Martin Sellner gehört zu den Initiatoren des „Defend Europe“-Projekts. Mit ZUERST! spricht er über seine Erfahrungen an Bord der „C-Star“

Herr Sellner, die Kampagne „Defend Europe“ hat ihre erste Mission im Mit­telmeer Mitte August offiziell beendet. Das internationale Medienecho war ge­waltig. Haben Sie erreicht, was Sie sich vorgenommen hatten?

Sellner: Ja, unser Ziel wurde erreicht. Zum Teil haben Sie es in Ihrer Frage schon vorweggenommen. Das massive Interesse der Medien, die zwischen Hy­sterie und Häme, Faszination und Gru­sel über jede Seemeile der „C-Star“ be­richteten, ist als Erfolg zu werten. Der Fokus, den wir auf, und die Unruhe, die wir in das Geschäft der NGOs gebracht haben, stehen außer Frage. „Defend Eu­rope“ erzeugte Druck auf zwei Ebenen. Erstens war unsere Präsenz vor der Kü­ste für die NGOs kostspielig, riskant und lähmend. Als wir die „Aquarius“ mehrere Tage lang verfolgten, sie Tag und Nacht mit Ferngläsern und Teleobjektiven im Auge behielten, all ihre Funksprüche aufzeichneten und sie auf­forderten, die SAR-Zone zu verlassen, stellten wir einen überraschenden Effekt fest: Das Schiff, das bereits Tausende Migranten nach Europa gebracht hat, verlor auf einmal jede Lust zum Schlep­pen. Obwohl sie zu dem Zeitpunkt das einzige NGO-Schiff vor Ort war, obwohl sich an Land die Migranten stauten und bestes „Schlepper-Wetter“ herrsch­te, kreuzte sie nur ziellos umher.

Wieso das?

 Sellner: Der Grund dafür ist einfach: Nachdem die „Iuventa“ an die Kette ge­legt worden war, da es Beweise gibt, die regelrechte „Migranten-Übergaben“ von Schleppern an NGOs belegen sol­len, wollte die „Aquarius“ nicht dassel­be Schicksal riskieren und verhielt sich in unserer Gegenwart passiv. Neben dem direkten Effekt der Überwachung beschleunigte die Mission auch den gesetzlichen Prozeß gegen den NGO-Wahnsinn. Der österreichische Innen­minister Wolfgang Sobotka belegt das, als er in einer Pressemitteilung verlaut­baren ließ, daß „Defend Europe“ die Schließung der Mittelmeerroute „noch dringender“ mache. Man dürfe, so der Minister weiter, uns „nicht das Feld überlassen“. Genau das war das Ziel un­serer Mission: die Regierungen zu bla­mieren und in die Pflicht zu nehmen. Das Gleichgewicht des Wahnsinns aus der Balance zu bringen und den Anstoß für die Schließung der Grenze zu geben, die jetzt in Fahrt kommt. Die Zahlen der illegalen Einreise gehen drastisch zurück, und seit mehr als 20 Tagen ist keiner mehr ertrunken.* Das ist auch ein Effekt unserer Mission.

Sie waren ja teils selbst mit an Bord der „C-Star“. Wie funktionierte denn das Zusammenwirken der identitären Aktivisten aus mehreren Ländern unter­einander sowie mit der Besatzung?

Sellner: Ich war die gesamte Zeit mit an Bord und habe auf dieser Reise un­glaubliche Erfahrungen gemacht. Wir alle sind an ihr gewachsen und gereift. In einigen harten Momenten, in den Stunden der Ungewißheit und der Ge­fahr wächst man ganz natürlich zusam­men, und so spielte die Sprachbarriere bald auch keine Rolle mehr. Franzosen, Italiener, Österreicher und Bundesdeut­sche arbeiteten an Bord der „C-Star“ zusammen, wie vor Jahrhunderten die europäischen Völker auch in Lepanto – der großen Seeschlacht der Heiligen Liga gegen das Osmanische Reich 1571 – an einem Strang zogen.

An Bord waren aber nicht nur Europäer…

Sellner: Anders als in Lepanto hatten wir auch eine Crew aus Seemännern aus Sri Lanka, was unter anderem die Bordküche zu einem exquisiten Erleb­nis machte. Auch abgesehen davon wa­ren die Leute, vom Koch bis zum Kapitän, großartige Leute. Sie sind mit uns durch dick und dünn gegangen und haben in Momenten die Nerven behal­ten, in denen die meisten europäischen Seeleute wahrscheinlich längst gekün­digt hätten. Unvergeßlich waren auch die Abende vor Sfax (Tunesien), als wir vor Anker lagen und am Abend ab­wechselnd französische, italienische, deutsche und srilankische Volkslieder zu hören waren. Das war Ethnopluralis­mus in Reinform. Wir überlegen sogar, bei der EU einen Förderantrag für Di­versity-Management und kulturellen Austausch zu stellen. Am Anfang war es nur etwas kompliziert, der Crew zu er­klären, was der Sinn der Mission ist. Sie konnten kaum glauben, daß wir für die­se Tätigkeit nicht bezahlt wurden, son­dern freiwillig unsere Grenzen schütz­ten. „In Sri Lanka this is job of govern­ment“, meinte unser Captain nur kopf­schüttelnd.

Die Reise stand ja von Anfang an unter dem Zeichen von Störmanövern. Noch im Suezkanal wurde die „C-Star“ von der ägyptischen Marine aufgehalten. Welche Vorwürfe standen dahinter, und wie lief die Kontrolle ab?

Sellner: Die Vorwürfe waren so absurd wie falsch. Die „C-Star“ war nach Be­hauptung einer Soros-finanzierten eng­lischen „Stiftung“ ein Kanonenboot, das vor Waffen starrend und mit ukrai­nischen Söldnern beladen gen Libyen fahren würde. So lächerlich das klingt, so gefährlich war diese Lüge für die Crew. Bei der darauffolgenden Durch­suchung wurde das ganze Schiff verwüstet, Wände wurden herausgebro­chen, Bildschirme eingetreten und die Mannschaft wurde gefoltert.

Gefoltert?

Sellner: Anders kann man es nicht nen­nen, wenn 25 Leute bei ägyptischer Hitze mit den Händen hinter dem Kopf stun­denlang in der Hitze knien müssen, wäh­rend Kapitän und Offiziere mit vorgehaltener Waffe verhört werden. Obwohl nichts gefunden wurde, durfte die „C‑Star“ nachher in keinem ägyptischen Hafen mehr anlegen und konnte nur un­ter größtem finanziellen und logistischen Aufwand den Suezkanal passieren. Uns war von dem Moment an klar: Wir hat­ten mächtige Gegner mit viel Geld und Einfluß. Die Hetzartikel dienten als Vor­wand, aber reichten sicher nicht aus, um die ägyptischen Behörden zu mobilisie­ren. Da waren wohl auch andere Kräfte am Werk, deren erklärtes Ziel es war, die gesamte Operation scheitern zu lassen.

Ende Juli rollte plötzlich eine Welle des Hohns durch das Netz und verschiedene Medien. „Identitäre unter Schlepper­verdacht“, titelte etwa die Frankfurter Rundschau. Was war da los?

Sellner: Auch hier handelte es sich, wie bei jedem einzelnen „Zwischenfall“ der Mission, um eine Attacke von außen. An Bord des Schiffes befand sich eine zirka fünfundzwanzigköpfige Trainingscrew aus Sri Lanka. Die Kadetten hatten Geld bezahlt, um sich Seemeilen zu erarbei­ten, die sie für ihre weiteren Karrieren auf Kreuzfahrtschiffen oder bei der Ma­rine brauchten. Der Plan, sie in Ägypten aussteigen zu lassen, scheiterte an der Sabotage der NGOs. Als sie in Zypern von Land gingen und zum Flughafen gebracht wurden, erwarteten sie dort ebenfalls Angestellte einer Mittelmeer-NGO. Sie machten den Leuten Angst, erzählten ihnen, daß sie auf einem ex­tremistischen „Nazi-Schiff“ unterwegs seien und konnten fünf der eingeschüchterten und verwirrten jungen Leute dazu überreden, „Asyl“ zu beantragen. Damit wurde das Leben der Männer aus Sri Lanka zerstört. Wäh­rend der Rest der Crew nach Hause ab­flog, kamen die fünf Männer einen Mo­nat lang in türkische Haft und wurden dann in ihre Heimat abgeschoben, wo ihnen ein ungewisses Schicksal droht. All das ist den NGOs aber egal, wenn es eine Schlagzeile gegen die „C-Star“ bringt. Egal war ihnen auch, daß diese miese Aktion zu einer Anklage wegen illegaler Einfuhr gegen die Crew des Schiffes und zu ihrer kurzfristigen In­haftierung führte. Die Sache hat sich aber rasch aufgeklärt und die Mission am Ende nur Zeit gekostet. Der Versuch, uns zum Aufgeben zu bringen oder uns von unseren Unterstützern zu isolieren, ging nach hinten los. Hundertausende Zugriffe auf unsere Seiten und Videos und ein weiterer Anstieg der Spenden zeigten, daß die Öffentlichkeit sich nicht mehr von diesen Fake-News blen­den läßt.

Zentrales Ziel der Mission war es, die Aktivitäten spendenfinanzierter NGOs aufzuklären, die sich als „Seenotretter“ aufspielen. Welche konkreten Ergebnis­se hatten Ihre Beobachtungen? Haben Sie eine Kooperation von NGOs und Schlepperbanden feststellen können?

Sellner: Wir konnten während unserer Mission zahlreiche Funksprüche der NGO-Schiffe aufzeichnen, die ihrerseits sehr bezeichnend sind. NGOs, die ent­täuscht darüber sind, daß sich ein ver­meintliches Migrantenschiff als Fischer­boot entpuppt, NGOs, die gegen Roms Anweisungen zu SAR*-Einsätzen fahren, um die sich schon die Marine kümmern sollte und so weiter. Ebenso konnten wir beobachten und mit Fotos dokumentie­ren, wie die „Aquarius“ in der Nacht, in voller Deckbeleuchtung, gegen jedes Ge­setz der Seefahrt vor der SAR-Zone auf und ab kreuzte. Das wirklich Interessan­te jedoch war: Die NGOs, an deren Fer­sen wir uns hefteten, nahmen von da an gar nicht mehr an SAR-Einsätzen teil. Unser Vorhaben, zu dokumentieren, wie die Übergabe der Migranten läuft, und das Narrativ der „Rettung“ zu brechen, war daher gar nicht möglich und nötig, da bereits unsere Präsenz als Abschrec­kung diente. Die Schiffe hatten wohl Angst, das Schicksal der „Iuventa“ zu tei­len, falls wir beobachtet und dokumen­tiert hätten, wie beispielsweise ein Schlepperschiff ihnen ein Migranten­boot „übergibt“. Insofern waren die eigentlichen „Waffen“ an Bord der „C‑Star“, unsere Kameras und Ferngläser, wirksamer als alles andere.

Kann man Chronik und Resultate der ersten „Defend-Europe-Mission“ be­reits irgendwo nachlesen, oder ist eine entsprechende Veröffentlichung ge­plant?

Sellner: Wir sind dabei, die gesamte Mission aufzuarbeiten, alle falschen Be­hauptungen mit Beweisen zu widerlegen und alle Erfolge zusammenzufas­sen. All das soll in einer umfassenden Dokumentation in Form eines kleinen Films aufbereitet werden. Was wir an Land und zu Wasser erlebt haben, reicht aber tatsächlich für ein eigenes Buch. Einige Mitglieder der Mission – ich auch – haben eine Art „Tagebuch“ ge­führt, das vielleicht wirklich als Erleb­nisbericht erscheinen könnte. Beson­ders interessant wird es auch sein, die Verkündigung, den Start und den Ver­lauf der Mission parallel zu den Maß­nahmen der italienischen und libyschen Küstenwache zu betrachten. „Defend Europe“ ist der nötige Katalysator für die Schließung der Mittelmeerroute. Die erste Mission ist vorbei, aber „De­fend Europe“ geht als Projekt weiter. Sollte der NGO-Wahnsinn wieder los­brechen oder sich an einen anderen Ort verlagern, ist die Botschaft klar: Wenn unsere Politiker nicht bereit sind, die Grenzen zu sichern und uns „das Feld überlassen“, tun wir unsere und ihre Pflicht und verteidigen Europa.

Herr Sellner, vielen Dank für das Ge­spräch.

* Das Interview wurde Anfang September geführt (Anm. der Red.).

Martin Sellner, geboren 1989 in Wien, ist der Kopf der österreichischen „Identitären Bewegung“. Nach dem Wehrdienst beim österreichischen Bundesheer studiert Sellner in Wien Philosophie und Rechtswissenschaf­ten. Daneben ist er Graphiker und Mitinhaber der identitären Modemarke „Phalanx Europa“. Sellner gilt als Ideengeber und Initiator zahlreicher aufsehenerregender Aktionen der „Identitären Bewegung“.

 

Quelle: Zuerst