. Und auch die Erschließung des Schwarzen Meeres war nicht nur ein Ziel der deutschen Nationalsozialisten – nein, auch das US-Imperium will sein Einflussgebiet erweitern.

 

Quelle: Contra Magazin